Die Kunst der Kunstvermittlung

Kunstuniversität Graz


(nmz) -
Über einen Entwicklungsschwerpunkt an der Kunstuniversität Graz, der dazu einlädt, die Kunst gemeinsam mit dem Publikum neu zu denken.

Zu Beginn dieses Jahres veröffentlichte „Die Zeit“ eine Reportage über freiberuflich arbeitende Musiker*innen. Oft, so der Tenor des Texts, täten sie das nicht freiwillig. Der Beitrag der deutschen Wochenzeitung macht deutlich: Das Thema wird längst nicht mehr nur branchenintern diskutiert. Zuletzt berichtete auch der SWR, dass derzeit nur etwa 20 Prozent der Musikstudierenden auf eine Festanstellung in einem Orchester hoffen könnten. Der Musikbetrieb ist im Wandel begriffen. Und dasselbe gilt für das Publikum. Viele exzellente Musiker*innen, die Jahr für Jahr ihr Studium beenden, sehen sich damit konfrontiert, dass für sie an diesem Punkt eine Reise ins Unbekannte beginnt. Die Frage, die sich Musikuniversitäten und -hochschulen gefallen lassen müssen, lautet: Bereiten sie ihre Studierenden darauf ausreichend vor? An der Kunstuniversität Graz wird als Antwort darauf auch ein Kunstvermittlungs-Schwerpunkt entwickelt, der beide Bereiche einbezieht – die Ausbildung und das Publikum.

„Musikvermittlung ist wichtig, damit man Menschen und Musik auf unterschiedlichste Weise miteinander verbindet. Ich will denen, die ohnehin schon klassische und Neue Musik kennen, neue Zugänge bieten und anderen, die mit dieser Art von Musik wenig zu tun haben, die Scheu nehmen, dass man bei klassischer Musik etwas wissen müsste, um sie genießen zu dürfen. Als Musikvermittlerin kann ich einen Raum schaffen, in dem man Musik einfach anhören und schön oder nicht schön finden kann.“ Bettina Johne studiert Musikologie an der KUG und nimmt auch das reiche Angebot aus dem Bereich Kunstvermittlung in Anspruch. Dieses umfasst unter anderem die Arbeit am künstlerischen Selbstausdruck, Bühnenpräsenztraining, Moderation und Präsentation, Tanz und Bewegung, Kreatives Schreiben, Audiovisuelle Medien und Bildende Künste, Arbeit in unterschiedlichen sozialen Feldern, das Thema „Kunst und Gesellschaft“, Neue Konzertformate, Programmgestaltung und begleitende Texte …

Vor allem aber: viel Praxis! Das umfassende Veranstaltungsprogramm der KUG, dessen Höhepunkte in drei große Abonnements gegliedert sind, bietet einzigartige Möglichkeiten, mit dem Publikum in Dialog zu treten. Und das auf ganz unterschiedliche Weise. So wurde für die Konzerte im traditionsreichen Stefaniensaal ein „Prolog im Saal“ etabliert, bei dem Lehrende und Studierende Einführungen und Künstler*inneninterviews gestalten. Im abo@MUMUTH, das auf besonders innovative Formate fokussiert, kommt das Einführungsprogramm einen Dreh schräger daher. Da kann es schon passieren, dass sich das Publikum im Gruppentanz übt oder vor einem moderierten Konzert mit Musik von Clara Schumann und Galina Ustwolskaja an einem Komponistinnen-Quiz teilnimmt …

Ganz der Vermittlungsidee gewidmet ist das Abo für junges Publikum, in dessen Rahmen Studierende letztlich die Fans von morgen prägen. In inszenierten Konzerten werden Musikinstrumente porträtiert, wird alte wie neue Musik als Reise durch faszinierende Klanglandschaften für Kinder und ihre Erwachsenen erlebbar gemacht. In der aktuellen Saison geht dieses Programm auch auf Abstecher – und zwar in die Schule. „Musikvermittlung schafft eine Atmosphäre für direkte Begegnungen zwischen Musiker*innen und Publikum. Näher als in einer Schulklasse geht das nicht: Deshalb bereiten unsere Studierenden, die ein Konzert für Kinder künstlerisch planen, ab heuer auch einen Workshop in einer Schulklasse vor: Da wird getanzt, musiziert, gerätselt und gelauscht. Und die Studierenden erhalten unmittelbar Feedback zu ihrer Arbeit – von den Kindern ebenso wie von den Lehrenden der Schule.“

Constanze Wimmer ist neue Universitätsprofessorin für Kunstvermittlung an der KUG. Mit ihrem Team treibt sie die Integration des Vermittlungsgedankens in Kunst, Lehre und Forschung voran, lädt dazu ein, die Beziehung zwischen Künstler*innen und Publikum in den Fokus zu rücken und Kunst wie Künstler*in-Sein neu zu denken. Ganz selbstverständlich hat dieser Anspruch daher auch im renommierten KUG-Kammermusikwettbewerb Franz Schubert und die Musik der Moderne Einzug gehalten. Am 13. Dezember 2019 sind im abo@MUMUTH mit dem Gildas Quartet die Preisträger*innen der Sparte Musikvermittlung zu erleben. In ihrem Programm „Surround Sound“ laden sie dazu ein, mit Musik von Purcell, Britten und Janácek akustisches Neuland zu betreten.  

www.kug.ac.at

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