Aus Anlass des beginnenden Wintersemesters sprach Adelheid Krause-Pichler mit der Dekanin Prof. Violeta Dinescu über die Entwicklung des weltweiten Zoom-Colloquiums der EASA.
Impulse für neue Forschungsideen
Adelheid Krause-Pichler: Wie kam es zu der Idee, ein Zoom-Colloquium einzurichten und wann war das?
Violeta Dinescu: Ich bin seit 2017 Mitglied der EASA. Im Jahr 2021 wurde ich gebeten, die Funktion der Dekanin der Class III – Arts zu übernehmen. Zufällig ging ich ebenfalls im Jahr 2021 in den Ruhestand. Auf ganz natürliche Weise entstand die Idee, die Organisation von Colloquien fortzusetzen, die während der 25 Jahre meiner Tätigkeit als Professorin für Angewandte Komposition an der Universität Oldenburg stattgefunden hatten und bei denen wir im Laufe der Jahre mehr als 1.000 Referenten aus aller Welt zu Gast hatten. Die Reihe Komponisten-Colloquium war zudem in das Curriculum integriert, sodass die Studierenden die Möglichkeit hatten, aktiven Musikern aus aller Welt zu begegnen und sich zugleich für Bachelor-, Master- und sogar Doktorarbeiten inspirieren zu lassen – und auf diese Weise Primärliteratur zu schaffen.
Im Sommersemester 2021 organisierte ich das Colloquium in Kooperation mit der EASA. Aufgrund der Pandemie musste es online stattfinden. Von Anfang an arbeitete ich mit dem Dekan der Class IV, Ioannis Liritzis, zusammen, sodass die neue Colloquiumsreihe den Titel „Arts meet Sciences“ erhielt. Das Format der Online-Treffen wurde aufgrund seiner kommunikativen Vorteile beibehalten. Wir haben Teilnehmende aus allen Kontinenten, die freitags online an unseren Begegnungen teilnehmen können.
Krause-Pichler: Die Veranstaltung beinhaltet jeweils Vorträge von Professoren unterschiedlicher Sparten aus allen Ländern, wie kommt es zu diesen guten Kontakten mit zahlreichen Universitäten?
Dinescu: Am Anfang habe ich ausschließlich EASA-Mitglieder eingeladen, die an Universitäten in aller Welt tätig sind. Nach und nach entstand die Idee, auch Nichtmitglieder einzuladen, die sich sehr gut in die Struktur der Colloquien integriert haben. Diese ist rhythmisch folgendermaßen aufgebaut: 30 Minuten für den ersten Vortrag, 30 Minuten für den zweiten Vortrag und anschließend 30 Minuten Diskussion. Obwohl wir keine bestimmte thematische oder spezifisch künstlerisch-wissenschaftliche Ausrichtung verfolgen, entstehen interessante Korrespondenzen zwischen den vorgestellten Themen, selbst wenn diese aus völlig unterschiedlichen Fachgebieten stammen. Ich würde sogar sagen: Je unterschiedlicher die Forschungsfelder sind, desto unerwarteter und interessanter können die entstehenden Verbindungen sein.
Auf diese Weise entstehen Impulse für neue Forschungsideen, neue Formen der Zusammenarbeit oder auch konkrete Themen zwischen verschiedenen Disziplinen – oder sogar innerhalb desselben Fachgebietes. Die Colloquien dieser Reihe finden während der beiden Semester des Jahres, die den universitären Semestern ähnlich aufgebaut sind, alle zwei Wochen freitags statt. (18.00 – 19.30 Vienna Time) Die Kommunikationssprache ist ausschließlich englisch.
Krause-Pichler: Wie wird diese optimale Informationsquelle angenommen? Wie viele Teilnehmende loggen sich regelmäßig ein?
Dinescu: Am Anfang, als die Menschen aufgrund der Pandemie mehr Zeit zu Hause verbrachten, hatten wir über 100 Teilnehmende online. Nicht lange nach diesem fulminanten Beginn erhielten wir erste Anfragen von Interessierten, die freitags nicht regelmäßig teilnehmen konnten, mit der Bitte, die Colloquien aufzuzeichnen. Deshalb begannen wir, die Veranstaltungen aufzuzeichnen und auf der Internetseite der EASA zugänglich zu machen. Kurz darauf wurden wir auch von den Teilnehmenden selbst darum gebeten, zusätzlich die Präsentationen auf der EASA-Webseite bereitzustellen, da viele den Wunsch hatten, die vorgestellten Themen weiter zu vertiefen. So finden sich inzwischen auch diese Dokumente auf der Internetseite der EASA. Derzeit haben wir zwischen 30 und 50 Teilnehmende online.
Krause-Pichler: Das Colloquium findet während des jeweils laufenden Semesters freitags von 18.00–19.30 statt, hat sich das gut bewährt?
Dinescu: Aus meiner Erfahrung an der Universität Oldenburg, wo ich die Colloquien zunächst mittwochs angesetzt hatte und später – auf vielfachen Wunsch hin – verschiedene andere Wochentage ausprobierte, bin ich nach und nach zu dem Schluss gekommen, dass der Freitag in gewisser Weise der geeignetste Tag ist: Die Woche ist noch nicht ganz vorbei, aber der anstrengendste Teil liegt bereits hinter den Teilnehmenden. Unsere Methode besteht deshalb darin, einen festen jour fixe einzurichten: Wer teilnehmen kann, ist willkommen; wer verhindert ist, aber Interesse hat, kann später die Aufzeichnungen ansehen. Was ich jedoch seit 2021 besonders beobachtet habe, ist die zunehmende Bedeutung des dritten Teils der Colloquien, nämlich der 30-minütigen Diskussionen. Inzwischen hat sich nicht nur eine konstante Gruppe von Teilnehmenden herausgebildet, sondern auch eine besondere Form der Kommunikation, die immer intensiver und fruchtbarer wird.
Krause-Pichler: Gibt es ein Gremium, welches über die Gestaltung dieser Zeit abstimmt?
Dinescu: Wie ich bereits von Anfang an gesagt habe, haben wir einerseits die zeitliche Struktur von jeweils 30 Minuten festgelegt und uns andererseits an der eigentlichen Definition der Institution orientiert: Kunst und Wissenschaft. Zu Beginn waren wir zwei Organisatoren, inzwischen sind wir ein Team von fünf Organisatorinnen und Organisatoren. Wir arbeiten mit Freude zusammen und unterstützen einander, um diese Form der Online- Kommunikation im Sinne von Interdisziplinarität und Vertiefung weiter zu optimieren.
Krause-Pichler: Gibt es die Möglichkeit, eventuell mit den Vortragenden in Kontakt zu treten, auch weltweit?
Dinescu: Dies geschieht inzwischen fast jedes Mal. Interessierte können die Kontaktdaten der Referentinnen und Referenten erhalten.
Genau solche Kommunikationsstrategien, von denen ich gesprochen habe, haben sich bisher entwickelt und bewährt. Die Ergebnisse lassen sich sowohl auf der Internetseite erkennen als auch – nicht zuletzt – in den bereits erwähnten Veröffentlichungen der PEASA. Die Kommunikationssprache ist englisch.
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