Mehr Musikschule für Eritrea

Über das Engagement der Leo-Borchard-Musikschule


(nmz) -
Beim Schlendern durch den Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf hat man manchmal den Eindruck, aus jedem zweiten Haus ein Instrument klingen zu hören. Es ist sicher auch der langen musikalischen Tradition dieses Bezirkes geschuldet, dass an der hier ansässigen kommunalen Musikschule über 7.500 Schülerinnen und Schüler ein Instrument lernen, singen oder in einem Ensemble musizieren.
Ein Artikel von Anabel Heger, Verena Schimpf

Seit nunmehr 30 Jahren trägt die Musikschule den Namen des Dirigenten und Widerstandskämpfers Leo Borchard. Bereits kurz nach dem 2. Weltkrieg im Jahr 1946 durch Thilo Cornelissen gegründet, fusionierte die Musikschule Steglitz Ende der 1990er-Jahre unter der Leitung von Joachim Gleich mit der Musikschule Zehlendorf. In den knapp 30 Jahren seiner Amtszeit entwickelte sie sich zu einer der größten Musikschulen Deutschlands und bietet heute ein qualitativ hochwertiges und breites Spektrum an Instrumental- und Ensembleunterricht sowie Ergänzungsfächern. 

Neben diesem äußerst vielfältigen Unterrichtsangebot entstanden auch neue Veranstaltungsformate. Gastspiele führten die Musikschule in die USA und viele europäische Länder, die Musikschule kooperierte unter anderem mit den Berliner Philharmonikern. Auch die Kooperation mit allgemeinbildenden Schulen (mittlerweile zirka 25 Schulen im Bezirk) sowie der Schwerpunkt Studienvorbereitende Ausbildung wurden von Joachim Gleich ins Leben gerufen. Er setzte starke Akzente im Bereich Jazz, Rock und Pop. Ensembles der Musikschule wurden bei zahlreichen Wettbewerben ausgezeichnet.

Dass solche Möglichkeiten in anderen Regionen der Welt nicht unbedingt gegeben sind, bewog Joachim Gleich, zum Ende seiner Amtszeit ein Benefizkonzert für die Musikschulen in Eritrea auf die Beine zu stellen. Bei dem Konzert am 21. September 2019 im Konzertsaal der UdK Berlin spielte unter anderem das Projektorchester der Musikschule Werke wie das „Te Deum“ von Marc Antoine Charpentier, „Typewriter“ von Leroy Anderson, Melodien aus der „West Side Story“ von Leonard Bernstein und „Entr’acte“ aus „Carmen“ von Georges Bizet. Auch ein Kinderchor, ein Streicherprojekt aus dem Kooperationsbereich mit allgemeinbildenden Schulen, ein Schlagzeugbattle von Schülern der Studienvorbereitenden Ausbildung und eine Dozentenband bildeten mit einem vielseitigen Programm die Bandbreite der Musikschularbeit ab. Mit dem Benefizkonzert hat die Leo-Borchard-Musikschule finanzielle Mittel unter anderem für den Austausch von Lehrkräften oder für die Anschaffung moderner Instrumente und Unterrichtsmaterialien für die Musikschulen in Eritrea eingeworben. 

Die Idee zur Unterstützung genau dieser Region entstand durch einen persönlichen Kontakt der Fachgruppenleiterin für Streichinstrumente und Gesang, Katharina Lobeck. Sie hat fast zwei Jahre in der Hauptstadt Asmara gelebt, dort an der Asmara Music School ehrenamtlich unterrichtet und die dortige Musikschule mit ihrem Knowhow tatkräftig unterstützt. Bei ihrer Rückkehr brachte sie das Wissen über Themen und Inhalte mit, die zukünftig für die dortigen Möglichkeiten, Musikunterricht zu erteilen, wichtig sind.

So gibt es in Eritrea aktuell keine ausgebildete Fachkraft für Streichinstrumente. Katharina Lobeck erteilte daher während ihres Aufenthaltes Unterricht in allen Streichinstrumenten, auch im Cello, eigentlich nicht ihr Instrument, sodass sie für Fachfragen auch mal telefonische Hilfe von Zehlendorfer Cellokollegen einholen musste. Sie unterrichtet auch weiterhin projektweise in Eritrea – während ihres Urlaubs. Schließlich ist es ihr großer Wunsch, das von ihr aufgebaute kleine Streichorchester „Eri Strings“ am Leben zu erhalten und weiter auszubauen.

Langfristiges Ziel ist es, dass immer mehr Kinder und Jugendliche in Eritrea ein Instrument erlernen können. Ebenso soll die Ensemblearbeit in allen Bereichen erweitert werden. Vor allem aber fehlen ausgebildete Fachkräfte, die langfristig bleiben. In diesem Zusammenhang möchte die Leo-Borchard-Musikschule die Fortbildung der Lehrkräfte fördern und hierfür projektweise weitere Lehrkräfte nach Asmara reisen lassen. Die Organisation vor Ort läuft in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein „For Eritrea e.V.“, der sich seit Jahren dort engagiert. Weitere Informationen gibt es bei der Leo-Borchard-Musikschule: musikschule@ba-sz.berlin.de.

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