Jenseits von behindert und nicht behindert

Das 2. Fürther Integrative Soundfestival begeisterte Musiker und Publikum


(nmz) -
„Das war der schönste Tag in meinem Leben“ – so klingen die Worte der Sängerin der Band „Rur Rock“ aus Heinsberg, die das zweite Fürther Integrative Soundfestival (FIS) in Fürth auf den Punkt genau beschreiben. Unter dem Motto „aufregend anders – gemeinsam genial“ begegneten sich Anfang Mai auf verschiedenen Bühnen der Stadt Fürth die Bands „Just Fun“ aus Bochum, „Blue Dolphins“ aus München, „Together“ aus Hagen, „Living Music Box“ aus Hamburg, „Rur Rock“ aus Heinsberg sowie die Lokalmatadoren „Alberto Manjarres & Band“, das „Fürther Integrative Samba Orchester“ und die Damenkapelle „Die Schicken Swingschnitten“.
Ein Artikel von sl/rw

Die Initiatoren des Festivals um Robert Wagner und Britta Lezius der Musikschule Fürth organisierten ein öffentlichkeitswirksames Miteinander verschiedenster Musiker auf Augenhöhe und mit hohem musikalischen Anspruch. Mit Konzerten, in denen sich Originalität und persönliche Potentiale der einzelnen Musiker über die Musik verbanden, wurde gelebtes Miteinander und gegenseitiger Respekt auch als musikalische Qualität zum Ausdruck gebracht. „Weil die Musik zu leben begann, konnten die Zuschauer das Inspirierende integrativer Bands begreifen“, freut sich Wagner. Clemens Wiedemann, der mit den „Blue Dolphins“ am Soundfestival teilnahm, schildert seine Eindrücke: „Wir haben die Festivaltage sehr genossen, und ich habe als persönliches Highlight ,Living Music Box‘ mitgenommen. Die detaillierte ,Musikmikroskopie‘, die die beiden blinden Musiker betrieben haben, gehört zu dem Feinsten, was ich seit langem gehört habe. Auch der unglaubliche Sänger von ,Together‘, der mit minimalen Dingen den Song klargemacht hat, oder die andere Art integrativer Zusammenarbeit bei ,Rur-Rock‘ haben mich zutiefst beeindruckt.“

Dankbare und begeisterte Reaktionen der Bandauftritte klangen beim Festival aus allen Ecken: „Das Festival hat uns tief berührt, es war unbeschreiblich.“ Zwei Tage lang stand beim FIS der Mensch mit seiner Musik – jenseits der Frage „behindert oder nicht behindert“ – im Zentrum des musikpädagogischen Auftrags öffentlicher Musikschulen.

Zeichen gesetzt

Mit seiner finanziellen und politischen Unterstützung des FIS hat der Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen ein Zeichen in der bayerischen Musiklandschaft gesetzt. „Der Vorstand beschloss einstimmig und aus tie-fer Überzeugung die Mitträgerschaft des Soundfestivals“, betont der Vorsitzende Wolfgang Greth. Öffentlich getragene und geförderte Musikschulen seien dazu da, grundsätzlich allen Menschen ein musikpädagogisches Angebot zu machen, die bereit sind, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für ihr Ziel des Musikausübens einzusetzen.

Die Musikschulen haben deshalb auch die Aufgabe, das integrative Musizieren für Menschen mit Behinderung als selbstverständlichen Teil ihres Unterrichtsangebotes öffentlich zu machen. „Die Leistungsfähigkeit, auch von Menschen mit Behinderung, in der Öffentlichkeit darzustellen, gelang mit dem Fürther Soundfestival beispielgebend“, so Greth. sl/rw

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