Modern und mustergültig

Wiedereröffnung der generalsanierten Hochschule für Musik Nürnberg


(nmz) -
Vier Jahre lang hat die Stadt Nürnberg das ehemalige Sebastianspital generalsaniert und musikhochschulgerecht umgebaut und dabei 40 Millionen Euro investiert. Nun ist es tatsächlich so weit: Aus einem ehemaligen Krankenhaus, das die Nürnberger heute immer noch liebevoll „Wastl“ nennen, wird ein moderner Campus mit exzellenter Ausstattung.
Ein Artikel von Anna Körber, Robert Rechenauer

Den neuen Raumplan und das Gestaltungskonzept entwickelte das Büro Robert Rechenauer Architekten mit Unterstützung der beauftragten Fachplaner anhand verschiedener Entwurfsszenarien. Das Münchener Architekturbüro ist der Musikhochschullandschaft nicht unbekannt, da es bereits den Umbau des Salzburger Mozarteums betreute. Das Bauleitungsteam Christopher Bloß koordinierte die rund 85 Gewerke, welche die komplexe Planung in den letzten drei Jahren realisierten. Der Anspruch, dem Bau einen neuen architektonischen Auftritt zu geben und gleichzeitig die Erinnerung an das alte „Wastl“ zu bewahren, war die gestalterische Herausforderung, auf die sich das Konzept konzentrierte. Die Belange des Denkmalschutzes mussten dabei genauso berücksichtigt werden wie die vielen künstlerischen und technischen Herausforderungen, welche der moderne Ausbildungsbetrieb an die Studierenden und Lehrenden stellt. Selbstverständlich nahmen die Gestaltung der Raumakustik und Probestätten einen besonderen Stellenwert ein. So wurden zu Beginn der Baumaßnahme eigens Mus-terräume gebaut, in denen die Künstlerinnen und Künstler die Akustik testen konnten.

Moderner Campus direkt am Wöhrder See

Die vierflügelige Anlage geht zurück auf den Entwurf des Architekten und Nürnberger Stadtbaumeisters Heinrich Wallraff, nach dessen Plänen das Spital zwischen 1910 und 1914 errichtet wurde. Unmittelbar nach seiner Fertigstellung diente es den versehrten Heimkehrern des Ersten Weltkrieges als Lazarett, erst 1919 nahm es seinen Dienst als Pflegeheim auf. Das Haus lag damals noch in unmittelbarer Nähe zur Flußaue der Pegnitz, heute ist es fester Bestandteil der verdichteten Vorstadt Wöhrd. Im Osten der Anlage wurde ein zweigeschossiges Foyer integriert, das die Stadtebene der Veilhofstraße mit dem tiefer gelegenen Gelände des Nürnbergstifts verbindet. Im städtebaulichen Schwerpunkt der Gesamtanlage entstand so eine attraktive Eingangssituation, die der Hochschule einen angemessenen Auftritt als Musikhochschule verleiht. Das historische Eingangsportal an der Veilhofstraße blieb dadurch von größeren baulichen Eingriffen bewahrt.

Neuer Orchestersaal mit exzellenter Technik und bespielbarer Terrasse

Der neu in den Innenhof gebaute Orchestersaal  treppt sich nach unten ab, was den Studierenden ein konzentriertes Arbeiten auf der Bühne ermöglicht. Oberlichtgaden, die im Jahres- und Tagesverlauf für abwechslungsreiche Lichtstimmungen sorgen, begleiten den Blick des Besuchers zur Bühne und lassen ihn beim Betreten die Struktur des alten Denkmals erleben. Die Decke des Saals, die als begehbare Terrasse für Open-Air-Veranstaltungen ausgebaut wurde, ist über eine Galerie mit dem Foyer verbunden. Die Zukunftsstiftung der Sparkasse Nürnberg machte die Errichtung des Orchestersaals möglich. Mit einer Spende in Höhe von 1,56 Millionen Euro sicherte sie die zukunftsgerichtete Ausbildung an der Hochschule für Musik Nürnberg.

Freistaat Bayern übernimmt Gebäude

Mit dem Umzug beginnt für das ehemalige Sebastianspital nicht nur eine neue Ära in der Nutzung, sondern es geht damit auch ein Wechsel seines Eigentümers einher: Die Stadt Nürnberg investierte rund 40 Millionen Euro und wird nach Fertigstellung das Gebäude dem Freistaat überlassen. Die Kostenbeteiligung des Freistaats Bayern liegt hierbei im Bereich von bis zu drei Millionen Euro, der Zuschuss der Zukunftsstiftung der Sparkasse in Höhe von 1.562.500 Euro. Der Freistaat wird nach der Übernahme nicht nur für den Hochschulbetrieb, sondern auch für den Bauunterhalt die Kosten tragen.
Robert Rechenauer / Anna Körber

Vom Meistersinger-Konservatorium zur jüngsten Musikhochschule Deutschlands

Die Hochschule für Musik Nürnberg ist die jüngste akademische Musikausbildungsstätte in Deutschland und kann sich doch auf eine lange Tradition berufen. Hervorgegangen aus dem städtischen Meistersinger-Konservatorium und der kommunalen Doppelhochschule Nürnberg-Augsburg, wurde 2008 die dritte staatliche Musikhochschule Bayerns errichtet. Im selben Atemzug startete auch der Planungsprozess für den musikhochschulgerechten Umbau des Gebäudes. Im Jahr 2014 wurde die gesamte Hochschule in einem benachbarten Interimsquartier untergebracht, das unterhalb des früheren Spitals liegt.

Open Doors Week und Tag der offenen Türen

Natürlich präsentiert sich die Hochschule nach der Umbauphase nun voller Stolz auch der breiten Öffentlichkeit. Der Konzertbetrieb im neuen Orches-tersaal und dem original erhaltenen Kammermusiksaal (die ehemalige Spitalskapelle) ist im vollen Gange. In der Woche vom 7. bis zum 11. Mai findet offener Unterricht im Rahmen einer „Open Doors Week“ statt, zu dem interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer herzlich willkommen sind. Am 12. Mai ist ein „Tag der offenen Türen“ geplant, mit vielen Aktionen, Konzerten, Vorträgen, Führungen und mehr auf dem ganzen Gelände.

Neues Leitungsteam

Am 01. Oktober 2017 begann die Amtszeit von Herrn Prof. Christoph Adt, der als Präsident auf Prof. Dr. Martin Ullrich gefolgt ist. Prof. Christoph Adt wurde 1956 in Stuttgart geboren und hat an der dortigen Musikhochschule Lehramt sowie Musikwissenschaft studiert, sein dortiges Studium als Kapellmeister hat er mit der Meisterklasse abgeschlossen. Seit 1998 hat Prof. Adt eine Professur für Orchesterleitung, Kirchen- und Schulmusik an der Hochschule für Musik und Theater München inne. Seit 2007 ist er der dort Vizepräsident gewesen. Neben seiner Hochschultätigkeit arbeitet Christoph Adt als freier Dirigent und war von 2011 bis 2015 Chefdirigent der Bad Reichenhaller Philharmonie.

In seiner Sitzung am 29. November 2017 hat der Hochschulrat der Hochschule für Musik Nürnberg Frau Prof. Susanne Kelling und Herrn Prof. Rainer Kotzian zur Vizepräsidentin bzw. zum Vizepräsidenten gewählt. Sie traten damit die Nachfolge von Prof. Dr. Renate Reitinger und Prof. Wolfgang Manz an.

Die Mezzosopranistin Susanne Kelling wurde im Jahr 2014 zur Professorin für Gesang an die Hochschule für Musik Nürnberg berufen. Sie studierte an der Hochschule für Musik und Tanz Köln zunächst Violoncello und, nach ihrem Examen, Gesang bei Prof. Klesie Kelly. Bereits während ihres Studiums verpflichtete sie die Bayerische Staatsoper München in das „Junge Ensemble“. Seit diesem Engagement führen sie immer wieder Gastspiele an die Opernhäuser in Köln, Düsseldorf, Tokyo, an die Opernhäuser San Carlo in Neapel, G. Verdi in Trieste, Carlo Felice in Genua, Teatro Regio in Turin, Fondazione dell`Arena di Verona, Teatro La Fenice in Venedig und an das Staatstheater am Gärtnerplatz in München.

Prof. Rainer Kotzian studierte am Orff-Institut der Universität Mozarteum in Salzburg Musik- und Tanzpädagogik. Im Jahr 2010 wurde er als Professor für Elementare Musikpädagogik an die Hochschule für Musik Nürnberg berufen, von 2011 bis 2017 bekleidete er auch das Amt des Studiendekans. Er ist als Autor, Herausgeber und Produzent zahlreicher musikpädagogischer Print- und Audioveröffentlichungen tätig und Vorstandsmitglied der Carl-Orff-Stiftung.

Am 22. März 2018 wurde Claudia Döring von Präsident Adt zur neuen Kanzlerin an der HfM Nürnberg ernannt. Sie hat das Amt, in Nachfolge von Roland Ulsamer, am 15. April angetreten. Die Juristin wirkte seit 2011 als Kanzlerin/Haushaltsbeauftragte an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und seit 2008 als Leiterin des Amtes für Rechtsangelegenheiten der FHWS an der Abteilung Schweinfurt. Zuvor arbeitete sie drei Jahre im Bereich Controlling/Evaluation beim Landkreis Spree-Neiße. 2002 bis 2004 absolvierte sie ihr Juristisches Referendariat am Landgericht Cottbus und der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Ihr Studium der Rechtswissenschaften legte sie an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und der Universitat Pompeu Fabra Barcelona, Spanien, ab.
Anna Körber

 

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