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Alle Artikel kategorisiert unter »Birger Radde«

Maßlos, entfesselt und durchgeknallt – Tatjana Gürbaca inszeniert in Bremen „Don Giovanni“

23.10.19 (Ute Schalz-Laurenze) -
An der Wucht und der vieldeutigen Rätselhaftigkeit des „dramma giocoso“ haben sich Generationen von Regisseuren die Zähne ausgebissen. Günther Rennert, einer der großen des vergangenen Jahrhunderts glaubte „nicht an die Möglichkeit, für diese Partitur auch nur eine annähernd szenische Entsprechung finden zu können“. Die „Oper aller Opern“ (E.T.A. Hoffmann 1813) ist ein „Gipfel, der nie wieder erreicht worden ist“ (Bertolt Brecht). Nun also Tatjana Gürbaca, preisgekrönte erfolgreiche Regisseurin, die unvergessliche Arbeiten am Theater Bremen hinterlassen hat – Eugen Onegin und Mazeppa von Peter Tschaikowsky, Grand Macabre von György Ligeti, Simplicius Simplicissimus von Karl Amadeus Hartmann.

Wie ein Sog – Erich Wolfgang Korngolds „Die tote Stadt“ am Theater Bremen

13.05.19 (Ute Schalz-Laurenze) -
Man kann das schon nachvollziehen: Gustav Mahler, Alexander Zemlinsky, sogar Anton Webern bescheinigten dem jungen Erich Wolfgang Korngold, ein Genie zu sein. Man kann aber auch nachvollziehen, dass der nach Amerika emigrierte Komponist, der dort erfolgreich als Filmkomponist arbeitete, nach seiner Rückkehr nach Europa 1949 keine Chancen mehr hatte und tief enttäuscht nach Amerika zurückging, wo er 1957 starb. Jetzt hatte seine 1920 uraufgeführte und an achtzig Bühnen nachgespielte Oper „Die tote Stadt“ am Theater Bremen eine bejubelte Premiere.

Lulus Utopie – Marco Štorman inszeniert am Theater Bremen Alban Bergs „Lulu“

29.01.19 (Ute Schalz-Laurenze) -
Der Regisseur Marco Štorman mag nicht, dass Alban Bergs „Lulu“ ein Opfer ist. Das ist zwar nicht neu, aber 2019, im Jahr „einer aufregenden Debatte über Geschlechterrollen und -Definitionen“ (Štorman) will er mit unglaublicher Energie und Folgerichtigkeit in der 1937 uraufgeführten Oper gar eine Utopie darin sehen, dass gegenseitiges Unverständnis doch überwunden werden kann – wie auch immer.

Zwischen Burleske und Tragik – Giuseppe Verdis „Ein Maskenball“ in Bremen

24.10.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Michael Talke kann Geschichten erzählen. Das sollte für einen Opernregisseur selbstverständlich sein, ist es aber nicht. Dazu, wenn wie im Fall von „Un ballo in Maschera“ von Giuseppe Verdi, der kompositorische Stil nicht immer eindeutig ist: in keiner anderen Oper von Verdi wechselt die Burleske mit Tragik derart stark wie in dem 1859 entstandenen Werk, in keiner anderen Oper geht es fast immer um Verstellung. Talke hat überragende – intelligente, witzige und sinnliche – Arbeiten in Bremen gezeigt: Verdis Rigoletto, Rossinis Barbier von Sevilla, Strawinskis Rakes Progress. Dies ist seine fünfte Arbeit, die wiederum mit starkem Beifall endete.

Lustig ist das alles nicht – Felix Rothenhäusler wagt an Strauß‘ „Die Fledermaus“ ein Experiment

03.04.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Totale Entrümpelungen tun oft, aber nicht immer gut. Es war sehr ambivalent, was jetzt Felix Rothenhäusler, Hausregisseur im Schauspiel am Theater Bremen, in seiner dritten Musiktheaterarbeit hinterließ. Es war die 1874 uraufgeführte, heute berühmteste Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauß, die sich zum Unmut vieler BesucherInnen gefallen lassen musste, dass nichts wiederzuerkennen war und dass es schon mal (fast) gar nichts zu lachen gab.

Die Seele auf dem Ton – Gaetano Donizettis „Lucia di Lammermoor“ am Theater Bremen

31.01.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Seit dreißig Jahren gab es in Bremen Gaetano Donizettis „Lucia di Lammermoor“ (1835) nicht mehr. Dabei ist das „Dramma tragico“ die berühmteste „Bel Canto“-Oper überhaupt, gehört also irgendwo in jeden ambitionierten Spielplan. Das geht aber nur, wenn man die drei Hauptrollen wirklich besetzen kann, wie es jetzt in Bremen fabelhaft gelungen ist. Mit Nerita Pokvytyté als Lucia, Birger Radde als Enrico und Hyojong Kim als Edgardo singen im Bremer Ensemble herausragende Bel Canto-Stimmen. Bel Canto: die italienische Gesangstechnik, die heute wieder das A und O aller Gesangkunst ist, verlangt, dass die Seele auf dem Ton liegt.

Wie eine Feuerschmiede – Michael Talke zeigt am Theater Bremen mit Rossinis „Barbier von Sevilla“ politisches Theater

23.10.16 (Ute Schalz-Laurenze) -
Wenn in Giacchino Rossinis berühmtester Oper „Il Barbiere di Siviglia“ der intrigante Gesangslehrer Don Basilio seine üble, lebensberatende Verleumdungsarie singt, wenn er mehrfach zu verstehen gibt, dass er für Geld alles macht, wenn Doktor Bartolo meint, nur aus seiner Position heraus sich alles erlauben zu können, wenn der Barbier in dieser Art von Gesellschaft seine unmissverständlichen Geschäfte macht und wenn das arme, aber kluge Mündel Rosina ins Haus eingesperrt ist, dann ist deutlich, wo und wann wir uns befinden: 1816 in einer Zeit, in der jegliche Idee der vergangenen Revolution vorbei ist, und im Gegenteil aus einer freien Gesellschaft eine geworden ist, in der jeder nur noch dem eigenen Vorteil hinterher rennt.

Konzept gegen Musik? – Alban Bergs „Wozzeck“ am Theater in Hof

22.09.15 (Boris Gruhl) -
Ob sich Regisseur Christian Tombeil von Georg Hensels Bemerkung anregen ließ, dass Georg Büchners Dramenfragment „Woyzeck“ von 1836, uraufgeführt erst 77 Jahre später in München, „wie aus Versehen ein Jahrhundert zu früh geboren“ ist. Ob er sich daher entschlossen hat für seine szenische Deutung der 1925 in Berlin uraufgeführten Oper „Wozzeck“ von Alban Berg nach Büchners Dramenfetzen, jetzt am Theater in Hof, die Geschichte vom Soldaten Wozzeck in die Gegenwart zu verlegen und in einer Art traumatischer Rückblenden die historisch zu begründenden Szenen hereinbrechen lässt?
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