Es bleibt jung und wandelt sich

Das Bundesjugendorchester zu Besuch in Japan


(nmz) -

Die diesjährige Sommertournee des Bundesjugendorchesters führte 102 junge Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Gerd Albrecht nach Japan. Im Rahmen des „Deutschen Jahres in Japan” hat das Auswärtige Amt und das Goethe Institut diese Konzertreise ermöglicht. Im Vorfeld hatte das Orchester bereits acht Tage in Südtirol geprobt und Konzerte in Deutschland und Italien gegeben.

Ein Artikel von Marion Gut

Sie kommen aus allen Ecken Deutschlands – die Mitglieder des Bundesjugendorchesters. Die Musik ist ihr großes Hobby und die meisten sind Preisträger des Bundeswettbewerbes „Jugend musiziert“. Eigentlich gehen sie aber noch zur Schule. Drei Mal im Jahr treffen sie sich zu Arbeitsphasen und verzichten dafür auf Ferien und Freizeit. Denn dabei sein lohnt sich, und fast jeder, der es einmal miterlebt hat, ist infiziert vom „BJO-Fieber”.

In diesem Sommer hieß die erste Station des knapp vierwöchigen „Marathons” Toblach in Südtirol. Hier verlebte Gustav Mahler vor knapp hundert Jahren die Sommermonate seiner letzten Lebensjahre. Heute erinnern dort nur noch sein Komponierhäuschen und die Gustav Mahler Musikwochen, deren Gast das Bundesjugendorchester in diesem Sommer ist, an den großen Komponisten. Mahlers 1. Sinfonie, Karl Amadeus Hartmanns 1. Sinfonie, die Egmont-Ouvertüre von Ludwig van Beethoven und eine Uraufführung des Leipziger Komponisten Bernd Franke stehen auf dem Programm.

In den ersten Tagen bleiben die einzelnen Instrumentengruppen in den Proben noch unter sich. Zehn Dozenten – allesamt renommierte Hochschullehrer oder Orchestermusiker – bemühen sich in diesen Proben um einen soliden Grundstein für die anschließende Probenarbeit im Gesamtorchester, im Tutti. Henrik Vestmann, Assistent des Dirigenten Gerd Albrecht und Stipendiat des Dirigentenforums des Deutschen Musikrates fügt auf dieser Arbeitsphase die einzelnen Elemente zusammen, schmiedet am Gesamtklang und bereitet das Orchester für Albrecht vor. Und Albrecht ist nach seiner ersten Probe begeistert. Das Bundesjugendorchester ist ihm das liebste Orchester, wie er nicht müde wird zu formulieren. Nicht zuletzt prägte er den Begriff von „Deutschlands jüngstem Spitzenorchester”. Und auch die Solistin Yvi Jänicke, langjährige Solistin der Hamburger Staatsoper, freut sich: „Wenn ich euch und eure Professionalität höre, dann finde ich es unvorstellbar, dass ihr nicht mindestens schon zehn Jahre Berufserfahrung habt”.

Das erste Konzert findet zur Eröffnung der 25. Gustav Mahler Musikwochen in Toblach statt. Weitere Konzerte bei den Europäischen Wochen in Passau und in der neuen Philharmonie Essen folgen. Das Publikum ist stets begeistert. Passau feiert das Konzert mit „Standing Ovations” und als Meilenstein in der Festivalgeschichte.

Doch in diesem Jahr steht noch etwas Besonderes an. Die Tournee führt das Orchester nicht nur nach Italien und durch Deutschland, sondern erstmals auch nach Asien. Elf Stunden Flug nach Japan sind zu überstehen, bevor das Orchester für zwei Tage von dortigen Gastfamilien aufgenommen wird. Eine außergewöhnliche Möglichkeit, wenn man weiß wie selten die Japaner Fremden Einblick in ihr Familienleben gewähren. Mit wenigen Ausnahmen sind nach den zwei Tagen alle Musiker begeistert. Sie haben mit ihren Familien Sushi gegessen, auf Reisstrohmatten geschlafen, sich mit Händen und Füßen verständigt und so einen Einblick in die japanische Lebensweise erhalten.

Doch die folgenden Tage werden anstrengend. Jeden Abend gibt das Bundesjugendorchester ein Konzert – und immer an einem anderen Ort.

In Anjyo spielen die jungen Musiker in einem Freundschaftskonzert gemeinsam mit einem japanischen Highschool-Orchester Beethovens Egmont-Ouvertüre. Konzerte in Hamamatsu und Gifu mit dem regulären Programm folgen. Das japanische Publikum ist begeistert – von dem jugendlichen Engagement der Musiker genauso wie von dem blonden Haarschopf mancher Bassisten…

Das Abschlusskonzert in Tokyo ist ausverkauft. Nach einer dreistündigen Fahrt durch diese riesige Stadt, die keinen Anfang und kein Ende zu haben scheint, ist es so weit. Die Arbeitsphase nähert sich ihrem Ende. Ein letztes Mal Mahlers 1. Sinfonie spielen. Ein letztes Mal in dieser Besetzung auftreten. Ein letztes Mal Yvi Jänicke bei ihrem wunderschön gestalteten Solopart in Hartmanns 1. Sinfonie zuhören. Für viele ist es zudem auch das endgültig letzte Mal im Bundesjugendorchester. Doch das gehört dazu. Die einen scheiden aus, andere kommen neu dazu. „Das” Bundesjugendorchester gibt es nicht. Es bleibt jung und wandelt sich – mit jeder Arbeitsphase neu. Und vermutlich ist es auch das, was den besonderen Zauber ausmacht, der Japaner und Deutsche in gleichem Maße berührt.

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