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Gummibären auf Geige

Was sich die Kunst von der nächsten Landesregierung wünscht 

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Rheinland-Pfalz: Was sich die Kunst von der nächsten Landesregierung wünscht

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Zwischen Theaterbühne, Museumssaal und Literaturforum sind die Erwartungen klar: Die Kultur wünscht sich von der Politik mehr Verlässlichkeit, weniger Bürokratie - und vor allem echtes Interesse.

Kurz vor der Landtagswahl am 22. März melden sich Kulturschaffende in Rheinland-Pfalz zu Wort - von den Nibelungenfestspielen über Literaturfestivals und Museen bis zur Kabarettbühne. Ihre Botschaft an die nächste Landesregierung ist klar: Kultur darf kein Randthema sein, sondern muss als gesellschaftliche Kraft ernst genommen, verlässlich finanziert und strukturell gestärkt werden, wie aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht.

Für Nico Hofmann, den Intendanten der Nibelungenfestspiele Worms, beginnt alles mit einer Haltung. Er wünsche sich «ein wirklich authentisches Interesse an der Kultur», sagt er. Keine Lippenbekenntnisse, sondern die Einsicht, dass Kultur ein lebendiger Bestandteil des Lebens sei.

Kulturelles nicht gegen Soziales ausspielen

Konkrete Forderungen stellt Hofmann nicht in den Vordergrund. Ihm gefalle an Rheinland-Pfalz, dass Kulturelles eben nicht in den Haushalten gegen Soziales ausgespielt werde. «Der Kindergarten ist wichtiger als das Theater» - dieses Gegeneinander lehnt Hofmann ab. Gleichwohl verweist er auf Hamburg, Bayern oder Nordrhein-Westfalen. Dort sei Kultur beim obersten Repräsentanten angesiedelt und damit Chefsache.

Auch Steffen Egle, Vorstandsvorsitzender des Museumsverbands Rheinland-Pfalz, sieht Anlass für Anerkennung: Die aktuelle Regierung habe den Kulturetat um 24 Prozent gesteigert, das verdiene Respekt.

Doch darauf dürfe man sich nicht ausruhen. Egle plädiert für weitere Erhöhungen, damit nicht nur Kostensteigerungen aufgefangen werden, sondern echte Gestaltungsspielräume entstehen.

Besitzgeschichte ist für Museen wichtiges Thema

Vor allem fehle langfristige Planungssicherheit. Zu oft werde von Haushalt zu Haushalt gedacht. Das erschwere nachhaltige Konzepte.

Ein Thema liegt dem Chef des Museumsverbands besonders am Herzen: die Provenienzforschung. Dabei wird die Besitzgeschichte eines Kunstwerks geprüft, um herauszufinden, ob es vielleicht unrechtmäßig erworben wurde. Egle zufolge haben sich mehr als 80 Prozent der vom Museumsverband befragten Museen bislang damit nicht befasst. Ein Pilotprojekt sei ein Anfang - nötig seien aber dauerhafte Strukturen.

Kabarettist Lars Reichow blickt grundsätzlicher auf die Kulturpolitik. Vieles sei vernünftig geregelt, sagt er. Doch Kultur stehe immer wieder unter Spardruck. Gerade in Krisenzeiten sei sie wichtiger denn je. «Kulturelle Veranstaltungen sind der Kitt der Gesellschaft.» Sie ermöglichten reale Begegnungen in einer «virtuellen Wisch-und-Weg-Welt».

Reichow denkt auch visionär. Eine Hochschule für Musik, Tanz, Technik, Theater und Entertainment in Mainz - das wäre für ihn ideal. Eine Fernseh- und Filmproduktionsstätte ebenso. Und warum nicht neue Festivals?

Kulturförderung dürfe keiner politischen Strategie folgen, betont er. Sie müsse «Mutterboden» sein für Ideen. Kunst sei kein Zufallsprodukt.

«Kultur ist die Hefe im Teig der Gesellschaft»

Tilman Gersch, der Intendant des Pfalzbaus Ludwigshafen, wünscht sich Wertschätzung und verlässliche finanzielle Unterstützung. Mit den Pfalzbau Bühnen habe man das größte Festspielhaus für internationalen Tanz und bedeutsames Schauspiel des Bundeslandes. «Da könnte man für alle mehr draus machen.»

Johannes Zierden, Leiter des Eifel-Literatur-Festivals, appelliert an die künftige Landesregierung, die Rolle der Kultur für die Gesellschaft in den Fokus zu nehmen. «Die Corona-Krise hat zuletzt gezeigt, wie anfällig Kultur in unserem Land für ökonomische Krisen ist. Dabei ist Kultur nicht das Sahnehäubchen, sondern die Hefe im Teig der Gesellschaft», betont er.

2024 habe die erste Veranstaltungsreihe nach der Pandemie mit nur sieben Lesungen rund 5.000 Besucher erreicht. «Teilhabe an kulturellen Veranstaltungen bleibt ein Grundbedürfnis», meinte Zierden.

Was fehle, sei Entbürokratisierung. Gerade im Ehrenamt. Viele Engagierte opferten freiwillig Zeit und Energie. Ihnen dürfe man keine zusätzlichen Hürden in den Weg stellen. «Die bisherige Förderung in Rheinland-Pfalz ist im Wesentlichen projektzentriert. In diesem Bereich sollte man sich an Nordrhein-Westfalen oder Bayern orientieren.»

«Es gibt genug zum Vorzeigen»

Mundartcomedian Christian Chako Habekost blickt unter anderem auf Film und Literatur. Rheinland-Pfalz sei das letzte Bundesland gewesen, das eine Filmförderung aufgelegt habe - und sie sei klein bemessen. «Ich verhehle nicht, dass es ein persönliches Anliegen ist: Mit vielen unserer Fans hoffen auch wir Autoren auf eine Verfilmung unserer «Elwenfels»-Reihe, des möglicherweise erfolgreichsten Regionalkrimis von Rheinland-Pfalz», sagte er.

Die Präsentation des Bundeslandes jüngst auf der Frankfurter Buchmesse sei «net so schee» gewesen, meinte der Pfälzer. «Da könnte man sich besser präsentieren. Weil es ja genug gibt zum Vorzeigen.» Grundsätzlich wünsche er sich auch mehr Unterstützung etwa für kleine Theater statt Zuschüsse für prestigeträchtige Großprojekte.

So unterschiedlich die Stimmen klingen, so deutlich scheint der gemeinsame Nenner: Kultur braucht aus Sicht der Macher Rückhalt, Verlässlichkeit und politischen Willen - und sollte nicht als Luxusgut, sondern als Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt betrachtet werden.

 

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