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Alle Artikel kategorisiert unter »Philharmonisches Orchester Erfurt«

Ausgefuchst dialektisch: „Nabucco“ als verbitterte Sommeroper in Erfurt

17.07.22 (Roland H. Dippel) -
Regisseurinnen und Regisseure lassen sich, inspiriert durch den groben Prankenschlag Giuseppe Verdis in seinem ersten internationalen Erfolg von 1842, von Rostock bis Straubing zu szenischen Gewalteskalationen inspirieren. Temistocle Solera hatte in seinem Textbuch nach dem Schauspiel „Nabuchodonosor“ von Auguste Anicet-Bourgeois und Francis Cornu den alttestamentarischen Stoff über die in babylonische Gefangenschaft verschleppten Juden sehr frei und knapp behandelt. In Erfurt machte Intendant Guy Montavon daraus eine Studie, wie porös und verwundbar die Haut der Zivilisation über dem Fleisch der Antihumanität ist. Keine unbeschwerte Sommeroper also, bei der die hochdramatischen Hauptpartien von der Premierenbesetzung erfreulich gut und stark gesungen werden.

Motorischer Vintage-Mozart: „Die Hochzeit des Figaro“ in Erfurt

28.11.21 (Roland H. Dippel) -
Derzeit scheinen die Menschen in Wolfgang Amadeus Mozarts und Lorenzo da Pontes opera buffa „Die Hochzeit des Figaro“ und ihre Triebhaftigkeiten wichtiger als die politische Dimension. Am Theater Erfurt kommen in der Inszenierung von Martina Veh neben dem erotischen Spaß auch dessen Grenzen ins Bild. Musikalisch gerät das unter Samuel Bächli als blitzblankes Bekenntnis zur herkömmlichen Aufführungspraxis.

Dirigent und Komponist Alexander Prior wird Generalmusikdirektor in Erfurt

01.08.21 (dpa) -
Erfurt - Der 28 Jahre alte Alexander Prior wird neuer Generalmusikdirektor (GMD) in Erfurt. Mit der Spielzeit 2022/23 wird der Dirigent und Komponist die Leitung des Orchesters mit 64 Musikern und Musikerinnen übernehmen, teilte das Theater am Freitag in Erfurt mit. «Wir freuen uns auf die kommende Zeit und sind überzeugt, dass sich das Philharmonische Orchester Erfurt mit Herrn Prior an der Spitze weiterentwickeln kann und eine breite Zielgruppe für klassische Musik begeistert wird», so Generalintendant Guy Montavon.

Bejubelt: Peter Tschaikowskys Oper „Die Jungfrau von Orléans“ bei den Domstufenfestspiele in Erfurt

12.07.21 (Joachim Lange) -
Beim zweiten Anlauf hatten man mit dem Wetter mehr Glück in Erfurt. Am Freitag fiel die Premiere von Peter Tschaikowskys „Jungfrau von Orléans“ nämlich buchstäblich ins Wasser. Dabei hatte es das aktuelle Freiluftspektakel vor der grandiosen Kulisse aus Dom und Severikirche sogar in die ZDF-Nachrichten geschafft.

Philharmonisches Orchester Erfurt probt für Domstufen-Festspiele

25.06.20 (dpa) -
Erfurt - Opernklänge unter Corona-Auflagen: Das Philharmonische Orchester des Erfurter Theaters hat den Probenbetrieb für die diesjährigen Domstufen-Festspiele aufgenommen. Die 45 Musiker übten mit Plexiglasscheiben zwischen den Bläsern und Streichern sowie dem gebotenen Abstand auf der Hauptbühne des Hauses.

Verwirrung der Gefühle – Purcells Semi-Opera „The Fairy Queen“ an der Oper Erfurt

21.05.19 (Joachim Lange) -
An der Oper Erfurt liebt man die besondere Herausforderung – von Uraufführungen über Ausgrabungen bis hin zu Projekten wie jetzt diese: „The Fairy Queen – Ein Sommernachtstraum“. Wäre diese letzte große Neuproduktion so etwas ähnliches wie der am Tag der Premiere parallel laufende ESC in Tel Aviv, als Genre-Contest auf der Bühne, bei dem Punkte verteilen müsste, dann hätten wohl die Tänzer des „Tanztheater Erfurt e.V.“ und die Choreographie von Ester Ambrosino die höchste Punktzahl eingefahren… Mehr „Multi“-Ehrgeiz für eine Kunstanstrengung als diesmal, ist kaum vorstellbar, sagt unser Kritiker Joachim Lange.

Tod auf halber Treppe – Verdis „Aida“ geht auch ohne Elefanten: Premiere in Erfurt

28.04.19 (Joachim Lange) -
Opern-Äthiopien ist auch nicht mehr was es mal war. Da marschieren sie in Ägypten ein, werden von Radames und seinen Truppen besiegt und Verdi komponiert ihnen einen Superhit, der das seit der Uraufführung bis heute geblieben ist, und dann ist in der Oper Erfurt nicht mal ein klitzekleiner Elefant unter der Beute. Nur eine Trage voll Gerümpel. Afrikanische Masken, ein Schild und solches Zeug, was sich in jedem Theaterfundus finden lässt und irgendwie nach Nordafrika aussieht. Der Beutehaufen ist so mickrig, dass man sich fragt, ob der König auf dem Thron hoch oben und mit der Krone aus dem Märchenbuch das überhaupt richtig wahrnehmen kann.

Viel Zuckerwatte: Pierantonio Valtinonis Oper „Der Zauberer von Oz“ am Theater Erfurt

10.02.19 (Roland H. Dippel) -
Zürich 2017. Berlin 2018, Erfurt 2019. Die Neuvertonung von „Der Zauberer von Oz“ des Italieners Pierantonio Valtinoni (geb. 1959) könnte ein Serienerfolg werden. Seine Oper auf den Text von Paolo Madron (geb. 1956) enthält kräftiges Spielfutter für Musiker und Bühne. Am Theater Erfurt verhielt man sich äußerst respektvoll und liebevoll zu dieser Partitur in der deutschen Fassung von Hanna Francesconi. Die Realisierung der Kinderchöre wurde in dieser Premiere zum Höhepunkt des Abends.

Im Trockendock – Der „Fliegende Holländer“ geht in der Oper Erfurt in der Inszenierung von Hausherr Guy Montavon an Land

30.03.18 (Joachim Lange) -
Beim neuen „Fliegenden Holländer“ in Erfurt ist das Bühnenbild der Clou und gibt die Richtung von Guy Montavons Zugang deutlich vor. Hank Irwin Kittel hat ein Trockendock auf die Bühne gesetzt, das aber genauso gut ein imaginärer Innenraum sein könnte. Er folgt damit dem, was Harry Kupfer einst mit seiner Bayreuther Senta in die Rezeption eingeführt hat. Nämlich die ganze Geschichte als eine starke Wunschvorstellung beziehunsgsweise fixe Idee Sentas aufzufassen und sie sozusagen vor ihrem inneren Auge ablaufen zu lassen. Das geht natürlich bei der konkreten Umsetzung nicht völlig ohne gewisse Rempeleien mit dem Erzählfluss. Aber es hat einen gewissen, durchaus auch stringenten Reiz.

Potential zum Dauerbrenner: Lunds & Zaufkes Musical „Grimm!“ in Erfurt

02.02.18 (Roland H. Dippel) -
Dieses wunderbare Opus entstand für das Kinder- und Jugendtheater Next Liberty in Graz und erhielt nach der Uraufführung (2014) den Deutschen Musical-Theater-Preis in der Kategorie Bestes Buch. Von der CD-Einspielung der Neuköllner Oper mit dem Musicalstudiengang der Universität der Künste Berlin brennt man schon wieder eine neue Auflage. In Erfurt kommt „Grimm!“ nach Inszenierungen in Wien und Schwedt erstmals auf eine ganz große Opernbühne. Auch da ist der Eindruck glänzend, bezwingend, beglückend. Wenn es eine Gerechtigkeit in der Theaterwelt gibt, wird diese Produktion zum Dauerbrenner.
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