Besondere Besetzung: neunzehn Gesellschafter

Das Ensemble Resonanz – ein junges Ensemble für Hamburg


(nmz) -

Mit erfrischender Selbstverständlichkeit positioniert sich das Ensemble Resonanz auf einem hart umkämpften Markt. Es ist jung und existiert doch schon seit 1994. Jährlich gibt das Streicherensemble rund 30 Konzerte, scheut keine noch so aufwändigen Projekte, spielt gleichermaßen zeitgenössische Musik und Standardrepertoire und behauptet sich neben den „großen Alten“ der Szene wie dem Ensemble Modern oder der Deutschen Kammerphilharmonie. Ab 2002 wird das Ensemble Resonanz seinen Sitz von Frankfurt am Main nach Hamburg verlegen.

Ein Artikel von Kathrin Hauser-Schmolck

Mit erfrischender Selbstverständlichkeit positioniert sich das Ensemble Resonanz auf einem hart umkämpften Markt. Es ist jung und existiert doch schon seit 1994. Jährlich gibt das Streicherensemble rund 30 Konzerte, scheut keine noch so aufwändigen Projekte, spielt gleichermaßen zeitgenössische Musik und Standardrepertoire und behauptet sich neben den „großen Alten“ der Szene wie dem Ensemble Modern oder der Deutschen Kammerphilharmonie. Ab 2002 wird das Ensemble Resonanz seinen Sitz von Frankfurt am Main nach Hamburg verlegen.Das Ensemble Resonanz vertritt eine neue Generation von Musikern. Sie sind in der Lage, „mit derselben Akribie und Natürlichkeit die ältesten und die neuesten Partituren zu interpretieren und neue Aufführungsformen zu entwickeln. Wenn man sie lässt.“, so Roland Kluttig nach gemeinsamen Proben für die Musik-Biennale Berlin. Die Bewunderer und Förderer des Ensembles sind zahlreich. Ob Jens Cording vom Siemens Arts Program oder Musiker wie Rudolf Barshai, Rainer Schmidt vom Hagen Quartett, Roland Kluttig, Carola Bauckholt oder Isabel Mundry – immer wieder werden die spielerischen Qualitäten, der Ensembleklang, die Programmvielfalt und -gestaltung, die Unerschrockenheit, aber auch die Ernsthaftigkeit des Ensembles betont.

Den Spannungsbogen vom Barock bis zur zeitgenössischen Musik zu halten, sich der Spezialisierung auf „nur“ zeitgenössische Musik zu widersetzen, ist beim Ensemble Resonanz Programm. Dahinter steht das Interesse an Begegnung. Trotz des deutlichen Schwerpunkts auf der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts wird mit gleicher Konsequenz Standardrepertoire interpretiert (so ist etwa eine CD mit Bachs Goldbergvariationen in Vorbereitung). Kontraste sollen übergreifende Hörweisen vermitteln. Bewusst will das Ensemble Resonanz diese Repertoirebreite. Es ist ja auch fragwürdig, ob ein reines Streicherensemble Spezialistenensemble sein sollte. Der Ensembleklang kann sich in der Breite anders entwickeln als es nur mit zeitgenössischer Musik möglich ist.

Soweit zum Repertoire. Wie sehen aber die Strukturen dahinter aus, die Finanzen, die Zusammensetzung der Musiker, das Management? Als Rechtsform hat das Ensemble Resonanz eine GmbH gewählt und ist damit eines der ersten, wenn nicht das erste Orchester, das im Handelsregister eingetragen ist. Gesellschafter der GmbH sind die 18 festen Musiker des Ensembles und ein Geschäftsführer. Bei wichtigen Entscheidungen kommen alle Gesellschafter zusammen. Unter den Musikern wurden ein Vorstand, ein Programmausschuss, ein Notenarchiv und andere Gremien gebildet, die mit der Geschäftsführung zusammenarbeiten. Eine GmbH heißt auch, alle Musiker sind selbstständig. Sie sind Unternehmer; sie wollen (und müssen) wirtschaftlich arbeiten. Bisher sind 95 Prozent des Budgets eingespielt, das heißt die Honorare für Konzerte, Rundfunkproduktionen und andere Projekte ernähren das Ensemble. Die Unterstützung durch die Junge Deutsche Philharmonie (aus der das Ensemble Resonanz als Kammerorchester der Jungen Deutschen Philharmonie einmal entstanden ist), der deutschen Ensembleakademie in Frankfurt, projektbezogen durch den Verein „Resonanz“ zur Förderung zeitgenössischer Kultur und durch andere Förderer beträgt kaum fünf Prozent des Budgets. Dass dabei nicht nur wirtschaftliches Projektmanagement, sondern auch viel Mut und Idealismus gefragt ist, muss nicht weiter betont werden.

Ein Ensemble nach Maß verheißt die Homepage des Ensemble Resonanz (www.ensembleresonanz.de). Frei nach dem Bauhausideal „Form Follows Function“ hat sich das Ensemble Resonanz zum Ziel gesetzt: „Besetzung folgt Anspruch“. Das soll heißen, dass das Ensemble in allen denkbaren Besetzungen vom Trio bis zum vollen Streicherklangkörper mit und ohne Dirigenten spielt. Als freie Gruppierung ist es organisatorisch beweglich; es kann und will vielfältige Herausforderungen annehmen. Flexibilität ist da eine der Grundvoraussetzungen. Vom Wunsch nach Vielfalt und Herausforderung zeugen die Projekte, so wie eine vor Jahren vom Siemens Arts Program für das Ensemble Resonanz in Auftrag gegebene Video-Oper „Weather“ des Komponisten Michael Gordon und des Videokünstlers Elliot Caplan. Vom Video zum Internet: Bei der Münchener Biennale wird das Ensemble Resonanz im Mai 2002 die Bühnenversion der Oper „Orpheus Kristall“ uraufführen.
Weitere Höhepunkte im Jahr 2002 sind für das Ensemble Resonanz sicherlich eine Tournee nach Südasien, Konzerte bei den Wittener Tagen für neue Kammermusik, beim Musikfest Hamburg und bei Gerard Mortiers neuer Ruhr-Triennale.

In Hamburg wird das Ensemble Resonanz ab 2002 sein Quartier beziehen. Von dort aus will es seine Aktivitäten organisatorisch und inhaltlich steuern. Ein Kooperationspartner ist die Musikhalle Hamburg, die ab der Spielzeit 2002/2003 eine Konzertreihe in ihrem Kammermusiksaal initiieren hilft. Hilfe dafür kommt auch von der Kulturbehörde der Stadt Hamburg. Und auch eine Zusammenarbeit mit dem Hamburger Musikfest ist im Gespräch. Musikhalle, Kulturbehörde, Musikfest – fast möchte man sagen, es fehlt nur noch der NDR als kontinuierlicher Partner. Vielleicht schafft man das? Und Hamburg? Hamburg profitiert, denn genau solch ein freies Ensemble ist dort bisher nicht angesiedelt. Das Ensemble Resonanz wird in der Hansestadt einen guten Platz finden.

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