Geburtshelfer zeitgenössischen Musiktheaters

Die Kammeroper Schloss Rheinsberg im Sommer 2004


(nmz) -

Seit der Gründung durch den Berliner Komponisten Professor Siegfried Matthus im Jahr 1990 leistet die Kammeroper Schloss Rheinsberg einen wichtigen Beitrag für das Genre Oper. Über 350 internationale junge Sänger und Sängerinnen konnten in 34 bisherigen Opernproduktionen unter fachkundiger Anleitung Partien erarbeiten und im Ensemble auf der Bühne vor großem Publikum – jeden Sommer zählt man etwa 20.000 Besucher – präsentieren.

Ein Artikel von Susanne Geißler

Für die Wettbewerbssieger vergibt die Jury keine Preisgelder, sondern die Übernahme der ausgeschriebenen Partien in den Rheinsberger Aufführungen. Der Wettbewerb findet jährlich im Februar statt. Namhafte und erfahrene Dirigenten, Regisseure und Gesangspädagogen erarbeiten mit dem Sängernachwuchs während der vierwöchigen Proben die Partien der ausgewählten Opern. Das geschieht unter professionellen Bedingungen in einer pädagogisch orientierten, von Terminzwängen freien Atmosphäre. Gerade darum besitzt das Rheinsberger Opernfestival nicht nur ein großes internationales Renommee, sondern kann auch beachtliche Erfolge aufweisen. So trifft man mittlerweile in fast allen deutschen Musiktheatern, an der New Yorker Met, in Athen, Stockholm oder Sydney auf „Rheinsberger“ Sänger.

Seit 2001 wird in Rheinsberg auch eine Opernwerkstatt öffentlich ausgeschrieben. Da das Komponieren von Opern nirgendwo gelehrt wird, junge Autoren aber Praxisbezug brauchen, um sich die speziellen Kenntnisse des Komponierens für das Musiktheater anzueignen, macht Rheinsberg damit ein einzigartiges Lehr- und Lernangebot. Neben der Vermittlung des praktischen Know-how durch erfahrene Komponisten, Liberettisten, Musiktheaterdramaturgen und Musikkritiker will die Opernwerkstatt „Geburtshelfer“ sein. Neue Musiktheaterwerke, die die Bedürfnisse und Anliegen unserer Zeit widerspiegeln, sollen das Licht der Welt erblicken. Darüber hinaus sollen die neuen Opern in Auszügen aufgeführt und so den internationalen Opernhäusern schmackhaft gemacht und ans Herz gelegt werden.

In diesem Jahr haben 530 Sänger und Sängerinnen – so viel wie noch nie – am internationalen Gesangswettbewerb in Rheinsberg teilgenommen. Der Wettbewerb fand an zwei Orten, in Berlin und Budapest, statt. 40 Preisträger sind ermittelt, die in den Opernaufführungen, der Operngala und den Konzerten zu hören sein werden. Das Festival findet vom 26. Juni bis zum 14. August statt. 28 Aufführungen und Konzerte sind geplant. Im Schlosshof gibt es die konzertante Aufführung von Gaetano Donizettis „Lucia di Lammermoor“ und dreimal die Operngala. Im Schlosstheater inszeniert der langjährige Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, Harry Kupfer, Georg Friedrich Händels äußerst selten gespielte Oper „Otto und Teofane“. Ebenfalls im Schlosstheater werden ein Peter-Hacks-Abend, die Konzerte und die Uraufführung der Opernszenen junger Komponisten stattfinden.

Schlussendlich redet man immer vom Geld. 2004 ist für das Festival Rheinsberg finanziell ein besonders schwieriges Jahr. Zwei wesentliche Sponsoren haben ihre Unterstützung eingestellt, die öffentlichen Gelder aus dem Landkreis sind vorerst nur unverbindlich zugesagt. Da die Kosten für die Unterbringung und Verpflegung der zahlreich angereisten Künstler jedoch spürbar gestiegen sind, hat sich die Festivalleitung bei den Eintrittskarten erstmals für ein differenziertes Preissystem entschieden: unter der Woche sind die Preise niedriger als den an begehrten Wochenenden. Die Veranstalter rechnen mit dem Verständnis der Besucher für diese notwendige Neuerung und hoffen, ebenso viele Musikliebhaber in Rheinsberg begrüßen zu können wie bisher.

Hier, wo König Friedrich II. als Kronprinz die „glücklichsten Jahre seines Lebens“ verbrachte, hat er für kurze Zeit seinen Traum von einem Musenhof verwirklicht. In dem von seinem Freund Knobelsdorff umgebauten Schloss umgab er sich mit Künstlern und Philosophen, diskutierte, musizierte und dichtete, noch unbelastet von den Sorgen der Staatsführung. Er vollendete die Parkanlagen, ließ das Heckentheater und das Schlosstheater bauen und hinterließ damit ein Pfund, mit dem das Rheinberger Festival wuchern kann.

Tags in diesem Artikel

Das könnte Sie auch interessieren: