Frei aber gemeinsam – die neue Orchesterakademie KAPcampus


(nmz) -
Im Jahr 2000 entstand die Kammerakademie Potsdam (KAP), das Hausensemble des Potsdamer Nikolaisaals. Die Gründungsmitglieder kommen also langsam in die Jahre. Für Nachschub sorgt nun die neue Orchesterakademie KAPcampus, die Nachwuchsmusikern eine praxisnahe Ausbildung bietet. Es handelt sich um die erste Orchesterakademie im Bundesland Brandenburg.
01.02.2019 - Von Antje Rößler

KAPcampus will insbesondere dem Wandel des Musiker-Berufsbildes Rechnung tragen: Gesicherte Orchesterstellen bis zur Rente sind Mangelware; immer mehr Musiker richten sich in der Freiberuflichkeit ein. Entsprechend vielseitiger, flexibler, praxisnäher muss die Ausbildung werden.  

Dafür ist die Kammerakademie Potsdam als Unternehmerorchester in freier Trägerschaft genau die richtige Adresse: Jeder der 32 Musiker bringt sich bei der Profilierung des Ensembles und der Programmgestaltung ein.  

Das färbt auch auf das zweijährige Ausbildungsprogramm von KAPcampus ab. Dessen Teilnehmer machen nicht nur bei mindestens zehn Orchester-Projekten pro Saison mit; von Konzerten über CD-Aufnahmen bis zu Tourneen. Hinzu kommen Meisterklassen bei renommierten Musikern wie der Geigerin Antje Weithaas oder dem Fagottisten Sergio Azzolini.

Die jungen Musiker entwickeln zudem eigene Formate im Bereich der Kammermusik und Musikvermittlung. Sie können hineinschnuppern in die Tätigkeiten hinter den Kulissen: vom Marketing über Finanzen bis zur Programmgestaltung – Bereiche also, die an den Musikhochschulen meist unterbelichtet bleiben oder allenfalls theoretisch betrachtet werden. Workshops zu Themen wie Rechtgrundlagen für Freiberufler, Bühnenpräsenz und Management runden das KAPcampus-Programm ab. All das dient dazu, den Nachwuchs auf das organisatorisch anspruchsvolle Berufsleben als freier Musiker vorzubereiten.

Kein Wunder, dass die Ausschreibung für das vielseitige Ausbildungsprogramm im Online-Vakanzen-Portal muvac.com auf großes Interesse stieß: Für jeden Platz gab es rund fünfzig Bewerber, die nicht zuletzt von der Aussicht auf ein jährliches Stipendium von 3000 Euro angelockt wurden. Hinzu kommen monatlich rund 600 Euro als Honorar für die Mitwirkung an den Orchesterprojekten.

Die Idee für KAPcampus stammt von dem in Potsdam lebenden Wirtschaftsanwalt Jochim Sedemund, einem Mitbegründer und langjährigen Förderer der Kammerakademie. Das Ensemble unterhält nun KAPcampus gemeinsam mit einer von Sedemund gegründeten Stiftung. Als künstlerische Beraterin wurde die Geigerin Antje Weithaas ins Boot geholt, die in Potsdam lebt.

Die ersten Stipendiaten begannen ihre Ausbildung im September; ein paar Wochen später ging im Potsdamer Nikolaisaal die festliche Gründungsveranstaltung über die Bühne. Am 24. Januar präsentierten sich die jungen Musiker nun bei einem Privatkonzert in Jochim Sedemunds Potsdamer Villa. Kammermusik von Händel, Michael Haydn und Beethoven erklang da – kurz zuvor einstudiert beim zweitägigen Meisterkurs mit Sergio Azzolini. Es ging an diesem Abend auch darum, weitere Förderer und Paten für KAPcampus zu finden.

Sechs Stipendiaten machen den ersten KAPcampus-Jahrgang aus. Eigentlich sollten es nur fünf sein. Doch da sich die Jury zwischen zwei vielversprechenden Hornisten nicht entscheiden konnte, wurden die Kapazitäten kurzerhand aufgestockt. Beide beherrschen sowohl das Natur- als auch das Ventilhorn – wie es dem vielseitigen Repertoire der „historisch informiert“ musizierenden Kammerakademie entspricht. Die weiteren Stipendiaten sind Streicher: zwei Geigen, Bratsche und Cello.

Die drei Frauen und drei Männer wurden zwischen 1992 und 1998 geboren. Sie sind Studienanfänger und haben auch schon den einen oder anderen Wettbewerb gewonnen. Mehrere leiten eigene Kammermusik-Ensembles. Die besten unter den Stipendiaten haben die Chance, nach Akademie-Abschluss als festes Mitglied in die Kammerakademie aufgenommen zu werden.

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