Ein bewährtes Format neu aufgelegt

Die Musikakademie Rheinsberg vergibt in doppelter Tradition den Titel „Rheinsberger Hofkapelle“


(nmz) -
In diesem Jahr schreibt die Musikakademie Rheinsberg den Titel „Rheinsberger Hofkapelle 2019/2020“ und das damit verbundene Förderprogramm erstmals öffentlich aus. Die Vergabe des Titels ist verbunden mit einem Förderprogramm für junge Ensembles im Bereich der Alten Musik. Die Musikakademie – gelegen in den historischen Gemäuern des Kavalierhauses von Schloss Rheinsberg – ist dabei kreativer Rückzugsort und Konzertort zugleich.
Ein Artikel von Felix Görg, Katja Zakrzewski

Als Kronprinz Friedrich 1736 nach Rheinsberg zog, gründete er dort seinen ersten Hofstaat – selbstverständlich mit eigener Hofkapelle. Zu Mitgliedern der Hofkapelle berief er eine Gruppe junger Musiker: dazu gehörten unter anderem die Gebrüder Graun, Franz Benda und der berühmte Flötenlehrer Friedrichs Johann Joachim Quantz. Die Musiker der Rheinsberger Hofkapelle galten als die „geschicktesten Tonkünstler“. Sie waren innovativ und experimentierfreudig, kaum einer von ihnen war älter als 30 Jahre.

Aus dieser Tradition heraus vergibt die Musikakademie Rheinsberg seit dem Jahr 2000 den Titel „Rheinsberger Hofkapelle“ an junge Ensembles, die sich den Ideen der historischen Aufführungspraxis verschrieben haben: Sie musizieren auf historischen Musikinstrumenten oder deren Nachbauten und beschäftigen sich mit der Interpretation von Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Die jungen Musiker-/innen kennen sich in den Besonderheiten des Instrumentenbaus, den entsprechenden Spieltechniken und his-torischen Stimmungen aus.

Die Vergabe des Titels „Rheinsberger Hofkapelle“ ist verbunden mit einem Förderprogramm. Die Ensembles kommen für vier Arbeitsphasen nach Rheinsberg und werden dort mit einem auf sie zugeschnittenen Programm unterstützt. Das Ensemble wird in die vielfältigen Konzert- und Ausbildungsaktivitäten der Musikakademie Rheinsberg integriert: Konzerte im historischen Schloss Rheinsberg, Educationprogramme für die Region und Möglichkeiten des konzentrierten Rückzugs zum kreativen Arbeiten. Ziel der Förderung ist die Unterstützung der künstlerischen und konzeptionellen Weiterentwicklung des Ensembles. Thematisch ist der lebendige Umgang mit dem musikalischen Erbe der historischen Rheinsberger Hofkapelle ein wichtiger Teil der Arbeitsphasen am Ort des historischen Geschehens. Es geht dabei nicht nur um das Bewahren der Alten Musik, sondern um die Belebung, Förderung und Vernetzung musikalischer Arbeit zwischen Kunst und Wissenschaft, zwischen Forschung und ästhetischer Realisation.

In diesem Jahr wird die Rheinsberger Hofkapelle erstmalig in einer öffentlichen Ausschreibung europaweit gesucht. Bis Ende März konnten sich interessierte Ensembles bewerben. Nach einer Vorauswahl werden drei Ensembles eingeladen, sich in einem öffentlichen Konzert am 1. Mai 2019 im Schlosstheater Rheinsberg mit einem 15- bis 20-minütigen Programm mit Musik des 18. Jahrhunderts zu präsentieren. Auf Grundlage von künstlerischer und konzeptioneller Qualität wählt eine von der Musikakademie Rheinsberg eingesetzte Jury die „Rheinsberger Hofkapelle 2019/2020“ aus. Beginn des Förderprogramms ist im Herbst 2019.

Dies alles folgt der Idee des Kronprinzen Friedrich: jungen Musikern eine Chance zu geben, mit ihnen gemeinsam zu arbeiten, von ihnen zu lernen und mit ihnen etwas Neues aufzubauen. Das neue künstlerische Leitungsteam der Musikakademie Rheinsberg – künstlerischer Direktor Prof. Georg Quander und Akademieleiter Felix Görg – greift diese alten und jungen Traditionen Rheinsbergs auf und möchte die Akademie als Ort des Austausches, des Nachdenkens und des kreativen Schaffens stärken. So soll die Vergabe des Titels „Rheinsberger Hofkapelle“ auch in Zukunft Qualitätssiegel und Ansporn zur weiteren Entwicklung sein.

Die lange Reihe bisheriger Hofkapellen und ihrer Mitglieder spricht dafür: 1736–1740: Historische Rheinsberger Hofkapelle mit Johann Joachim Quantz, Carl Heinrich Graun, Johann Gottlieb Graun, Franz Benda, Christoph Schaffrath, Georg Czarth, Ernst Gottlieb Baron, Johann Gottlieb Janitsch und einigen mehr 2000: „Il fiocco“ (Bremen), 2001: „barock a.c.c.u.u.t.“ (Leipzig), 2002: „Der vergessene Prinz“ (Berlin), 2003: „Stella Maris“ (Weimar), 2004: „Gold&Gebein“ (Berlin), 2005: „Die Musicalische Versammlung“ (Potsdam/Michaelstein), 2006: „Ambrosia Quartett“ (Berlin), 2007: „La Cavaletta“ (Leipzig), 2008/09: „Die Ausatmer“ (Potsdam), 2010: „Ensemble DIDEROT“ (Paris, London), 2011: „La Prosperina“ (Potsdam, Berlin), 2012: „Dianthus Ensemble“ (Berlin), 2013: „I Zefirelli“ (Potsdam), 2014: „nexus baroque“ (Berlin), 2015: „Camerata Bachiensis“ (Leipzig), 2016: „Armida Quartett“ (Berlin), 2017: „astrophil & stella“ (Basel) und 2018: „Ludus Instrumentalis“ (Russland, Berlin).

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