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Alle Artikel kategorisiert unter »Roland H. Dippel«

„Speakers Corner“ – Elektroakustischer Konzertabend an der HMT Leipzig

17.10.17 (Roland H. Dippel) -
Die Titelei gleicht einem diplomatischen Protokoll. Dieses Konzert „Musik und Gegenwart“ Nr. 75 ist eine „Veranstaltung des Studios für Elektroakustische Musik und des ZfGM“. Also jenes ambitionierten, von Claus-Steffen Mahnkopf im Dezember 2016 gegründeten Zentrums für Gegenwartsmusik, was sich für genderkorrekte, internationale und universelle Vernetzung aller musikalischen Genres, Gattungen und Stile der lebenden Gegenwart aufstellt. Dabei fällt dieser erfreulich gut besuchte Konzertabend, einmal im Jahr findet das Modul „Speakers Corner“ statt, für zentrales Mischpult, 26 Boxen und acht Kanäle streng genommen gar nicht ausschließlich in die Sektion Gegenwartsmusik.

Sünde an der „Großen Sünderin“? – Künneke-Revival an der Musikalischen Komödie Leipzig

16.10.17 (Roland H. Dippel) -
Nach Nico Dostals „Prinzessin Nofretete“ wagt die Musikalische Komödie Leipzig ein nur unter Vorbehalt als Operette zu benennendes Hybridopus aus den frühen Jahren des Nationalsozialismus. Eduard Künnekes „Die große Sünderin“ gelangte am 31. Dezember 1935 an der Lindenoper Berlin mit den Stars Tiana Lemnitz und Helge Rosvaenge zur Uraufführung, flankiert von Richard Strauss‘ „Die ägyptische Helena“. Die beiden Partituren stehen sich in Hinblick auf süffige und hypertrophe Orchestration näher als man denkt. Die Entstehung der später kaum nachgespielten „Großen Sünderin“ war auch der Absicht geschuldet, ein systemtaugliches Musterwerk zu kreieren.

100 Jahre Theater Nordhausen: „Otello“ intensitätsstiftend

06.10.17 (Roland H. Dippel) -
Das rührige (Musik-)Theater, das Loh-Orchester Sondershausen und das Ballett Nordhausen haben etwas, wovon andere Häuser nur träumen können: Ein treues und großes Publikum mit liebevoller Aufgeschlossenheit auch für Unbekanntes und Neues. Unter dem seine zweite Spielzeit realisierenden Intendanten Daniel Klajner nennt sich das in einem während des Ersten Weltkriegs eröffnete Haus jetzt pfiffig „TN LOS!“, gestaltet weiterhin beliebte Sommerfestspiele und hat eine eigene Veranstaltungsfolge im Meininger Hof Saalfeld – bei den Vorstellungen des Musiktheaters spielen dort allerdings die Thüringer Symphoniker.

Männer-Marionetten und Frauen-Puppen – „Der fliegende Holländer“ am Theater Hof

29.09.17 (Roland H. Dippel) -
Intendant Reinhardt Friese macht aus seiner Skepsis gegenüber Richard Wagner kein Hehl und für den Chefdirigenten Walter E. Gugerbauer ist es eines der ersten Großprojekte am Theater Hof, das auch beim Gastspiel im Rosenthal Theater Selb einen beträchtlichen Aufwand betreibt: Das gesamte Ballett ist dabei. Seit Jahren erarbeitet sich das Haus im Musiktheater eine gekonnte und geschickte Repertoire-Erweiterung, die im Frühjahr zu einem neuen Höhepunkt ansetzt: Da gelangt Aribert Reimanns frühe Oper „Ein Traumspiel“ zur Premiere Aufführung.

Rezension: Steffen Schleiermachers und Holger Falks CD-Plädoyer für Hanns Eisler

28.09.17 (Roland H. Dippel) -
Schon die erste CD der überfälligen Edition von Hanns Eislers Liedschaffen bei Dabringhaus & Grimm in Co-Produktion mit Deutschlandfunk Kultur klang überraschend anders als frühere Aufnahmen, die mit trockener Sachlichkeit dem kommunistischen Agitationsgestus entgehen wollten oder diesen auf eine Kunstebene zu entrücken versuchten. Holger Falks meisterhafter und stellenweise verblüffend blasiert-anrüchiger Ton, dazu Steffen Schleiermachers emotionale Begleitung gingen auf Konfrontationskurs gegen ein Eisler-Bild, das diesen allzu lange zum blässlichen Links-Ideologen verkleinerte.

Angelika Milster „webbert“ wieder: „Sunset Boulevard“ am Theater Altenburg-Gera

26.09.17 (Roland H. Dippel) -
Am Ende waren alle glücklich im Landestheater Altenburg: Der gerade für seinen wirtschaftlichen und vor allem künstlerischen Erfolg bis 2022 verlängerte Generalintendant Kai Kuntze von Theater und Philharmonie Thüringen, das etwas weniger als erwartet mit reisenden Musical-Fans durchmischte Publikum, das starke Ensemble und der in idealer Gewichtung durch feine Nuancen noch stärkere Star Angelika Milster als traurige Stummfilmikone Norma Desmond. Die recht neue symphonische Orchestration macht den nicht einfachen „Sunset Boulevard“ Andrew Lloyd Webbers üppiger und auch seidenglatter. Ovationen.

Sängerfest in Schwarzweiß: Verdis „Otello“ in Dessau

18.09.17 (Roland H. Dippel) -
Seit Jahren wahrt das Anhaltische Theater Dessau hinweg über Intendanten-Perioden im Musiktheater ein bemerkenswert sattes musikalisches Format. Auch die aktuelle Verdi-Produktion zur Eröffnung der 223. Spielzeit reiht sich in diese Kette erstklassiger Produktionen, zu denen neben Bussen aus der Region sich auch viele Stammbesucher aus Berlin und ganz Mitteldeutschland einfinden. Der Premierenapplaus hatte enthusiastische Wärme.

Betörender Sieg der Amoral – John Eliot Gardiner feiert Monteverdi beim Musikfest Berlin

07.09.17 (Roland H. Dippel) -
Sir John Eliot Gardiners Trias zum 450. Geburtstag Claudio Monteverdis ist nach einzelnen und kompletten Vorstellungen beim Bachfest, in Italien, Frankreich und den USA beim Musikfest Berlin in der Philharmonie angekommen. Vielleicht hätte der Applaus nach „L’incononazione di Poppea“ auf die in schlichten Kostümen durchinszenierte Aufführung noch eine Spur enthusiastischer ausfallen können. Aber ein Triumph war es nach den nur durch eine kurze Pause unterbrochenen 200 Minuten dennoch.

Postfaktisches Welttheater: Bernsteins „Candide“ in Weimar

05.09.17 (Roland H. Dippel) -
Es war Leonard Bernstein bei seiner Vertonung von Voltaires auf Ideologiezersetzung und Moralkritik setzenden Kurzroman „Candide“ sicher nicht klar, dass diese Partitur noch nach seinem Tod Texter und Bearbeiter beschäftigen wird. Etwas hakte immer in dieser bösen Weltreise mit dem nüchternen Ende. Zeitweilig hielt man konzertante Aufführungen mit Loriots kongenialen Zwischentexten für die beste aller möglichen Realisierungen im deutschen Sprachraum. Das wird jetzt anders.

In die Kehlen geschrieben – Oper Leipzig kredenzt in der Schaubühne Lindenfels einen Monteverdi-Ligeti-Aperghis-Cocktail

03.09.17 (Roland H. Dippel) -
Das „Nein“ der Braut bei der Trauung ist eigentlich ein Komödienmoment. Genau darum geht es Kristof Spiewok im dritten Teil seiner Monteverdi-Trilogie mit György Ligetis „Aventures“ / „Nouvelles aventures“ und Georges Aperghis‘ Nr. 9 aus seinen „14 Récitations“. Dabei ist es ihm als Regisseur sehr ernst. Der patinierte Saal der Schaubühne Lindenfels im Leipziger Westen ist ein idealer Aufführungsort mit einer zugleich offenen und transparenten, ideal sänger- und musikerfreundlichen Akustik. Bei allem Dekor gerät dieser bewegungsreiche und von Thadeusz Tischbein mit Video-Konfekt garnierte Abend eher verspielt als tieflotend. Für die Koproduktion der Oper Leipzig mit der Schaubühne Lindenfels gab es zur Premiere viel Applaus.
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