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l.: Daniela Willimek. Foto: Corinna Stein r.. Bernd Willimek. Foto: Corinna Stein

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Harmonien als Wegweiser im therapeutischen Prozess

Untertitel
Strebetendenz-Theorie in der Musiktherapie
Vorspann / Teaser

Musik kann Gefühle ausdrücken, für die zunächst die Worte fehlen. Wie mu­sikalische Klänge in der Therapie auf­gegriffen und gemeinsam gedeutet werden können, beschreiben der Bret­tener Musiktheoretiker Bernd Willimek und die Pianistin Daniela Willimek im Beitrag „Harmonien als Wegweiser im therapeutischen Prozess“ für die Mu­siktherapeutische Umschau (Ausgabe 3/2026). 

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Die von den Willimeks entwickelte Strebetendenz-Theorie (STT) wurde erstmals im tonkünstler-forum Nr. 114 (September 2019) des Tonkünstlerverbandes Baden-Württemberg veröffentlicht. Sie beschreibt die emotionale Wirkung musikalischer Harmonien als Folge einer unbewussten Identifikation der Hörenden mit Willens-und Spannungsvorgängen, die in der Musik erlebt werden. Für die Musikthe­rapie kann die Theorie eine zusätzliche Orientierung bieten, wenn musikalische Erfahrungen im therapeutischen Ge­spräch gedeutet werden. Unabhängig davon, ob die zu therapierende Person der Musik nur zuhört oder bereits selbst ein Instrument spielen kann. 

Musik als gemeinsame Sprache 

Anhand einer modellhaften Fallvi­gnette zeigen die Autoren, wie sich der Ansatz praktisch einsetzen lässt. Ein 15-jähriger Jugendlicher, der wegen Wutausbrüchen und Konflikten in der Schule in Therapie kommt und bereits Klavier spielen kann, improvisiert zu­nächst schnell, laut und mit harten An­schlägen. Als sich das Tempo steigert und ein spannungsreicher Dominant­septakkord erklingt, lautet die thera­peutische Rückmeldung: „Diese Mu­sik klingt, als ob du dich gegen etwas wehrst.“ Der Jugendliche stimmt zu. Über die Musik entsteht ein Gespräch über Widerstand und Protest, ohne dass er seine Gefühle zunächst aus­führlich in Worte fassen muss. Auch Trauer, Wut oder Ambivalenz können durch unterschiedliche musikalische Gestaltung hörbar und gemeinsam reflektiert werden. Die Bedeutungen werden dabei nicht fest vorgegeben, sondern im persönlichen Dialog ent­wickelt. So kann im Therapieverlauf ein individuelles „Harmonie-Wörter­buch“ entstehen. 

Von der Theorie zur Praxis 

Die Strebetendenz-Theorie, internati­onal als Theory of Musical Equilibra­tion bekannt, versteht sich nicht als starres Deutungsschema. Welche Be­deutung ein Klang erhält, hängt vom Menschen, vom musikalischen Zusam­menhang und von der therapeutischen Situation ab. Sie soll vielmehr eine zu­sätzliche Symbolsprache anbieten, mit deren Hilfe musikalisch Erlebtes in einen Dialog über Gefühle überführt werden kann. 

Originalpublikation: Bernd Willimek und Daniela Willimek: „Harmonien als Wegweiser im therapeutischen Prozess. Die Anwendung der Stre­betendenz-Theorie in der Praxis mit einem Jugendlichen.“ Musikthera­peutische Umschau, Ausgabe 3/2026. 

https://www.vr-elibrary.de/doi/10.13109/muum.2026.47.3.258 

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