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Horst Engelhardts Schostakowitsch-Büste in Gohrisch

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Schostakowitsch und Einflüsse jüdischer Musik

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Jüdische Zeitgenossen, Klassiker und eine Neuentdeckung: Die Internationalen Schostakowitsch Tage in Gohrisch bleiben innovativ.

Die Internationalen Schostakowitsch Tage in Gohrisch (Sächsische Schweiz) widmen sich in diesem Jahr (25. bis 28. Juni) dem Einfluss jüdischer Musik im Werk des Komponisten. Damit reiht sich das Festival ein in das vom Freistaat Sachsen proklamierte «Jahr der jüdischen Kultur», das jüdisches Leben und seine Geschichte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen will.

«Dmitri Schostakowitsch hat immer wieder auf die Bedeutung der jüdischen Kultur für sein eigenes Schaffen hingewiesen. Wir spüren diesen Verbindungen in diesem Jahr nach, indem wir ihm Werke von jüdischen Zeitgenossen, Nachgeborenen, aber auch Klassikern wie Felix Mendelssohn Bartholdy gegenüberstellen», sagte Tobias Niederschlag, Künstlerischer Leiter des Festivals, bei der Vorstellung des Programmes in Dresden.

Neuentdeckung: weißrussischer Komponist Lew Abeliowitsch

Mit dem weißrussischen Komponisten Lew Abeliowitsch möchte das Festival eine Neuentdeckung präsentieren, dessen Werke in Deutschland bislang völlig unbekannt sind, erklärte Niederschlag. Abeliowitsch (1912-1985) hatte in Warschau studiert und war 1939 nach dem deutschen Überfall auf Polen mit seinem Kommilitonen Mieczys?aw Weinberg über Minsk nach Moskau geflohen. Dort ließ er sich durch das Umfeld von Schostakowitsch und den Geiger David Oistrach inspirieren.

Renommierte Interpreten bei dem Festival zu Gast

Im Programm des Festivals finden sich Namen renommierter Interpreten. Gidon Kremer und seine Kremerata Baltica musizieren zur Eröffnung Werke von Schostakowitsch. Auch das Streichquartett Quatuor Danel ist dabei und spielt zusammen mit der Pianistin Elisabeth Leonskaja, die noch mit Schostakowitsch zusammenarbeitete und nun den nach ihm benannten Preis des Festivals in Gohrisch erhält. Geiger Vadim Gluzman kommt als Solist zu einer Matinee der Sächsischen Staatskapelle Dresden unter Leitung von Ingo Metzmacher.

Staatskapelle Dresden gestaltet den Vorabend des Festivals

Den Vorabend der Schostakowitsch-Tage gestaltet die Staatskapelle Dresden am 24. Juni mit einem Sonderkonzert im Dresdner Kulturpalast. Dann leitet Philippe Jordan eine Aufführung des 2. Violinkonzertes mit der Solistin Isabelle Faust und der 10. Sinfonie, die Schostakowitsch 1953 als musikalische Abrechnung mit dem Stalin-Regime komponierte. Nach dem Auftakt sind acht Veranstaltungen in Gohrisch vorgesehen.

Schostakowitsch (1906-1975) gilt als einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Er hinterließ ein vielfältiges Gesamtwerk mit 15 Sinfonien, Instrumentalkonzerten, Opern, Filmmusiken, Vokalwerken und Kammermusik. Seine Werke sind fester Bestandteil im weltweiten Konzertbetrieb. Zweimal weilte er in Gohrisch, wo sich ein Gästehaus der DDR-Regierung befand. 1960 komponierte er hier sein 8. Streichquartett - ein sehr persönliches Werk, in dem er seinem Leiden unter dem Sowjetregime Ausdruck verlieh. Seit 2010 gibt es in Kooperation mit der Staatskapelle Dresden die Schostakowitsch-Tage Gohrisch.

 

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