Klavierpädagogik als Erlebnis

Elgin Roth präsentierte in München ihr neues Buch


(nmz) -

Am 2. Februar 2002 hatte der Wißner Verlag Augsburg zu einem Klaviermethodischen Forum im Rubinstein-Saal des Steinwayhauses in München eingeladen. Das im November 2001 erschienene Buch „Klavierspiel und Körperbewußtsein“ (siehe auch nmz 12/01–1/02, S. 52) sollte von der Autorin Elgin Roth selbst vorgestellt werden. Ob sie nun von ihren Anfängen als Musikstudentin berichtete – sie konnte erst mit 20 Jahren nach 5-jährigem Kriegseinsatz beginnen –, ob sie von den Irrwegen sprach, die ihr zugemutet wurden – so zum Beispiel ein Spiel mit hochgezogenen Schultern, was Schmerzen zur Folge hatte – ihre Bemerkungen erhellten blitzlichtartig die Situation der Pianisten.

Ein Artikel von Leonore Rabl

Am 2. Februar 2002 hatte der Wißner Verlag Augsburg zu einem Klaviermethodischen Forum im Rubinstein-Saal des Steinwayhauses in München eingeladen. Das im November 2001 erschienene Buch „Klavierspiel und Körperbewußtsein“ (siehe auch nmz 12/01–1/02, S. 52) sollte von der Autorin Elgin Roth selbst vorgestellt werden. Ob sie nun von ihren Anfängen als Musikstudentin berichtete – sie konnte erst mit 20 Jahren nach 5-jährigem Kriegseinsatz beginnen –, ob sie von den Irrwegen sprach, die ihr zugemutet wurden – so zum Beispiel ein Spiel mit hochgezogenen Schultern, was Schmerzen zur Folge hatte – ihre Bemerkungen erhellten blitzlichtartig die Situation der Pianisten.Doch eines unterschied sie damals von den Vielen, die ihr Schicksal teilten: Sie wollte die Ursache der Misere ergründen und beschaffte sich alle klavierpädagogische Literatur, die erreichbar war, so auch die Werke von Elisabeth Caland. Mit Spannung folgte das Publikum den „Schlüsselerlebnissen“, von denen Frau Roth berichtete: Deppe-Caland verhalfen ihr zum aufgerichteten Sitz, Konrad Hansen nahm spontan ihre hochgehaltenen Ellbogen hinunter – dadurch spürte sie zum ersten Mal den direkten Kontakt zu ihrem Rücken. Ein weiteres Erlebnis war auch der „große Klavierton“, den eine Pianistin von ihr hören wollte, nichts als diesen Ton.

Frau Roth zitierte wohltuende Worte vom Spiel, das nach den Worten älterer Meister „gelassen, bequem, deutlich, zusammenhängend, schmeichelnd“ sein sollte, vom Ton, der „aus der Taste herangezogen“ werden soll. Wir hörten Liszts Bemerkung von dem „feinsten Haarpunkt in allen Gelenkartikulationen“ und E. Calands Wort: „Musik und Bewegung ist eins.“
Ebenso wie durch die Sprache überzeugte Frau Roth durch die Demons-tration von Bewegungen, ob sie nun die Spielbewegungen oder den elastischen Sitz betrafen. Und ganz besonders waren es die klingenden Beispiele am Steinway-Flügel, die für sich sprachen. An Werken von Bach, Mozart und Chopin konnte sie den Unterschied zwischen nicht ganz verstandener und klarer Interpretation zeigen.

Nach einer kurzen Pause spielten drei Musikstudentinnen des Richard-Strauss-Konservatoriums Werke von Bach und Chopin. Frau Roth ging auf wenige entscheidende Momente ein, und es war zu hören, wie die Studentinnen verstanden und reagierten. Man begann zu ahnen, wie klaviermethodisches Arbeiten der Frau Prof. Roth aussieht. In der Diskussion wurde bedauert, dass die Methodik des Klavierspiels sich häufig auf wenige Namen beschränkt und dass isolierende Techniken so viel Raum einnehmen, während die großen Werke der Klavierpädagogik nicht mehr zugänglich sind.

„Klavierspiel und Körperbewusstsein – in einer Auswahl historischer klaviermethodischer Zitate“. Zusammenstellung, Erläuterungen, kritische Stellungsnahme von Elgin Roth. Wißner Verlag Augsburg, 400 Seiten, 25,- € (ISBN 3-89639-276-X)

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