Wer das in Fahrstühlen hört, steigt lieber Treppen – Till Brönner, At The End Of The Day


(nmz) -
Wer den Jazztrompeter Till Brönner mag und sich über dessen abgeblasene Quotenshow im Kommerz-TV wunderte, wird die CD „At The End Of The Day“ mit wachsendem Befremden anhören. Geneigte Ohren attestieren dem einstigen Shootingstar womöglich chamäleoneske Wandlung. Puristen sorgen sich um unersetzliche Hörorgane. Und sowieso um den guten Geschmack. [Aus der aktuellen Jazzzeitung, eine Rezension von Michael Ernst.]
15.03.2011 - Von Michael Ernst

Till Brönner ist nicht nur der energiegeladene Jazztrompeter, sondern auch ein Virtuose leiser Töne mit dem Vermögen, sich singend einem Quotenpublikum einzuschmeicheln. Der smarte Viersener entfaltet sich kreativ in viele, in zu viele Richtungen. Auf dem Album „At The End Of The Day“ sind Popsongs aller Epochen vereint, mit denen ein in die siebziger Jahre Hineingeborener aufwuchs und scheint passabel als Ersteinrichtung jeder profillos liberalen Villa Kunterbunt. Jugenderinnerungen stolpern durch die Charts der Vergangenheit und schlittern über Sound-Teppiche, denen lediglich Tischfeuerwerk und Glitzersternchen fehlen. Aufnahmequalität und Abmischung sind so perfekt, dass die Songs unterschiedlicher Handschrift weitgehend homogen klingen. Böse Zungen nennen das weichgespült. Geruchsneutral. Oder geschmacklos.

Wer das in Fahrstühlen hört, steigt lieber Treppen. Haben die einstigen Hits von Beatles, Bowie und Bach das verdient? Mit flirrendem Streicherklang schmelzen sie unter dem singenden Trompeter dahin. Am Ende mancher Tage wird nicht auf Feinheiten geachtet. Soll dies die Ansage sein? Wer das für sich akzeptiert, den kann das Scheibchen erfreuen.

Till Brönner: At The End Of The Day
Island 0602527513683/Universal

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