Vom Unverzichtbaren des Probenraumes, oder: das Münchener Kammerorchester hat dergestaltige Probleme…


(nmz) -
Ohne „Erarbeitungszentrum“-, ohne Probenraum also geht für kein Orchester der Welt irgendetwas. Nicht dass da und in luxuriösen Philharmonien der gehobenen Architektur-und-Akustik-und-Ästhetik-Kategorie Musik erst zu dem würde was sie ist. So nach dem Motto je teurer-je-chicer-je-designter desto besser. Da gibt es schon Beispiele, dass dem nicht unbedingt so sein muss.
02.04.2012 - Von Wolf Loeckle

Immerhin, Musik entsteht zuerst im Kopf der Komponisten, dann der Interpreten, der Dirigenten. Die dann arbeiten können müssen. Von einwandfreien Probemöglichkeiten bis zum akzeptablen Konzertsaal, der dem Münchener Kammerorchester (MKO) mit (vorwiegend) dem Prinzregententheater zur Verfügung steht. Und das ist akustisch bekanntlich top ausgestattet.

Das könnte sich ändern. Denn SIEMENS baut eine neue Konzernzentrale, luftig, durchgängig, transparent – auf den Fundamenten des aktuellen Konzernsitzes, wo das MKO bislang umsonst und ungestört proben konnte. Doch SIEMENS hilft auch weiterhin. Als Ersatz sollte das Amerikahaus herhalten, mit einem prima Theater und akzeptabler Akustik – als Probenraum.

Das steht zur Disposition für „acatech“, eine hochgradig international besetzte Technik-Akademie, während das Amerikahaus selbst in den ebenfalls top platzierten Räumlichkeiten der gerade aufgelösten eon-Energie-AG unterkommen könnte – oder an der Prinzregentenstrasse in der früheren Bayerischen Staatskanzlei. Die Freunde des Amerikahauses maulen – irgendwie zurecht, denn vom Amerikahaus aus entwickelte sich der demokratische Aufschwung Bayerns im Nachkriegsdeutschland – unter den Fittichen der Amerikaner.

Alles in Bewegung also. Und keiner übernimmt das Steuerrad? Noch nicht? Eines ist klar: erhält das MKO keine adäquaten Probemöglichkeiten, ist die Existenz gefährdet. Das will wirklich niemand. Denn intelligentere, musikalischere, schönere Programme inclusive aller Zeitgenossenschaft von zwanzigstem und einund-zwanzigstem Jahrhundert bietet in der höchst selbstbewusst auftretenden „MusikMetropleMünchen“ mit ihr zugedichtetem Konservatismus-Image niemand. Das darf nicht verloren gehen, das Vitale, das Spritzige, das Provozierende des Münchener Kammerorchesters in dieser tatsächlichen und keinesfalls angemaßten Musikstadt München.

Ähnliche Artikel