Höhenflüge – „nur“ für Musikschüler?

Komponieren für die Musikschule – Nachlese vom Musikschulkongress


(nmz) -

„Wer schreibt uns neue Kinderszenen?“ – diese Frage provozierend auf dem Musikschulkongress 1999 in München gestellt, wurde von der Musikschule „Johann Sebastian Bach“ Leipzig aufgegriffen, und man fand dazu als Partner die Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig. Kompositionsstudenten wurden beauftragt, Kammermusik für Musikschüler zu komponieren. Kammermusik besonders für die Leistungsbereiche um M I und U II, wo im Verlagsangebot eine besonders spürbare Lücke besteht.

Ein Artikel von Friedrich Reichel

„Wer schreibt uns neue Kinderszenen?“ – diese Frage provozierend auf dem Musikschulkongress 1999 in München gestellt, wurde von der Musikschule „Johann Sebastian Bach“ Leipzig aufgegriffen, und man fand dazu als Partner die Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig. Kompositionsstudenten wurden beauftragt, Kammermusik für Musikschüler zu komponieren. Kammermusik besonders für die Leistungsbereiche um M I und U II, wo im Verlagsangebot eine besonders spürbare Lücke besteht.Die Studenten mussten für diese Aufgabe speziell ermuntert und begeistert werden, denn diesen neuen Werken wurde ein enger Rahmen gesetzt: Die Musik sollte von den technischen Anforderungen her als auch vom geistigen Anspruch für Musikschüler spiel- und erfassbar sein. Mancher kompositorische Höhenflug war dadurch jäh gestoppt. Sechs Studenten der Hochschule interessierten sich für das Projekt und begannen, an neuen Kompositionen zu arbeiten, begleitet von ihren Professoren. Die Einstudierungen wurden in enger Zusammenarbeit zwischen den jungen Komponisten und den Musikschülern sowie deren Lehrern realisiert.

Nur zwei Werke konnten schließlich vorgestellt werden. Krankheit von Spielern, aber auch sehr kurzfristige „notwendige“ Änderungen seitens der Komponisten waren die Gründe dafür. Den Kongressteilnehmern wurden vorgestellt: „Zwei Herbstlieder“ von Eugene Shin, gespielt von Almuth Klein (Flöte), Felix Müller (Violoncello) und Cornelia Steinert (Klavier), und der 1. Satz aus „Die Nacht vor dem Orakel“ von Aristides Strongylis, interpretiert von Julia Franke (Harfe) und Marcus Gläßer (Klarinette). Während Shin koreanische Folklore als Grundlage für seine Komposition nahm, legte Strongylis dem Stück eine Geschichte zu Grunde, beides Wege, um den Zugang zu ihrer Musik verständlicher zu gestalten.

In beiden Werken gelang der Spagat zwischen einer klassisch modernen Tonsprache und experimentellen Elementen. Sie waren handwerklich streng gearbeitet, enthielten aber genügend spielerische Momente, die sie für Interpreten wie Zuhörer gleichermaßen interessant machten. Die sehr gelungenen Aufführungen zeugten von der intensiven Arbeit der Schüler/-innen, die es sehr zu schätzen wussten, dass ihre Probenarbeit von den Komponisten begleitet wurde.

Diesem Vorgehen verdanken sie ein tieferes Verständnis moderner Musik und würden gerne so auch weiter arbeiten. Für die Komponisten andererseits war es besonders die Erfahrung, eine eng umrissene Aufgabe verantwortungsvoll mit höchstem Anspruch zu erfüllen und dabei „nur“ für Kinder und Jugendliche zu schreiben. Fazit: Ein Projekt, in dem beide Partner gewannen und das Fortsetzung und auch Nachahmung geradezu herausfordert.

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