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Foto: David Baltzer
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Feiern mit „King Arthur“: Henry Purcells Semiopera zum 100. Geburtstag des Staatsschauspiels Dresden

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Alle Lagerkämpfe sind ausgefochten. Dresdens Sprechtheater und die Oper wirken längst (wieder) unter einem Dach. Nicht baulich, da bleiben das Schauspielhaus und die Semperoper selbstredend getrennt, aber als Institution. Seit diesem Jahr wird das Gebilde freistaatlicher Bühnenkunst plural als Sächsische Staatstheater bezeichnet (nmz-online 07.03.2012). Just in den gemeinsamen Neuanfang fällt das Jubiläum des Staatsschauspiels. Am 13. September vor 100 Jahren ist es eröffnet worden.

Die Politikerreden zum Jubiläum waren von gewohnter Hohlheit: „Das Staatsschauspiel ist heute so lebendig wie nie.“ Oder anders geschwafelt: „Diese Bühne ist ein Phänomen.“ Ein Phänomen war Dresdens Staatsschauspiel zu seiner Gründung am 13. September 1913. Finanziert wurde das damals 2,7 Millionen Mark teure Haus vor allem durch das Geld eines 1909 gegründeten Theatervereins. Erbaut worden ist das  „erste bürgerliche Hoftheater Deutschlands“ binnen nur zweier Jahre. Weder in dieser Frist noch für vergleichbares Geld wäre dies heute möglich. Glücklicherweise auch nicht als höfische Einrichtung mit Bürgerkapital.

Nach dem glückseligen Abdanken des letzten Sachsenkönigs am 13. November 1918 hieß der als „Neues Königliches Schauspielhaus“ eröffnete Bau zunächst Landes- und zwei Jahre später Sächsisches Staatstheater. Seit den 1990er Jahren flossen mehrere dutzend Millionen Euro in dessen Sanierung. Heute strahlt es – fast – in seiner ursprünglichen Pracht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lagen das Gebäude ebenso wie weite Teile Dresdens in Schutt und Asche. Es ist als erster Theaterbau nach dem Krieg wieder aufgebaut worden und diente jahrelang sowohl dem Sprech- als auch dem Musiktheater, bis 1985 endlich wieder die Semperoper eröffnet werden konnte und das damals Großes Haus benannte Theater sich (fast) ausschließlich der Wortkunst zuwenden konnte. Ausflüge mit großartiger Bühnenmusik gab es freilich auch in der jüngeren Geschichte immer mal wieder.

Der Goldenen 100 wurde bereits in der vorigen Spielzeit gedacht. Exakt am Geburtstag – dieser 13. September fiel ausgerechnet auf einen Freitag, tat dem Gelingen aber keinerlei Abbruch – gab es die Premiere „King Arthur“. Eine zauberhafte Melange aus Musik und Schauspiel, die John Druyden und Henry Purcell 1691 als „Semiopera“ geschaffen hatten. Darin geht es um den Zweikampf den britischen Königs Arthur gegen Oswald, den Sachsen. Hätten die beiden Kronleute doch nur den Mut besessen, als Mann gegen Mann zu kämpfen! Beide wollten die Gunst der blinden Emmeline erringen, die durch Zauberei sehend wird und zu allem Überfluss aufgrund ihrer Schönheit auch noch vom bösen Magier Osmond begehrt wird. Ein grandioses Durcheinander mit einigem Witz und Sequenzen schöner Musik.

Die wird nun in Dresden vom Prager Ensemble Collegium 1704 auf historischen Instrumenten präsentiert. Unter der musikalischen Leitung von Felice Venanzoni blüht ein Hauch Originalklang. Die singenden Darsteller aus dem Opernbereich – allen voran Nadja Mchantaf als Emmelines Dienerin Matilda sowie als Sirene und Venus, dazu Arantza Ezenarro als Luftgeist, She und weitere Sirene – kooperieren perfekt mit dem Sprecherensemble um Yohanna Schwertfeger (frisch vom Burgtheater Wien nach Dresden verpflichtet, als Emmeline ein sehr überzeugender Einstand), Matthias Reichwald (King Arthur), Christian Erdmann (Oswald), Benjamin Pauquet (Osmond) und zahlreichen weiteren Damen und Herren des Geburtstagsensembles.

Im überwiegend kargen Bühnenbild von Karoly Risz inszenierte Tilmann Köhler diese „Semiopera“ mit Witz und Spannung, das Ensemble in den Kostümen von Susanne Uhl agierte mit guter Laune und heftigem Spieldrang. Was insgesamt recht kurzweilig geriet, hatte dennoch mit Längen zu ringen, zumal in Szenen, die kaum über eine von der Ausstattung vorgegebene Aktion hinausgegangen sind. Die Lagerkämpfe zwischen Briten und Sachsen wurden gründlich ausgefochten. Mal mehr blutrünstig und triebgesteuert, mal tief emotional. Die zwischen den Genres aber feierten einen kunstvollen Frieden, der Hoffnung macht.

Eine Feierstunde mag anders aussehen, das Sinnbild sich vereinigender Künste und Künstler ist jedoch passend gewählt. Und am Staatsschauspiel Dresden wurde über „King Arthur“ hinaus ja beinahe ein ganzes Wochenende lang gefeiert. Kein Wunder, dass die Mimen da auch – vollends berechtigte! – Wünsche haben. Schon vor der Premiere sprachen sich zwei Akteure dafür aus, das dem Theater als einem besonderen Ort ein waches Publikum erhalten bleiben möge und – dies in Richtung Politik gesprochen – dass eine Trennung zwischen Kultur und Markt helfen soll, Menschen unabhängig von ihrem Einkommen an den Früchten des Bühnengeschehens teilhaben zu lassen. An diesem Punkt dürften die unterschiedlichen Lager wohl noch miteinander zu ringen haben.

Termine: 22., 29. September, 14., 17. und 30. Oktober, 1. und 7. November, 7. Dezember 2013
 

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