12.500 Anträge aus dem Bundesgebiet

Doppelinterview mit den DSEE-Vorständen Katarina Peranic und Jan Holze


(nmz) -
Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) wurde am 23. Juni 2020 in Neustrelitz gegründet. Katarina Peranic und Jan Holze sind Gründungsvorstände der Stiftung. Nach einem Jahr Arbeit für ehrenamtliche Strukturen und die Stärkung bürgerschaftlichen Engagements ziehen sie in diesem Interview mit dem Bundesmusikverband Chor & Orchester e.V. (BMCO) ein erstes Resümee. Die Fragen stellte Lorenz Overbeck, Geschäftsführer des BMCO. Er sitzt für den BMCO auch im Stiftungsrat der DSEE.
Ein Artikel von Lorenz Overbeck

BMCO: Mit welchem Ziel wurde die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt gegründet? Warum braucht es die Stiftung?

Jan Holze: Die DSEE wurde als bundesweite Anlaufstelle für bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt in Deutschland von der Bundesregierung und dem Deutschen Bundestag 2020 auf den Weg gebracht. In der Stiftung entwickeln wir bedarfsgerechte Beratungs-und Qualifizierungs­angebote, quasi einen Servicepartner für das Ehrenamt in ganz Deutschland. Damit nicht genug, wir wollen und werden das Ehrenamt und das bürgerschaftliche Engagement ganz handfest stärken und fördern, und zwar insbesondere in strukturschwachen und ländlichen Räumen.

Katarina Peranic: Der Gründung der Stiftung im Sommer 2020 ging eine lange Diskussion über ihre Ausrichtung voraus. Das Ergebnis war im April 2020 ein Errichtungsgesetz, das neben der operativen Ausrichtung auch die finanzielle Förderung von Engagement und Ehrenamt möglich macht. Hier gibt es sehr großen Bedarf! Aber auch offene Informations-, Vernetzungs- und Fortbildungsformate – das zeigen die Teilnahmezahlen bei den ersten digitalen Veranstaltungen und Online-Seminaren der Stiftung – stoßen auf sehr gute Resonanz. Dies wollen wir nutzen, um aktuelle Fragestellungen und Informationsbedarfe aus der Zivilgesellschaft aufzunehmen und weitere Angebote zu entwickeln.

BMCO: Neben der inhaltlichen Arbeit der Stiftung muss auch die Organisation am Standort Neustrelitz selbst aufgebaut werden. Wie ist der Stand: Was ist erreicht und was bleibt noch zu tun?

Peranic: Neben der Organisation des Stiftungsbetriebs ist der personelle Aufbau der Stiftung ein Schwerpunkt in diesem Jahr. Unsere Stellenausschreibungen rufen eine große Resonanz hervor. Wir bekommen hunderte Bewerbungen aus ganz Deutschland. Tolle Leute mit viel Lust, gemeinsam mit uns eine Stiftung für Engagierte aufzubauen.

Holze: Spannend ist auch unser Sitz. Noch sind wir am Stadtrand in wunderbarer Natur beheimatet. Aber bald werden wir im Zentrum von Neustrelitz das wunderschöne Carolinen-Palais beziehen mit einer spannenden Historie. Sie glauben gar nicht, wie viel Spaß es macht, die Restauration eines so schönen historischen Gebäudes mit neuen Formen des agilen Arbeitens zu planen. Da ist wahrlich Musik drin.

BMCO: Welche Motive waren und sind für Ihre Arbeit leitend?

Holze: Wir beide brennen für bürgerschaftliches Engagement und wollen dem Ehrenamt einen starken Partner zur Seite stellen.

Peranic: Wir haben beide viele Jahre an der Förderung von Engagement und Ehrenamt in unterschiedlichen Strukturen gearbeitet und sehen in der DSEE jetzt eine Chance, für die Engagementförderung in ganz Deutschland einen ganz neuen Weg einzuschlagen.

BMCO: Die Stiftung hat im Herbst 2020 ein viel beachtetes Förderprogramm aufgelegt: Was sind wichtige Erkenntnisse daraus?

Peranic: Die 12.500 Anträge aus dem gesamten Bundesgebiet zeigen, dass es viele spannende Projektideen gibt und einen riesigen Bedarf an Unterstützung. Wir konnten vor allem kleinere Organisationen erreichen. Inhaltlich wurde deutlich, die Digitalisierung kam 2020 mit großer Wucht in der Zivilgesellschaft an …

Holze: …und zwar auf allen Ebenen und in allen Engagements. Aber es zeigte sich auch, wie kreativ die Vereine und Verbände mit dieser neuartigen Situation umgingen, um trotzdem ihr Engagement aufrechterhalten zu können. Oftmals mit digitaler Unterstützung. Da war unsere Förderung eine ganz wichtige Stütze.

BMCO:  Welche Förderungen plant die Stiftungen für das Jahr 2021 (ff.)?

Peranic: Grundsätzlich bleiben wir bei der DSEE den drei strategischen Themen des letzten Jahres treu. Wir wollen Unterstützungsprogramme zur Strukturstärkung auf dem Land, Nachwuchsgewinnung und natürlich Digitalisierung und Innovation auf den Weg bringen.

Holze: Zudem wollen wir dazu beitragen, dass nach Corona das Engagement gerade für Kinder, Jugendliche und Familien neuen Schwung bekommt. Allein für diesen Zweck wird die Stiftung 30 Millionen Euro in den Jahren 2021 und 2022 zur Verfügung stellen.

BMCO: Wie stellt die Stiftung sicher, dass möglichst viele der Facetten und Netzwerke von Engagement und Ehrenamt in die Stiftungsarbeit eingebunden sind, etwa im zweitgrößten Engagement-Bereich „Kultur und Musik“?

Holze: Seit unserem Start im Juli 2020 suchen wir aktiv den Kontakt zu Vereinen, Verbänden und Netzwerken des bürgerschaftlichen Engagements und Ehrenamts in ganz Deutschland. Wir wollen unsere Angebote am tatsächlichen Bedarf orientiert entwickeln, damit unsere Angebote dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Dafür ist uns der Austausch mit allen Zielgruppen sehr wichtig.

Peranic: Das Ohr an der Basis zu haben ist wichtig, aber wir nutzen natürlich auch das Wissen unseres Stiftungsrates und unserer drei Fachbeiräte. Hier versammelt sich eine Menge Expertise zu den unterschiedlichen Strukturen des bürgerschaftlichen Engagements – auch zu Kultur und Musik. Deshalb freuen wir uns auch sehr, dass wir mit Ihnen, lieber Lorenz Overbeck, einen so versierten Kenner der Szene für die Stiftung gewinnen konnten.

BMCO: Wie kann die Stiftung helfen, die Politik zu beraten, Engagement und Ehrenamt bei zukünftigen Gesetzgebungsverfahren stärker zu entlasten, zum Beispiel beim Transparenzregister?

Holze: Entbürokratisierung, Entlastung, Vereinfachung. Als Stiftung werden und wollen wir in jeder Hinsicht daran mitwirken und darauf drängen, dass Ehrenamtliche von diesen Prinzipien profitieren.

Peranic: Zudem bringen wir Forschung rund um das Ehrenamt auf den Weg. Wir wollen Zusammenhänge, Lücken und Bedarfe der Engagierten besser verstehen. Diese Erkenntnisse stellen wir auch der Politik zur Verfügung.

BMCO: Engagieren Sie sich selbst ehrenamtlich? Und haben Sie schon mal irgendwo gesungen oder ein Instrument gespielt?

Holze: Ich spiele Gitarre und habe im Schulchor gesungen. Bereits seit frühester Jugend habe ich mich im und für den Kinder- und Jugendsport engagiert.

Peranic: In meiner Familie wird viel gesungen, das gehört einfach zu einem glücklichen Leben und aktuell engagiere ich mich vor allem digital, beispielsweise mit Datenspenden.

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