Transatlantisches Geplänkel: Emmerich Kálmáns „Die Herzogin von Chicago“ am Theater Regensburg


(nmz) -
Make Operette great again: Das war wohl das Ansinnen, mit dem sich das Theater Regensburg der „Herzogin von Chicago“ angenommen hatte. Jenes Stückes von 1928 also, das wie kaum ein anderes eine Art Wachablösung im Unterhaltungstheater markiert. Hatten damals doch amerikanische Rhythmen – mithin das, was man in Europa als „Jazz“ zu kennen glaubte – Walzer und Czárdás in der Publikumsgunst überholt.
09.12.2018 - Von Juan Martin Koch

Im Libretto von Julius Brammer und Alfred Grünwald spielt sich dies in Form eines Kulturclashs zwischen Sandor, dem Erbprinzen des verarmten osteuropäischen Fantasiestaates Sylvarien, und Mary, einer neureichen amerikanischen Millionärstochter ab, die sich zum abbruchreifen Schloss den Prinzen gleich dazukauft…

Regisseur Aron Stiehl versucht die zeitgebundene political incorrectness des Textes mit seinen unverhohlenen Rassismen durch eine aktuelle Metaebene („wir spielen die Dresdner Fassung“) abzufedern. Ansonsten laviert er aber etwas unentschieden zwischen der für das Funktionieren des Stückes unabdingbaren Entstehungszeit, nicht wirklich passenden Filmanspielungen („Sitzen machen!“ aus Billy Wilders „Eins, zwei, drei“) und dem Heute herum (Bühne und Kostüme: Dietlind Konold). Zu verführerisch war wohl die Aussicht, Marys Vater als Donald Trump auftreten zu lassen – Michael Heuberger machte mit einem beachtlichen Kabinettstückchen das Beste draus.

GMD Chin-Chao Lin verlangte dem Philharmonischen Orchester eine erfreulich große klangfarbliche Sorgfalt ab (einschließlich eines netten, im Original nicht vorgesehenen Zitats aus Puccinis „Bohème“, als das heruntergekommene sylvarische Schloss im Schneetreiben ins Bild kommt). Dass Kálmáns europäisch-amerikanischer Schlagabtausch dennoch musikalisch nicht durchweg zündete, lag wohl auch daran, dass der „Jazz“ nicht als Bühnenmusik, sondern nur aus dem Graben heraus präsent war.

Gesungen wurde sehr beachtlich: vom szenisch etwas steifen Mark Adler (Sandor), der souverän bühnenpräsenten, mitunter die Höhe etwas zu opernhaft scharf nehmenden Sinéad Campbell-Wallace (Mary), vom quirligen zweiten Paar (Sara-Maria Saalmann als Rosemarie und Matthias Störmer als Bondy) und vom spielfreudigen Chor (Einstudierung Alistair Lilley).

Das abweichend zum Libretto und unter weitgehender Kürzung des Nachspiels nicht von einem Filmproduzenten, sondern aus einer Loge heraus königlich herbeigeführte Happy-End brachte das Ganze dann mit einem letzten „Slowfox mit Mary“ zu einem nur halbwegs überzeugenden Ende – „so sad…“