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Peter Hackel und Marcos Victora-Wagner. Foto: © Thomas Haberkorn

Peter Hackel und Marcos Victora-Wagner eröffneten den Aktionstag Gitarre in Ingolstadt. Foto: © Thomas Haberkorn

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Ohne Spiel ist das Spielen kein Spiel

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Zum Aktionstag Gitarre an der Städtischen Sing- und Musikschule Ingolstadt
Vorspann / Teaser

Der Aktionstag Gitarre, der dieses Jahr an der Städtischen Sing- und Mu­sikschule Ingolstadt stattfand, hatte mit rund fünfzig Teilnehmenden eine große Resonanz aufzuweisen. Fachbe­rater Peter Hackel hat das Format seit 2015 unter dem Motto „Aus der Pra­xis für die Praxis“ so entwickelt, dass relevante Themen in der Regel jeweils durch Beiträge aus dem Kreis der Kol­leginnen und Kollegen im Netzwerk Gi­tarre Bayern beleuchtet werden. 

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Im Vorfeld zur Vorstellung Marcos Victora-Wagners neu entwickelter Gitarrenschule startete Peter Ha­ckel mit einem Überblick und einer Analyse wichtiger Lehrwerke aus dem deutschsprachigen Raum, begonnen mit Karl Scheit, der zusammen mit Er­win Schaller Mitte der dreißiger Jahre das fünfbändige systematische Lehr­werk für die Gitarre veröffentlichte. Damals neue methodische Prinzipien sind heutzutage durchaus kein Stan­dard mehr. Das zeige, dass die metho­dische Tradition der Gitarre historisch noch nicht so hinreichend entwickelt sei wie die der Geige oder des Klaviers und somit immer noch dynamisch blei­be, so Hackel. 

Er stellte mit späteren Konzepten von Dieter Kreidler und Heinz Teuchert aber auch das immer noch aktuelle pro­funde Wirken zweier deutscher Gitar­risten vor und analysierte es in Bezug auf Schaller/Scheit. 

Direkt in die Gegenwart 

Von diesen historischen Größen ging es danach direkt in die Gegenwart: Die Arbeit an seiner eigenen Gitar­renschule hat Marcos Victora-Wag­ner, der an der Städtischen Musik­schule Landshut unterrichtet, in der Zeit der Corona-Pandemie begonnen. Nachdem er schon vorher eigenes Un­terrichtsmaterial entwickelt hatte, be­gann er damals die systematische Ar­beit an einem Lehrwerk mit dem Titel „Tonfänger“. 

Cognitive Load Theory 

Bemerkenswert ist zum einen die zeitgemäße Ausrichtung des dreibän­digen Werkes mit graphischen Ele­menten und Gamification-Konzeption. Andererseits basieren die Inhalte auf dem Konzept der Cognitive Load The­ory (CLT). Die CLT geht davon aus, dass Lernen mit kognitiver Anstren­gung verbunden ist und erklärt, wo­durch dies erschwert oder erleichtert werden kann. 

Bevor Stücke gespielt werden, sind die benötigten Muster jeweils im Vor­feld schon so angelegt und automa­tisiert worden, dass diese dann mü­helos bewältigt werden können. Das neue Konzept stieß auf viel Resonanz und wird sicher vermehrt den Weg in die Praxis finden. Einen weiteren be­eindruckenden Beitrag stellte Ihor Kor­diuk, Lehrer an der Städtischen Sing-und Musikschule Ingolstadt, zusammen mit seinem Schüler Leo Heinrich vor. Beide haben zusammen das Programm „SoundSprout – Gitarrennoten spielend meistern“ entwickelt, eine kostenlose WebApp, die es Gitarrenanfänger:innen oder Wiedereinsteiger:innen ermöglicht,spielerisch Gitarre zu lernen und zu üben. Mit vielen interaktiven Funkti­onen und Übungen ist das Programm die perfekte Begleitung durch den Gi­tarren-Alltag. Auch Kindern, die noch nicht lesen können, steht die WebApp dank der einzigartigen Idee des Ton­hauses und der Tiere offen. Es bleibt zu wünschen, dass dieses außergewöhn­liche gemeinsame Projekt mit dem be­reits frei downloadbaren Programm viel Resonanz und Erfolg haben wird. Nach der Mittagspause entführte Ste­fan Barcsay die Gruppe in die Welt der neuen Musik. Barcsay, der bis zu seiner Pensionierung an der Berufsfachschu­le Krumbach unterrichtet hat, präsen­tierte fünf Werke live, die auch im fort­geschrittenen Bereich an Musikschulen einsetzbar sind. Mit seiner großen Lei­denschaft für Stücke, die teilweise auch ihm gewidmet waren, und dem Dialog mit den Zuhörer:innen, schuf er einen subjektiven Raum, der die persönliche Wirkung der Musik gezielt in den Fo­kus rückte. Von Stephan Marc Schnei­ders „Meer der Ruhe“ bis zur „Medita­tion“ von Markus Lehmann-Horn ent­stand eine spannende Begegnung mit neuer Tonsprache und große Lust, die Stücke selbst auszuprobieren. 

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Der Aktionstag endete mit einem Gitarrenkonzert von Schüler:innen und Lehrkräften der Städtischen Simon-Mayr-Sing- und Musikschule Ingolstadt. Foto: © Thomas Haberkorn

Der Aktionstag endete mit einem Gitarrenkonzert von Schüler:innen und Lehrkräften der Städtischen Simon-Mayr-Sing- und Musikschule Ingolstadt. Foto: © Thomas Haberkorn

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Gruppenunterricht 

Florian Beyers Vortrag „Wege zur Mu­sik im Gruppenunterricht“ war ein lei­denschaftliches Plädoyer für einen spielerischen und entdeckungsorien­tierten Gruppenunterricht unter dem Motto „Ohne Spiel ist das Spielen kein Spiel“. Beyer, Leiter der gastgebenden Musikschule Ingolstadt und Beisitzer für den Bezirk Oberbayern im VBSM, zeigte, dass Konflikte entstehen, wenn Lehr- und Lernziele auseinanderfal­len. Lehrkräfte folgen einer bestimm­ten Agenda und wollen Technik vermit­teln wohingegen Schüler:innen einfach musizieren und Spaß haben wollen. Als Alternative zum klassischen „Einzelun­terricht mit vielen“ wurde Gruppenun­terricht als gemeinsame Musiziererfah­rung vorgestellt. 

Konkrete Spielideen 

Mit Verweis auf Stuart Browns Spiel­theorie und die musikalischen Spiele von Gerhard Wolters wurden konkrete Spielideen für die Praxis präsentiert und von den Teilnehmenden live er­probt. Passend dazu schloss Peter Ha­ckel den Tag thematisch ab mit einem kompakten Mitmach-Exkurs in sein Konzept mit Gitarren-AGs an Grund­schulen. Hackel, der die Kreismusik­schule Erding leitet, arbeitet seit vielen Jahren mit großer Freude in diesem Be­reich und ist ein überzeugter Fürspre­cher des musikalischen Unterrichts in Großgruppen. Ein großer Dank von ihm ging an Florian Beyer und sein Team vor Ort für den passenden Rah­men und die Organisation des noch fol­genden öffentlichen Gitarrenkonzerts mit Schüler:innen und Lehrkräften. Die Teilnehmenden konnten den Akti­onstag Gitarre in Ingolstadt nach viel Input und kollegialem Austausch in­spiriert verlassen und freuen sich si­cherlich schon auf das nächste Netz­werktreffen.

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