Ying Wang ist freischaffende Komponistin, wurde in Shanghai geboren und studierte in ihrer Heimatstadt sowie in Köln bei York Höller, Rebecca Saunders, Johannes Schöllhorn und Michael Beil. Heute lebt sie in Berlin. Jüngst erhielt sie den Kompositionspreis der Stadt Stuttgart. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen zeitgenössischer Musik, Musiktheater und elektronischen Medien. Im Zentrum ihres Schaffens steht die Frage, wie Klang Wahrnehmung formt – als physische Erfahrung, als Erinnerung und als gesellschaftlicher Resonanzraum.
Ying Wang. Foto: Sophia Hegewald
11 Fragen an Ying Wang
Welche Musik macht Sie stark?
Ligeti „Atmosphères“ – Schnittke „Faust-Kantate“ – Björk „It’s Oh So Quiet“ – Beat Furrer „Spur“ – OndÅ™ej Adámek „Dusty Rusty Hush“ – Billie Eilish „bad guy“. Musik, die mir Kraft gibt, ist nie nur „schön“.
Bei welcher Musik werden Sie schwach?
Französische Chansons, vor allem von Henri Salvador.
Bei welcher Musik stellen Sie sofort das Radio ab?
Deutscher Schlager, Karnevalsmusik und großer Teil des deutschen Rap. Nicht aus Arroganz, sondern aus Selbstschutz.
Mit welcher Melodie sollte Ihr Handy klingeln?
LOW „Double Negative“ – oder Enno Poppe „Rundfunk“ – oder Luxa M. Schüttler „Schöner leben“. Am liebsten etwas, das mich kurz aus dem Alltag „herauszieht“, statt mich weiter hineinzuziehen.
Wenn Sie „Königin von Deutschland“ wären, was würden Sie als Erstes tun?
Ich würde Stille als öffentliches Gut schützen. Und Zeit: für Konzentration, für Zweifel, für Denken. In Schulen, Hochschulen, Probenräumen.
Welches Talent würde man Ihnen nicht zutrauen?
Bonsai pflegen. Geduld im Kleinen – eine gute Übung gegen Kontrollwahn im Großen.
Wie hieß Ihre erste Schallplatte?
Alfred Schnittke „Concerto for Choir“. Das war meine erste Platte – und mein erstes stilles „Ja“ zur Neuen Musik. Kurz danach kam John Adams. Zwei sehr unterschiedliche Arten, mir zu zeigen, dass Gegenwart viele Gesichter hat.
Auf wen oder was können Sie am ehesten verzichten?
Auf Süßigkeiten, vor allem Schokolade. Auf Menschen kann man nicht verzichten. Ich respektiere Zeit und Konzentration – und das verlange ich auch von meinen Studierenden.
Welches Musikstück erinnert Sie an das erste Rendezvous?
Ravel „Daphnis et Chloé“. Ich bin sensibel für die Verbindung von Erinnerung und Wahrnehmung – Musik speichert Gefühle besser als Worte.
Woran starb Mozart?
An zu viel Talent und zu wenig Zeit. Ein strukturelles Problem – nicht nur im 18. Jahrhundert.
Welche Musik soll zu Ihrer Beerdigung erklingen?
„528Hz“ – ein eigenes Stück, voller Zitate und Liebe zu dieser Welt. Auch bei seiner eigenen Beerdigung muss man nicht nur traurig sein.
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