Leuchtend und üppig

Skandinavische Chorwerke von Stenhammar, Wikander, Alfvén, Jersild, Sandström, Werle, Nystedt; Kammerchor Accentus, Eric Ericson assai CD 207182


(nmz) -


Kaum ein Interpret hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so nachhaltig und erfolgreich für die Verbreitung der nordischen Chormusik eingesetzt wie Eric Ericson. Dass diese Kompositionen mittlerweile zum festen Bestandteil des europäischen Repertoires gehören, zeigt unter anderem auch die vorliegende CD des Labels assai. Unter Leitung des 82-jährigen Altmeisters widmet sich hier der französische (!) Kammerchor „Accentus“ einer Auswahl von skandinavischen Werken.

Ein Artikel von Marcus Stäbler

Kaum ein Interpret hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so nachhaltig und erfolgreich für die Verbreitung der nordischen Chormusik eingesetzt wie Eric Ericson. Dass diese Kompositionen mittlerweile zum festen Bestandteil des europäischen Repertoires gehören, zeigt unter anderem auch die vorliegende CD des Labels assai. Unter Leitung des 82-jährigen Altmeisters widmet sich hier der französische (!) Kammerchor „Accentus“ einer Auswahl von skandinavischen Werken.Als charakteristische Gemeinsamkeit fast aller eingespielten Kompositionen kann dabei die Verwendung von naturbetrachtenden Textvorlagen gelten. Aus musikalischer Sicht lassen sich indes im Groben zwei unterschiedliche stilistische Richtungen beschreiben. Die Werke von Stenhammar, Wikander und Alfvén etwa kombinieren häufig volksliedhaft-schlichte Melodiebildungen mit einer (post-) romantischen harmonischen Sprache und finden so zu einem ganz eigenen, anrührend melancholischen Tonfall. Jan Sandströms „Två Körpoem“ und Lars Johann Werles „Canzone 126 di Petrarca“ hingegen sind überwiegend von der Arbeit mit Cluster-Flächen geprägt, die gelegentlich durch deklamierende Sprech-Passagen unterbrochen werden.

Das vor zehn Jahren von der Ericson-Schülerin Laurence Equilbey gegründete Ensemble „Accentus“ erweist sich durchweg als hervorragendes Instrument zur Realisierung der anspruchsvollen Partituren. Seinen homogenen und differenzierten Chorklang weiß der Dirigent in den mitunter üppigen Akkordballungen zu Momenten von leuchtender Strahlkraft aufzufächern. Die sehr klare (fast einen Tick zu trockene) Raumakustik lässt alle Stimmen präsent erscheinen und begünstigt ein gutes Textverständnis der erstaunlich idiomatisch artikulierenden Sänger/-innen.

Einziger Nachteil dieser CD ist ihre äußerst magere Laufzeit von knapp 50 Minuten. Mit Werken etwa von Lidholm und Hillborg – die Ericson teilweise selbst uraufgeführt hat – hätte man nicht nur die Spieldauer aufgefüllt, sondern auch das Bild der skandinavischen Chormusik um diejenigen avanciert-experimentellen Aspekte vervollständigt, die hier weitgehend ausgespart bleiben.

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