Kurz-Schluss: Wie ich einmal versuchte, zwischen Wahrheit, Fake-News, Lüge und Foutire das echte Mittelmaß zu finden (und scheiterte)


(nmz) -
Augen auf, Großhirn durchblutet, Kritikmodus eingeschaltet: Es folgt ein „Foutire“-Text. Da anzunehmen ist, dass bis zu zehn Prozent unserer bildungsbürgerlichen Leser diesen zusammengestoppelten Begriff noch nicht kennen, ein Erläuterungsansatz. Spätestens seit Donald Trumps Wahlkampf ist der Koppler „Fake-News“ Synonym einst für Lügeninformation, mittlerweile für halbwegs kritischen Journalismus im Allgemeinen. Wer Glossen oder Satiren verfasst, lebt in der Gefahr, Rechtsanwälte oder via einstweiliger Verfügung und Gerichtsurteil auch noch den Staatssäckel üppig zu füttern. Rasch ist Autor*in zu Schmerzensgeld samt allseits fälliger Gebühren verklagt, wenn ein gröberer Scherz, z. B. Ziegenf.cker statt Staats-Schäfer, irgendeine Ehre verletzt oder – im Falle einer zumindest vermeintlichen Tatsachenbehauptung – die Journaille trotz gesetzlich garantiertem Informantenschutz nicht bereit ist, ihre Quellen offenzulegen.
24.05.2019 - Von Theo Geißler

Gewissermaßen als Schutz gegen solche Verfolgungen von Scherzkeksen, wie ich einer bin, haben europäische Philosophen aus dem französischen „fou“ (für des Französischen kenntnislose Altphilologen: = verrückt) und der zweiten Silbe des allseits beliebten Begriffes „Satire“ den eingangs zitierten Warnhinweis komponiert. Hinter dem kann ich mich jetzt prima verstecken, wenn ich Sie hier über gewisse Ungereimtheiten, Gemeinheiten, grobe Geschichtsfälschungen der vergangenen Jahre informieren möchte. Was heißt da verstecken? Oft ist es schwierig, den wahren Kern von der scherzhaft verzerrten Hülse zu trennen – und umgekehrt.

Ich starte mit einem aktuellen Beispiel, das freilich etliche Vorbilder in den vergangenen Jahrzehnten hat: Das einzig Echte an der sogenannten österreichischen Ibiza-Affäre sind die „freiheitlichen“ Polit-Tölpel, die sich in ihrem Größenwahn tatsächlich in einer angeblich aus Sicherheitsgründen komplett verdunkelten „Luxusyacht“ nicht etwa auf eine spanische Ferieninsel, sondern in ein eigentlich aus Rentabilitätsgründen längst aufgegebenes sizilianisches Ndrangeta-Porno-Studio locken ließen, das ich im Auftrag von Titanic und Prawda für einen Appel und ein Ei angemietet hatte. Den Namen der russischen Oligarchen-Nichte verrate ich nur gegen eine hohe achtstellige Summe. Die Versteigerung ist eröffnet. Ich akzeptiere Bitcoins. Die Kronen-Zeitung gehört – dies zur Info – ohnedies schon mir.

Meine Vorbilder für speziell diesen Coup will ich – um der Wahrheit die Ehre zu geben – wenigstens skizzenartig nennen. Um gewissen Investigationen zu entgehen, kaufte Altnazi und Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger bezeichnenderweise aus dem Verteidigungs-Etat größere Anteile des Axel-Springer-Verlages – und war so immer sehr gut im „Bild“. Polit-Fuchs Konrad Adenauer hatte die gesellschafts-gestaltende Macht der Medien natürlich schon längst erkannt. Er ärgerte sich über die angebliche Linkslastigkeit der ARD und schickte, sozusagen als Vorläufer des Privatfernsehens am ersten April 1963 das ZDF auf Sendung – kein Scherz, oder kaum einer. Als Kaiser der asozial-volkswirtschaftlichen Meinungsprägung findet sich deutlich später Helmut Kohl in den positivistisch überzuckerten Geschichtspodcasts für Grundschule und Gymnasium wieder. Er ließ die Spin-Docs und Marketing-Fetischisten der Privat-TV-Anstalten 1984/85 von der Leine. Auch heute noch ein wesentlicher Beitrag zur intellektuellen und seelischen Re-Formation unseres zunehmend völkischen, ichbezogenen Bewusstseins bis hin zu einer rein materialistischen Weltsicht unter Vernachlässigung sentimental umweltbezogener Fehleinschätzungen.

Einige weitere wunderbare Beispiele aus der Foutire-Schatztruhe: Angeblich sind unsere Diesel-Autos ja die übelsten Klimakiller und Gesundheitsgefährder auf Erden. Diese Fake-News haben Honda und General Electrics mit einem Werbe- und Bestechungsetat von 5.000.00000.000,00 Dollar in die Welt gehoben. Dabei steht fest, dass die wahre Gefahr von Benzinautos, Jets und Kreuzfahrtschiffen ausgeht, die tausend mal mehr tödlichen Feinstaub in die Atmosphäre pusten als unsere vierrädrigen Lieblinge.

Und da wäre die angebliche amerikanische Landung auf dem Mond 1969. Wie unsere deutsche Astronautencrew „Rammstein“ 2004 in ihrer Video-Mondlandungsdokumentation – damals zu Ehren der USA auch noch Mission Amerika genannt – wissenschaftlich unwiderlegbar nachwies, hat die amerikanische Mondmission nie stattgefunden. Keine Spur von Flagge und Rover. Weitere Recherchen ergaben, dass Apollo 11 an einer russischen Satelliten-Ampel falsch, nämlich links abbog und auf dem Mars landete. Aus Scham vor ihrem technischen Versagen ließ die NASA dann Apollo 12 kurz starten und landen und holte – ein technisches Meisterstück freilich – mit Apollo 13 die Crew unter Vorspiegelung einer Havarie verzögert auf die Erde zurück.

Besonders ängstlich aber stimmt mich folgende, angeblich vom Rechercheverbund Spiegel, CNN, Ostwestfälische Rundschau, Die Glocke und Gala veröffentlichte „Nachricht“: Schon seit zehn Jahren arbeiten die Chinesen an einem Quantencomputer, der miniaturisiert aufs feinste in eine menschliche Schädelhöhle passt und zigtausendmal schneller rechnen kann als der Homo Sapiens. Nun soll im Rahmen einer routinemäßigen Haartransplantation bei Donald Trump im Kopf exakt solch ein Gerät – powerd by Huawei – entdeckt worden sein. Künstliche Intelligenz, chinesisch gesteuert, im Weißen Haus? An das Künstliche möchte man ja sofort glauben, wenn es an der Intelligenz nicht derart haperte. Insofern tippen wir bei Trump auf ein nordkoreanisches Vorserienmodell. Die Wahrheit kennt – im Moment – nicht mal der Wind…

Theo Geißler ist Herausgeber von Politik & Kultur

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