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Alle Artikel kategorisiert unter »Roland H. Dippel«

Bachfest 2017 glänzte mit kontrastreicher Programmfülle

22.06.17 (Roland H. Dippel) -
Unter dem Motto „Ein schön new Lied – Musik und Reformation“ gab es bei 120 Konzerten und Rahmenveranstaltungen noch genügend Freiräume neben „Luther 2017.“ Mit Spitzenensembles, Jubiläumsveranstaltungen und regionalen Musikeinrichtungen zeigte das Bachfest auch 2017 eine künstlerisch bemerkenswerte Vielfalt und erreichte vom 9. bis 18. Juni eine Platzausnutzung von über 90 Prozent.

Leipzig: Symposium zum 200. Geburtstag von Niels Wilhelm Gade

11.06.17 (Roland H. Dippel) -
Die Organisation, Durchführung und Dokumentation eines Symposiums gehört am Zentrum für Musikwissenschaft der HMT Leipzig und der Universität Leipzig zu den Pflichtaufgaben. Studiendekan Christoph Hust ist am Veranstaltungstag im Musiksaal am Dittrichring dabei, aber Ablauf, Empfang sowie Moderation und Diskussionsleitung übernimmt das organisatorische Team der Studierenden autonom. In diesem Fall leistet es dazu noch eine überfällige und glanzvolle Wiedergutmachungsarbeit für ein im Leipziger Kalender nicht allzu üppig bedachtes Jubiläum: Den 200. Geburtstag des dänischen Komponisten Niels Wilhelm Gade, Mendelssohns Nachfolger am Gewandhaus und bis heute oft allzu leichtfertig gelobt als Repräsentant des von Schumann verherrlichten „nordischen Tons“.

„Génie oblige“: Die Fürstin schreibt Noten – Ausstellung zur „Liszt-Biennale 2017“

06.06.17 (Roland H. Dippel) -
Die Ausstellung „Génie oblige“ des Goethe- und Schiller-Archivs Weimar bildet das thematische Zentrum zur Liszt-Biennale 2017, doch das nimmt man am (Kultur-)Bahnhof Weimar kaum wahr: Selten sieht man so geballt Passagiere mit schweren Lektüre-Brocken von Eco und Borchmeyer in der Hand wie hier. Und leider reicht die Zeit nicht für die Tafeln der textintensiven Wanderausstellung „Ein Geschenk des Himmels – Die Reformation und ihre Musik in Thüringen“ des Thüringer Landesmusikarchivs in der Eingangshalle.

Explosive Partitur – Riccardo Zandonais „Giulietta e Romeo“ in Braunschweig

30.05.17 (Roland H. Dippel) -
Zum Klangrausch sondergleichen wurde das 1922 am Teatro Constanzi in Rom uraufgeführte Musikdrama „Giulietta e Romeo“ von Riccardo Zandonai nach Erfurt auch am Staatstheater Braunschweig. Der Kontrast beider Konzeptionen könnte größer nicht sein: Guy Montavon zeigt die glücklose junge Liebe als Vereinigung in einem Jugendinternat. Das große Orchesterintermezzo illustriert er mit Filmdokumenten von Mussolinis Luftwaffe. In Braunschweig setzt Regisseur Philipp Kochheim mit Dirigent Florian Ludwig auf messerscharfe Durchdringung und zeigt die Liebestragödie als letzten Wachtraum eines sterbenden Kriegsverletzten.

„Die mutierte Füchsin Schlitzohr“ – Janacek-Apokalypse an der HfM Dresden

24.05.17 (Roland H. Dippel) -
Diese Koproduktion der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber, der Hochschule für Bildende Künste und des Staatsschauspiels Dresden schien verheißungsvoll: Die ambitionierte Kammerfassung des britischen Komponisten Jonathan Dove nach der anspruchsvollen Partitur Leos Janaceks zu „Das schlaue Füchslein“ hat ihre Eignung für spannende szenische Lesarten durch begabte Debütanten schon mehrfach bewiesen.

Bert Appermonts „Katharina von Bora“ am Originalschauplatz

23.05.17 (Roland H. Dippel) -
Eine breitere Synthese von Historienspiel, Kammeroper und Massenspektakel ist schwer denkbar: 2009 erhielt der belgische Komponist Bert Appermont (geb. 1973) als Student des damaligen Chefdirigenten Jan Cober den Kompositionsauftrag zum sechzigjährigen Jubiläum der Sächsischen Bläserphilharmonie. Bereits zur Uraufführung am 17. Oktober 2010 im Leipziger Gewandhaus dachte man an das für Mitteldeutschland so wichtige Jubiläum „Luther 2017“.

Marschners „Der Vampyr“ original, endlich! – Musikalisch brillant, szenisch matt am Theater Koblenz

09.05.17 (Roland H. Dippel) -
Meistens fürchten sich Regisseure vor einer subtilen Realisierung von Marschners „Der Vampyr“, wie zuletzt an der Komischen Oper Berlin. Sehr schade ist das, weil diese „Große romantische Oper“, ein Hauptwerk zwischen „Der Freischütz“ und „Der fliegende Holländer“, entstand, als das noch junge Horror- und Vampirgenre noch nicht den durch Film und Musical fixierten Ritual- und Erwartungsrahmen hatte.

Unverständliche Liebe – Tschaikowskis „Masepa“ am Theater Gera

02.05.17 (Roland H. Dippel) -
Tschaikowskis neben „Eugen Onegin“ und „Pique Dame“ dritte Oper nach Puschkin gab es in Gera zuletzt 1948. Das in letzter Zeit wieder häufiger gespielte Werk hat es in sich: Die Verschwörung des alten ukrainischen Oberhauptmanns Masepa gegen Peter den Großen, seine Liebe zur blutjungen, aber nicht blutsverwandten Patentochter Maria und verheerende Auseinandersetzungen vertonte Tschaikowski in einer bei ihm ungewohnt harten, groben Tonsprache. Nur selten strömen bewegende Melodien, etwa der Schlussgesang Marias. Wie Verdi in „Macbeth“ mischte Tschaikowski in „Mazeppa“ seine Ausdrucksmittel neu und forderte deshalb vom Theater Altenburg-Gera alle Ressourcen.

Alban Berg im Vogtland – 8. Konzert der Vogtland Philharmonie im Neuberinhaus Reichenbach

27.04.17 (Roland H. Dippel) -
Pärt, Berg und die Vierte von Brahms: Das ist ein Programm, zu dem man in großen Sälen Glanz, Opulenz und Geschmeidigkeit erwartet. Nicht nur in Zentren, auch an kleineren Musikzellen beinhaltet Bergs Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“ kaum noch Schärfen für provozierte Attacken. Stefan Fraas, Intendant der Vogtland-Philharmoniker, stellte sogar fest, dass die Sprödigkeit des Violinkonzerts von William Walton bei seinem Publikum weitaus mehr Irritationen bereitete. Am Ende gab es „nur“ Anerkennungsapplaus für den Solisten, aber an Abo-Kündigung deshalb denkt im vollen Neuberinhaus Reichenbach niemand.

Ekstatisch, extrem, brutal – Riccardo Zandonais „Romeo und Julia“ in Erfurt

09.04.17 (Roland H. Dippel) -
Im Opernhaus Erfurt prangen Projektionen eines riesigen Blüten- und Blumenozeans über Romeo und Julia, die als Greise sterben. Von Shakespeares Liebestragödie bleibt in Arturo Rosatis Libretto nur das Gerüst, dafür gibt es drei ins Gigantomanische geweitete Chor- und Genreszenen. Aber auch jede Menge Raum für großartige, flutende, leidenschaftliche, hybride Musik von Riccardo Zandonai , dem aus Rovereto stammenden Komponisten und Konversatoriumsdirektor von Pesaro. Uraufgeführt wurde das riesige Opus „Giulietta e Romeo“, das man nach 105 Minuten wie erschlagen verlässt, am Teatro Costanzi in Rom 1922.
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