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Musicalaufführung „Die Weltenspringer und das Portal der Träume“ (Bielefeld 2025). Foto: © Besim Mazhiqi

Musicalaufführung „Die Weltenspringer und das Portal der Träume“ (Bielefeld 2025) im Rahmen des Chorprojektes „Cantara“ mit Grundschulkindern. Foto: © Besim Mazhiqi

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Zielgruppe erfolgreich erreichen

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Online-Input des Projektbüros des Verbandes deutscher Musikschulen
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Das Projektbüro des VdM lud am 29. Januar 2026 zu einer Online-Veranstal­tung ein, in der es um die Frage ging, wie die Zielgruppe von „Kultur macht stark“ – Kinder und Jugendliche in Ri­sikolagen – erreicht werden kann. Im Mittelpunkt standen Impulsvorträge von Max Mille und Leila Benazzouz, die sich dem Thema sowohl wissen­schaftlich als auch praxisnah annäher­ten. Musikschulen des VdM sind ihrem Selbstverständnis nach Orte, die allen Menschen unabhängig von Herkunft, Alter oder individuellen Vorausset­zungen offenstehen sollen. 

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Überwindung klassistischer Ausschlüsse 

Doch wie gelingt dieser Anspruch im Alltag? Einen wichtigen Impuls dazu gab Max Mille, Jazz-Saxophonist und ehemaliger Hochschullehrer (Univer­sität zu Köln, UdK Berlin) sowie stell­vertretender Musikschulleiter in Ber­lin-Kreuzberg. In seinem Vortrag zu Klassismus an Musikschulen zeigte er eindrucksvoll, wie sehr Faktoren wie Einkommen, Bildungsgrad, Beruf und das soziale Milieu der Eltern darüber entscheiden, ob Kinder überhaupt Zu­gang zu musikalischer Bildung finden und beispielsweise ein Instrument lernen. Studien belegen seit Langem, dass Kinder aus akademischen und finanziell besser gestellten Familien deutlich häufiger musikalisch aktiv sind. Das Konzept des „kulturellen Kapitals“ (nach den einflussreichen Thesen des französischen Soziolo­gen Pierre Bourdieu) verdeutlicht, wie kulturelle Praktiken der Eltern (Nutzung von Büchern, Spielen eines Instruments, musikalische Früherzie­hung) Voraussetzungen schaffen, von denen manche Kinder profitieren und andere ausgeschlossen bleiben. 

Nach dieser Analyse orientieren sich Musikschulen in ihrer Praxis überwie­gend an den Bedürfnissen und Erfah­rungen derjenigen, die bereits Zugang zu ihren Angeboten haben. Für andere erscheinen sie fremd oder ausschlie­ßend. Zudem entstehen strukturelle Barrieren durch die Unterrichtsorga­nisation (feste Zeiten, regelmäßiges Üben, Mobilität), hohe Kosten trotz Ermäßigungen sowie eine öffentliche Präsentation von Musikschulen, die bestimmte Gruppen nicht anspricht. All dies führt dazu, dass sich klassis­tische Ausschlüsse reproduzieren und kulturelle Teilhabe verhindert wird. Eine Überwindung dieser Barrieren sieht Mille als unumgänglich auf dem Weg zu einer „Musikschule für alle“. 

Starke Beziehungsarbeit 

Der zweite Vortrag von Leila Benaz­zouz, Projektmanagerin bei der Liz- Mohn-Stiftung und Leiterin des Chor­projektes „Cantara“, ergänzte diese Analyse durch eine Praxisperspekti­ve: Wie lassen sich Kinder und Fami­lien aus Risikolagen tatsächlich errei­chen? Eine zentrale Erkenntnis lautet: Die Schule ist einer der verlässlichsten und niedrigschwelligsten Zugangsorte. Sie ist für alle erreichbar, genießt Ver­trauen und bietet organisatorische Sta­bilität – gute Bedingungen, um auch in der Projektarbeit Vertrauen, Kontinu­ität und Sicherheit zu schaffen. Denn erfolgreiche kulturelle Projekte be­nötigen starke Beziehungsarbeit – so­wohl zu Familien als auch zum päda­gogischen Personal an Schulen und in der OGS. Neben der Wichtigkeit eines Bündnispartners, der die Zielgruppe erreicht, zeigte Benazzouz konkrete Wege auf, wie kulturelle Teilhabe für Familien erleichtert werden kann: durch Nutzung alltäglicher Kommu­nikationswege (Messengerdienste), sprachsensible Ansprache (Überset­zungsapps), praktische Unterstützung (Tickets, Wege), Wertschätzung sowie eine Perspektive, die Ressourcen statt Defizite betont. Besonders wichtig ist, kulturelle Räume wie Theater aktiv zugänglich zu machen und Hemm­schwellen abzubauen, indem Kinder dort selbst auftreten oder sich erpro­ben. Auf diese Weise entstehen posi­tive Erfahrungen, Zugehörigkeit und Mut zur Wiederkehr. 

Teilhabe ermöglichen 

In beiden Vorträgen wurde deutlich, dass zum Gelingen nachhaltiger kul­tureller Bildung starke Bündnisse bei­tragen sowie die Bereitschaft, struk­turelle, institutionelle, individuelle und kulturelle Barrieren zu erkennen und diese aktiv zu überwinden. Ergän­zend wurde klar, dass Teilhabe kein automatisches Ergebnis guter Ange­bote, sondern vielmehr ein sozialer Aushandlungsprozess ist, der Sensi­bilität, Reflexion und konsequente Be­ziehungsarbeit erfordert. Damit wird deutlich: Der Anspruch einer „Musik­schule für alle“ erfordert mehr als gute Angebote. Er bedeutet, alle Menschen mitzudenken, Vielfalt bewusst einzu­beziehen und Barrieren so abzubauen, dass Teilhabe von Anfang an möglich wird. Die Dokumentation der Vorträ­ge ist auf der Projekthomepage unter www.vdm-musikleben.de abrufbar. 

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