Für technisch fortgeschrittene Klavierschüler

Musik für Klavier zu vier Händen von Brahms und Dvorak


(nmz) -
Johannes Brahms: Symphonien Nr.1 und 2, Arrangements für Klavier zu vier Händen +++ Antonín Dvorák: Slawische Tänze op. 72 für Klavier zu vier Händen
Ein Artikel von Klaus Börner

Johannes Brahms: Symphonien Nr.1 und 2, Arrangements für Klavier zu vier Händen. G. Henle, HN 986

Ungewöhnlich ist, bei G. Henle im Verlagsprogramm Arrangements für Sinfonien der Klassik oder Romantik für Klavier vierhändig entdecken zu können.

Dieser Sparte hatte sich der Verleger bewusst von Anfang an enthalten, passte es doch auch nicht unbedingt zu dem Gütesiegel des Verlags mit dem Anspruch auf „Urtext“ als exklusives Publikationsmaterial. Nun erhalten aber die hier vorliegenden zwei Sinfonien von Brahms für Klavier vierhändig in zweierlei Hinsicht eine Urtext-Gewichtung: Zum einen hat Brahms selbst die Fassungen erstellt, zum anderen entstanden sie gleichzeitig mit der Arbeit an den Orchesterpartituren, und somit war der Orchesterklang als Endziel im Ohr.

Im Fall der zweiten Sinfonie ist noch zu ergänzen, dass sie drei Wochen vor der ersten Aufführung mit Orchester in dieser Klavierfassung vierhändig von Brahms mit Ignaz Brüll, einem damals angesehenen Pianisten, in einem Wiener Klaviersalon vorgestellt wurde. So wäre gewissermaßen hier sogar die Uraufführung dieser Sinfonie zu datieren. Die Übertragung der Partitur auf vier Klavierhände erreicht meisterhaft das erforderliche Klangbild mit allen Strukturen und ist mit hohem Anspruch an die Spieler verbunden.

Vorschläge zu den Fingersätzen sind von Andreas Groethuysen, der wie bekannt auf professioneller Ebene und künstlerisch im Klavier-Duo mit Frau Yaara Tal große Spielerfahrungen aufzuweisen hat.

Antonín Dvorák: Slawische Tänze op. 72 für Klavier zu vier Händen, G. Henle, HN 918

Walzer op. 39 und Ungarische Tänze von Johannes Brahms gehören seit mehr als einem halben Jahrhundert in Henles Verlagsprogramm. Dvoráks Slawische Tänze in diese Sparte mitaufzunehmen, war überfällig. Opus 46 erschien in 2004, Opus 72 folgte sieben Jahre später. Hier ist einzuräumen, und das bedeutet zugleich Anerkennung gegenüber den bisher im Umlauf befindlichen Ausgaben der Verlage Simrock und Schott, dass auf den Notentext als solchen bezogen keine wesentlichen neuen Erkenntnisse zu vermitteln sind. Klaus Döge führt mit einem ausführlichen Vorwort in die recht unterhaltsame Vorgeschichte zur Werkentstehung ein. Im Anhang werden nach den eingesehenen Quellen – Autograph, Stichvorlage zur Erstausgabe sowie Orchesterfassung – minimale Textvarianten aufgelistet, die sich eben nicht von grundlegender Bedeutung erweisen. Andreas Groethuysen mit seiner großen Erfahrung im Künstlerisch-Praktischen hat Fingersätze beigesteuert.
Spieler müssen in der Technik fortgeschritten sein.

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