Generationenabriss?

Kommentar von Jonathan Boese


(nmz) -
Man sagt, das Radio sei tot, besonders für junge Menschen und erst Recht das Klassik-Radio. Das stimmt – zumindest fast. Ich bin 18 Jahre alt und höre und mag klassische Musik. Und mit mir 15 Prozent aller 20- bis 29-Jährigen, sagt die Hamburger Media School. Ich höre in meinem Alltag regelmäßig klassische Musik, aber nie im Radio. Diese linear vorgeschriebene Musikauswahl engt mich ein. Ich möchte selbst bestimmen können, wann ich welches Stück höre.
Ein Artikel von Jonathan Boese

Das ist mir heute technisch möglich: Ich streame bei Spotify, downloade bei iTunes oder schaue auf YouTube. Trotzdem ist mir das Radio wichtig, oder eher die Menschen hinter dem Radio, die Redaktionen. Gerade klassische Musik braucht Hintergrundinformationen zum Werk und zum Komponisten, braucht Interviews mit spannenden Künstlern, braucht Rezensionen und Empfehlungen, Tipps und Berichte. Wenn ich selbst bestimme, welche Musik ich höre, dann brauche ich jemanden, der mir immer neue Anregungen gibt. Ich brauche also eine Musik-Magazinsendung.

BR-Klassik produziert eine solche Sendung: U21, für ein junges Publikum wie mich, gibt es einmal pro Woche im Radio, einmal pro Monat im Fernsehen und immer online. Die Sendung soll jungen Künstlern ein Forum für ihre Musik geben. Gerne sind sie live im Studio und musizieren vor Ort zwischen den Gesprächen mit der etwas zaghaften Moderatorin Annekatrin Schnur. Ihre Musik ist genreübergreifend: Ich höre ja auch nicht nur klassische Musik, sondern die vielfältigen Musikrichtungen meiner Generation: HipHop, Electro, Techno, vielleicht auch Jazz. Die Stilrichtungen werden von den Künstlern verwoben, vernetzt. Natürlich sind auch größere Namen der Szene zu Gast, um in Interviews ihre Arbeit zu erklären.

Das ist spannend, erfrischend und informativ und damit genau die Sendung, die ich seit mindestens fünf Jahren gesucht habe. Hätte ich mal früher beim BR geschaut: U21 sendet schon seit einigen Jahren. Allerdings bleibt gerade von den Interviews, die als „Verhör“ durchaus witzig sind, häufig nur Belangloses zurück. Allgemein fehlt es etwas an Qualität. U21 ist nicht nur über und für junge Menschen, es wird auch von relativ jungen Menschen gemacht. Prinzipiell ist das toll, aber eben nicht, wenn es dadurch in Teilen unprofessionell wirkt.

Sendungen wie U21 sind wichtig für mich und den nicht gerade kleinen klassikbegeisterten Teil meiner Generation und es ist schade, dass sowas außerhalb von Bayern nur schwer zu finden ist. Die Oma Radio mag momentan vielleicht sterben, ihr Enkel U21 ist aber jung und lebendig. Auf dass er viele Cousins und Cousinen bekommt!

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