Von 24. bis 26. April findet in Nürnberg zum vierten Mal die akustika statt. Eine Musikmesse für akustische Musikinstrumente, die man vor Ort anspielen und auch kaufen kann. Mit welchen weiteren Ideen diese noch junge Messe als attraktiver Branchentreff punkten will, darüber sprach Susanne Fließ mit Maik Heißer, der als Projektleiter für Inhalt und Organisation der akustika verantwortlich zeichnet.
Maik Heißer © Foto: Timm Schamberger
Branchentreff mit Lagerfeueratmosphäre
neue musikzeitung: Herr Heißer, Sie sind Projektleiter der akustika, Ihr eigentlicher Arbeitgeber ist aber eine große Messegesellschaft.
Maik Heißer: Ja, wir sind die AFAG Messen- und Ausstellungen GmbH, das heißt ein familiengeführtes, privates Messeunternehmen. Uns gibt es schon seit fast 80 Jahren. Wir sind einer der wenigen privaten Messeveranstalter in Deutschland, mit rund 80 Mitarbeitenden. Unser Unternehmen besitzt kein Messegelände, sondern wir mieten diese für unsere Messen jeweils an. Dort führen wir dann unsere Messen durch.
neue musikzeitung: Ist die akustika die einzige Messe, für die Sie als Projektleiter verantwortlich sind?
Heißer: Ich bin bei der AFAG Bereichsleiter für die Publikumsmessen. Die Hälfte der Veranstaltungen in unserem Portfolio sind Fachmessen, die andere Hälfte sind Publikumsmessen. Die akustika läuft wiederum unter dem Begriff „Special Interest“, denn sie ist keine richtige Fachmesse, aber auch keine richtige Publikumsmesse. Sie richtet sich zwar an Privatverbraucher, die sind aber wiederum fachlich so fundiert und informiert, dass sie wie Fachbesucher auftreten.
neue musikzeitung: Für welche Messe schlägt Ihr Herz denn besonders?
Heißer: Grundsätzlich schlägt mein Herz seit 20 Jahren für das gesamte Thema Messe, weil es so abwechslungsreich und spannend ist. Allein die Bandbreite meiner Gesprächspartner! Mit der akustika fühle ich mich aber so ein bisschen geadelt. Projektleiter zu sein, das ist das eine, wenn man aber Musikmessedirektor sein darf, dann ist das was Spezielles. Seit vier Jahren begeistert mich die akustika wirklich am meisten, weil die Aussteller, die Besucher, die Verbände einfach besonders sind: Extrem nett, extrem hilfsbereit, freundlich, kooperativ. Hier sind Menschen aktiv, die ihr Produkt lieben und mit Herzblut dabei sind. Die akustika hat das Zeug, bei uns im ganzen Haus zur Lieblingsmesse zu werden.
neue musikzeitung: Wie wurden Sie denn für das Thema Messe überhaupt sozialisiert?
Heißer: Ich bin von der Pike auf bei der AFAG. Damals habe ich hier meine Ausbildung im Rahmen meines dualen Studiums begonnen. Danach bin ich hier hängengeblieben, und seitdem darf ich Messen machen.
neue musikzeitung: Wer bestimmt eigentlich, wann in Nürnberg wer zu welchem Thema ausstellen darf?
Heißer: Es beginnt damit, dass wir als Veranstalter bei dem Geländeeigner, in unserem Fall bei der Nürnberg Messe, anfragen: Habt ihr einen Terminslot für uns. Dann erhalten wir Vorschläge, welche Termine und Hallen dafür in Frage kommen und so füllt sich dann der Terminkalender. Der Vorlauf beträgt zwischen zwei und drei Jahren, denn das Messegelände Nürnberg ist sehr gefragt. Da gibt es enge Zeitfenster für Auf- und Abbau und kaum Zeiten, in denen die Hallen leer stehen.
neue musikzeitung: Entscheidet die Messegesellschaft in erster Linie nach finanziellen Aspekten?
Heißer: Kosten spielen insofern eine Rolle, als man Hallen nicht mal eben für 20 Aussteller aufschließt. Ein bestimmtes Volumen ist nötig. Das sind Markteintrittsbarrieren. Was im Hintergrund außerdem passiert und von hohem Interesse für die jeweiligen Städte ist, ist mit dem Begriff Umwegrentabilität beschrieben. Messen ziehen Menschen auch aus dem Ausland an und die geben Geld für Restaurants, Hotels, Taxifahrten aus. Jede dieser Branchen verdient an so einer Messe mit. Eine große Industrieschau, die weltweite Strahlkraft hat, ist unter diesem Aspekt viel spannender als eine regionale Messe.
neue musikzeitung: Die akustika findet vom 24. bis 26. April statt, zum vierten Mal. Inwiefern hat die aktuelle denn noch Ähnlichkeit mit der ersten Ausgabe?
Heißer: Ich würde fast sagen, sie hat bis auf ein paar Aussteller, die bereits beim ersten Mal dabei waren, kaum noch eine Ähnlichkeit. Das hat auch damit zu tun, dass wir damals relativ blauäugig in das Thema gestartet sind. Die allererste Ausgabe 2023 haben wir als sogenannte Sonderschau „Musikinstrumente“ bei unserer Frühjahrsmesse „Freizeit, Garten und Touristik“ eingebaut. Das war kurz nach Corona und nach kurzer Vorbereitungszeit hatten wir Anmeldungen von beinahe 100 Ausstellern, auf einmal waren es 120 Aussteller und wir mussten noch eine Halle dazu mieten. Dann nahmen wir auch noch internationale Aussteller auf. Und spätestens, als wir Beschwerden von diversen Besuchern erhielten, warum es keine Beschilderungen in Englisch gebe, wurde uns klar, welche Anziehungskraft diese Messe entwickelt hatte.
neue musikzeitung: Wer bestimmt die Mischung der ausstellenden Unternehmen und Verbände?
Heißer: Grundsätzlich wollen wir eine Messe sein, die das ganze Thema Musik repräsentativ abbildet. Dass wir so eine starke lokale Teilnehmerschaft haben, liegt unter anderem an der Region Mittelfranken und Nordbayern, die Region ist ein absoluter Highlight-Standort, was den Musikinstrumentenbau angeht. Die attraktivsten Unternehmen sitzen hier vor der Haustür, dazu kommen Verbände, Organisationen, Hochschulen. Das Konzept der akustika geben wir im Moment noch vor: Wir sind die Messe für handwerklich hergestellte akustische Musikinstrumente.
neue musikzeitung: Wer gestaltet für die Messe das Profil der akustika?
Heißer: Zur Spezialität des Berufs des Messemachers gehört, dass wir von allen Dingen irgendwie eine Ahnung haben, aber nicht in der Tiefe. Deswegen sind wir auch sehr demütig an die Sache herangegangen und haben von Anfang an gesagt, dass wir die Messe zwar organisieren, nicht aber alleine den Inhalt definieren können. Wir haben also ein Team rund um Christoph Endres, Bundesinnungsmeister für Blechblasinstrumente, aufgebaut: Für jede Instrumentengattung, die wir anbieten, haben wir einen „Klassensprecher“ ernannt. Diese Kompetenzpartner, beispielsweise der Bund Deutscher Klavierbauer oder die Geigenbauerinnung, stehen uns fachlich zur Seite und beraten uns. Über diese Kompetenzpartner werden dann auch Anregungen von Ausstellern wieder zurückgespiegelt. Seit diesem Jahr haben wir auch für den Bereich Verlage eine Ansprechperson.
neue musikzeitung: Ist die akustika ein wenig auch der Schutzraum für den deutschen und europäischen Instrumentenbau? Denn die Konkurrenz aus dem asiatischen Raum ist ja unbestritten.
Heißer: Ein spannendes Thema, in der Tat, denn wir bekommen viele Anfragen von Unternehmen aus Asien und als Messeveranstalter versuchen wir neutral zu sein. Kriterium für die Zulassung ist die Qualität. Wir wollen keine extrem günstigen Massenprodukte. Daher schauen wir uns gemeinsam mit den Partnern die Aussteller an.
neue musikzeitung: Kann man auf der akustika alle Instrumente ausprobieren?
Heißer: Ja, das ist unser USP. Wir haben das Kongresszentrum Ost belegen können, das auf verschiedenen Stockwerken mit vielen kleinen Räumen die Möglichkeit gibt, Instrumente akustisch zu separieren. Wir haben nun eigene Räume für jedes Orchesterinstrument. Wahrscheinlich gibt es keine Musikinstrumentenmesse, die das besser hinkriegt als wir.
neue musikzeitung: Seit diesem Jahr ist die akustika Mitglied im Deutschen Musikrat. Was war denn Ihr Beweggrund, diese Mitgliedschaft anzustreben?
Heißer: Wir wünschen uns, dass der Musikrat uns auf lange Sicht darin unterstützt, unser Netzwerk weiter zu knüpfen. Zunächst freuen wir uns, dass das Musikinformationszentrum sich in diesem Jahr mit einem Messestand beteiligt. Allen im DMR organisierten Verbänden liegt von uns das Angebot vor, sich kostenfrei auf der akustika präsentieren zu können. Das haben auch ein paar angenommen. Wir wollen der Branche eine Plattform bieten. Deshalb gehören nicht nur die Hersteller dazu, sondern auch alle mit Musik verbundenen Verbände und Organisationen. Der Bekanntheitsgrad der akustika lässt sich durchaus noch steigern. Da bauen wir auf das Netzwerk des Deutschen Musikrats und seiner Verbände.
neue musikzeitung: Mit der neuen musikzeitung haben Sie einen weiteren starken Multiplikator an Bord.
Heißer: Es wird eine Reihe von Podiumsdiskussionen und Gesprächen auf der nmz-Bühne geben. Wir freuen uns sehr, dass Branchenthemen hier eine Bühne bekommen und von ausgewiesenen Fachleuten diskutiert werden.
neue musikzeitung: Gibt es aus Ihrer Sicht ein Generationenproblem, was das Thema Messe und Messebesuch betrifft? Jüngere Menschen denken sich vielleicht, dass man sich doch auch umfassend online informieren kann.
Heißer: Das Gegenteil ist nach unserer Erfahrung der Fall! Messe ist cool, denn die Atmosphäre ist fast festivalartig, hier kann man die Instrumente anfassen, sie anspielen, sich mit Gleichgesinnten austauschen. In diesen Zeiten entwickelt das Format einen erstaunlichen Sog. Deswegen bieten wir bei der akustika über 70 Konzerte an, eine Mischung aus Profikonzerten, ambitionierten Nachwuchsmusikern bis zu Laienorchestern oder Solisten. Ich bin sehr froh, dass wir auch dafür ein Team haben, das diesen Bereich kuratiert. Es kommt immer mal wieder die Frage auf, ob eine analoge Messe überhaupt noch zeitgemäß ist. Was wurde in Zeiten von Corona an Übertragungs- und Kameratechnik angeschafft! Dann hat sich das Messewesen sehr schnell erholt, denn die Menschen suchten das Live-Erlebnis und fast alle digitalen Messen wurden eingestampft. Man will die „Lagerfeueratmosphäre“, sich treffen, miteinander sprechen, in Kontakt kommen. So ein Branchentreff ist und bleibt ein besonderes Erlebnis.
neue musikzeitung: Die Instrumente auf der akustika kann man nicht nur ausprobieren, sondern auch kaufen. Ab welchem Messetag?
Heißer: Von Anfang an! Wir haben lange darüber diskutiert. Wir sind keine reine Fachmesse sondern auch offen für interessiertes Publikum und jeder soll die Möglichkeit haben, das Instrument dann direkt zu kaufen, wenn es ausprobiert wurde. Hier spielt auch wieder das spezielle Format der akustika eine Rolle: Wir haben viele Kleinstbetriebe, die das Instrument selbst herstellen. Und für die ist die Verkaufsmöglichkeit vor Ort natürlich super.
neue musikzeitung: Im Namen akustika steckt das Konzept, den Schwerpunkt auf akustische Instrumente zu legen. Die großen, internationalen Instrumentenhersteller haben aber auch elektronische Instrumente im Angebot. Begrenzen Sie deren Angebotspalette?
Heißer: Wir haben aktuell eine Nomenklatur, die dieses Messeangebot grundsätzlich vorgibt und da stehen die akustischen Instrumente drin. Schon jetzt stellen Unternehmen Instrumente aus, die Elektronik verbaut haben oder interessante Silent-Instrumente. Auf Dauer können wir diesen Ausschluss wohl nicht kategorisch vertreten.
neue musikzeitung: Noch ein paar Anmerkungen zur Politik der Eintrittspreise.
Heißer: Wir versuchen günstige Tickets anzubieten, um auch vielen Interessierten einen Besuch zu ermöglichen. Das Dauerticket kostet 25 Euro und Tagesticket kostet 14 Euro. Und für Jugendliche im Schüler- und Studentenalter gibt es Tickets für 5 Euro. Denn wir wollen den Nachwuchs auch auf diesem Weg fördern. Wer jetzt noch bis Mitte April ein Ticket kauft, erhält darüber hinaus einen Frühbucherrabatt in Höhe von 30 Prozent. Uns ist es wichtig, die akustika bekannter zu machen und viele Interessierte zu erreichen.
neue musikzeitung: Wie evaluieren Sie Ihr Messekonzept?
Heißer: Wir befragen systematisch und in jedem Jahr alle Aussteller und Besucher unserer Veranstaltungen. Bei den 15 Messen, die wir aktuell pro Jahr veranstalten, hat die akustika die allerhöchsten Zufriedenheitswerte, sie geht eigentlich regelmäßig durch die Decke.
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