Fantasie, Tanz und Improvisation – reichhaltige Mischung interessanter Werke

Instrumentalsolisten und Lehrer der Bezirksgruppe offerierten reichhaltig bekanntere und weniger bekannte, ältere und neuere Werke


(nmz) -
Unter dem Titel „Fantasie, Tanz und Improvisationen“ erklang Anfang März 2015 in der Aula des Alten Gymnasiums Oldenburg eine reichhaltige Mischung von bekannteren und weniger bekannten, älteren und neueren Werken. Acht Instrumentalsolisten und Lehrer des DTKV-Landesverbandes Niedersachsen, Bezirksgruppe Nordwest, offerierten in einem freien Konzert weit Auseinanderliegendes mit manchmal offensichtlichen, manchmal auch nur subkutanen Bezügen zueinander.
Ein Artikel von Andreas Rudolf Schweiberer

Die Sarabande aus Johann Sebastian Bachs Partita d-moll BWV 1004 spielte Guido Eva auf der Geige als kleines Drama des Auseinanderstrebens von Diesseits und Jenseits, Leben und Tod ebenso innig wie schwermütig. Der einkomponierte Abschied erhielt durch die zurückgenommene, introvertierte Wiedergabe seine besondere Beglaubigung. Im ersten Teil des Konzertes waren von Guido Eva zwei Teile aus Christoph J. Kellers „Partita für Violine“ zu hören, von denen vor allem die Sarabande – obzwar ohne thematischen Bezug – so doch durch Gestus, Ausziehrungen, dem Charakter der Dissonanz und der manchmal auftretenden Dreistimmigkeit bewußte, aber eben nicht vordergründige Verweise auf Bachs Werk enthielt.

Das Konzert begann mit dem Andante con moto für Cello und Klavier aus den „Liedern ohne Worte“ von Felix Mendelssohn. Nagako Kato gelang mit schwärmerischem Celloton so etwas wie eine Frühlingsbeschwörung. Der liedhafte Ausdruck und der sehr präsente Erzählton des Klaviers (Christian Hoting) ließen eine kleine Geschichte vor dem geistigen Auge entstehen. Dieses erzählende Moment gab so etwas wie den roten Faden des anregenden, knapp zweistündigen Konzertes ab.

Nach dem Bekenntnis von Jenö Takács (1902–2005) verlangt jedes einzelne Werk seine je spezifische Technik. Seine „Improvisationen nach Vogelstimmen“ lassen deshalb auch keine unisono traurigen Vögel wie die vorher gehörten „Oiseaux tristes“ aus den „Miroirs“ von Maurice Ravel singen, sondern jeweils spezifische Vogelstimmen in je eigener Umgebung. Die Individualität der Vögel in Interaktion mit dem angestammten Lebensraum gibt der Komponist durch unterschiedliche Musikstile wieder, die von Irmgart Asimont an der Querflöte und Alla Silber am Klavier in ausdrucksvollem Spiel getroffen wurden. Aufs Ganze gesehen klang das wie ein akustisches Tagebuch aus den Begebenheiten der Vogelwelt.

Als Symbol der Kunst und der Reinheit wird der weiße Schwan bei Camille Saint-Saëns im „Karneval der Tiere“ eingeführt. Das wundervoll singende Spiel von Nagako Kato (Cello) und die atmosphärisch dichte Begleitung von Christian Hoting (Klavier) ließen entsprechende Bilder vor dem geistigen Auge entstehen. Ganz anders die Szenerie beim nachfolgenden „Gesang des schwarzen Schwans“ von Heitor Villa- Lobos. Hier ist der singende schwarze Schwan nach einem Schiffsuntergang das Symbol der Vergeblichkeit, des Scheiterns, des Todes, aber eben auch der Kunst. Die harmonisch angereicherte Tonsprache ist melancholisch getönt, die flirrende Begleitung wirkt unruhig und unbeständig, so, wie die Wasser des Lebens. Die Kunst singt uns nicht mehr Trost und Versöhnung, sie singt Wahrheit.

Vier Friedhofsbilder auf Grabinschriften aus den „Six epigraphes antiques“ für Klavier für vier Hände (Alla Silber und Claudia Siebecke) von Claude Debussy, darunter das eindringliche „Pour que le nuit soit propice“ (Damit die Nacht gnädig sei) und der „Sternenhimmel“ aus dem „Neuen Jugendalbum“ von Christoph J. Keller vervollständigten den nachdenklich machenden Teil des Konzertes. Dem frühlingsheischenden Eingang der Veranstaltung entsprechend schloß sie mit drei eher heiter-vergnüglichen „Tanzszenen“ von Christoph J. Keller. Der Komponist am Klavier und Norbert Körner am Violoncello gaben dem „Melancholischen Tango“ und vor allem dem „Angetrunkenen Schneemann“ das gewisse Etwas von Ironie und Parodie mit, ließen die Balance kunstvoll nicht ganz stimmig sein, aber vermieden es, sich über den armen Schneemann oder über den abschließenden „Pulcinello“ aus der Commedia dell’arte lustig zu machen. Pulcinello schwankt nicht wie der Schneemann, er ist flott, fahrig, übermütig, übertreibt es auch ein wenig, fällt vom 4/4-Takt in einen 5/8-Takt. Auch er ist, trotz oder gerade wegen seiner Unberechenbarkeit, ein Symbol für die Kunst!

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