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Katharina Berrío Quintero, Katharina Schröter und Andreas Freitag. Foto: © JMD

Glücklich über die erfolgreiche Kurspremiere: Katharina Berrío Quintero, Katharina Schröter und Andreas Freitag. Foto: © JMD

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Künstlerisch spielen – inspirierend lehren

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Ein Impuls für den künstlerisch-pädagogischen Nachwuchs
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2023 entstand die Idee, 2026 wurde sie Wirklichkeit: Mit dem Kurs „Künst­lerisch spielen – inspirierend lehren“ konnte in der Musikakademie Schloss Weikersheim mit Unterstützung der Jeunesses Musicales Deutschland ein neues Format realisiert werden, das sich gezielt an junge Musiker:innen mit Interesse an einem künstlerisch-pädagogischen Studium richtet. Die Leitidee war von Beginn an klar: Künst­lerischer Anspruch und pädagogische Berufung sind keine Gegensätze, son­dern können sich gegenseitig befruch­ten – wenn man sie bewusst zusam­men denkt. 

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Die Motivation für dieses Projekt speist sich nicht nur aus der per­sönlichen Lehrerfahrung der drei Hochschuldozent:innen Katharina Schröter (Querflöte), Prof. Katharina Berrío Quintero (Klavier) und Andre­as Freitag (Klarinette), sondern auch aus der aktuellen Situation im Mu­sikschulbereich. Laut der MIKADO-Studie werden bis 2035 rund 14.700 Musikschullehrkräfte in den Ruhe­stand gehen, während deutlich we­niger Absolvent:innen nachrücken. Mindestens 500.000 Schüler:innen könnten künftig keinen Musikschul­unterricht mehr erhalten. Der Bedarf an qualifizierten, künstlerisch wie pädagogisch exzellent ausgebildeten Musiker:innen wächst damit erheb­lich. Umso wichtiger ist es, junge Ta­lente frühzeitig zu ermutigen – und als Lehrende aktiv auf geeignete Persön­lichkeiten zuzugehen und sie für die­sen Berufsweg zu begeistern. 

Ausgeschrieben für die Hauptfä­cher Klavier, Klarinette und Flöte, ver­band der Kurs mehrere Formate: in­dividuellen künstlerischen Einzelun­terricht, Hospitation bei anderen Teil­nehmenden, thematische Workshops inklusive Beratungsangebote zu Studi­enwegen und Berufsperspektiven. Die inhaltlichen Leitfragen zogen sich wie ein roter Faden durch die Tage: Was bedeutet künstlerisches Spielen heu­te? Welche Haltung braucht inspirie­rende Lehre? Und wie können beide Bereiche einander stärken? 

Neben grundsätzlichen Reflexionen standen sehr konkrete Themen im Fokus: Vorbereitung auf Aufnahme­prüfungen, Einblicke in Studienrea­litäten zweier Studierender der Würz­burger Musikhochschule, berufliche Perspektiven zwischen Musikschu­le, Hochschule und freier Szene. Die Evaluation zeigt deutlich, dass viele Teilnehmende den Kurs als Entschei­dungshilfe nutzten – sei es zur Klä­rung eines Studienwunsches oder zur gezielten Vorbereitung auf Prüfungen. Mehrfach wurde der Wunsch nach Prüfungssimulationen, Auftrittstrai­ning sowie mentalem Coaching und Körperarbeit geäußert – ein Hinweis darauf, wie groß das Bedürfnis nach ganzheitlicher Vorbereitung ist. 

Bemerkenswert war, wie intensiv die Gruppe die angebotenen Impulse auf­griff. Elf von zwölf Befragten gaben an, dass der Kurs ihren Erwartungen entsprach; In den Rückmeldungen spiegeln sich nicht nur fachliche Fort­schritte: „enorm weitergeholfen – am Instrument und in der Studiengangs­wahl“, sondern vor allem das Erleben einer besonderen Atmosphäre: „wun­derbare Gemeinschaft“, „keine Do­zenten-Schüler Trennung“, „so viel ler­nen in einem entspannten Rahmen“. 

Gerade in einem Berufsfeld, das häu­fig von Konkurrenzdenken geprägt ist, entstand hier ein Raum gegenseitiger Ermutigung. Viele Teilnehmende ka­men auf Empfehlung ihrer Lehrkräf­te – ein Zeichen für Vertrauen und für das Bedürfnis nach Orientierung. Sie suchten Klarheit, Bestätigung und neue Impulse. Einige unterrichten bereits selbst und wollten ihre pädagogische Haltung reflektieren; andere stan­den am Beginn ihrer Studienentschei­dung. Was sie verband, war die Frage: Kann ich beides sein – Künstler:in und Pädagog:in – ohne Abstriche? 

Die Erfahrung dieser Tage gibt eine klare Antwort: ja. Voraussetzung ist jedoch, dass Ausbildungsstrukturen Räume für künstlerische Entwicklung offenhalten – für Ensemblespiel, Auf­trittserfahrung, Persönlichkeitsbildung – und zugleich pädagogische Kompe­tenz nicht als „zweite Wahl“, sondern als eigenständige künstlerische Auf­gabe begreifen. 

Der Kurs in Weikersheim hat ge­zeigt, welches Potenzial im künst­lerisch-pädagogischen Nachwuchs steckt. Interesse, Leistungsbereit­schaft und Idealismus sind vorhan­den. Wenn es gelingt, diese Motivation durch hochwertige Angebote, verläss­liche Rahmenbedingungen und struk­turelle Wertschätzung zu stärken, kann auch ein solcher Meisterkurs ein Im­puls sein für eine Generation, die Mu­sik künstlerisch lebt – und inspirierend weitergibt. 

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