Musik im Zeitalter digitaler Dinge

Digi-Camp – LMA NRW nimmt sich erneut des Themas Digitalität an


(nmz) -
In der aktuellen musikpädagogischen Debatte und Praxis rückt das Thema Digitalisierung immer stärker in den Fokus. Damit reagiert die Disziplin auf die radikalen Wandlungsprozesse, die sich aufgrund der Schnelllebigkeit digitaler Medien auf dem Feld der musikalischen Vermittlung ereignen. Nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie wird offensichtlich, wie Online-Angebote im Bereich der Lehre zu notwendigen Ergänzungen im alltäglichen Austausch mit Menschen avancieren, die trotz aller gebotenen Einschränkungen weiter musizieren möchten.
Ein Artikel von Kai Marius Schabram

Sei es etwa in Bezug auf die Entwicklung von verschiedenen Formaten des Instrumentalunterrichts via Online-Plattformen bis hin zu Projekten wie dem Konzept „digital stage“, das Möglichkeiten offeriert, von verteilten Orten online zu proben und live auf einer digitalen Bühne vor Publikum im Internet aufzutreten (https://digital-stage.org) – die Notwendigkeiten, musikpädagogische Angebote bereits im Vorhinein digital zu denken, nehmen deutlich zu.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, suchte die Landesmusikakademie NRW den Einstieg in die Materie mit der Fachtagung „Musikpädagogik & Digitalisierung“, die im November 2019 im Dortmunder U mit über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erfolgreich stattfand. Neben der Vorstellung und Bewertung verschiedener Music-Apps für den (Musik-)Schulunterricht, die neben den Vorträgen von Prof. Dr. Juliane Gerland von der FH Bielefeld (Titel: Gemeinsam Musizieren mit Apps – ist das Musikpädagogik oder kann das weg?) und Prof. Dr. Philipp Ahner von der Musikhochschule Trossingen (Titel: Musiklernen mit digitalen Dingen) auch die abschließende Podiumsdiskussion prägte, konnten die Teilnehmenden mit Blick auf unterschiedliche Lehr- und Lernorte zahlreiche digitale Anwendungsmöglichkeiten kennenlernen und ausprobieren. Aspekte des Blended-Learning via Detmold Music Tools (Prof. André Stärk, HfM Detmold) oder des Instrumental- und Ensembleunterrichts mithilfe von Smartphone und Tablet (Markus Brachtendorf, Köln) wurden dabei ebenso thematisiert wie der Einsatz von Apps und iPads im Rahmen des Schul- (Linda Lühn, BMU NRW) bzw. Musikschulunterrichts (Tobias Rotsch, Musikhochschule Münster).

Am Ende der Tagung wurde einerseits deutlich, welche Komplexität die Materie „Digitalisierung & Musikpädagogik“ widerspiegelt, andererseits wurde vonseiten der Teilnehmer*innen mehrfach auf die Notwendigkeit hingewiesen, sich dem Thema aktiv zu nähern, um damit in Tuchfühlung zu den aktuellen Entwicklungen in den jeweiligen Handlungsfeldern der Musikpädagogik zu bleiben. Materialien und Informationen zu den einzelnen Vorträgen und Workshops der Fachtagung sind auf der Homepage der Landesmusikakademie NRW abzurufen: https://landesmusikakademie-seminar…

Auf diesen Bedarf reagiert die Landesmusikakademie NRW mit weiteren Angeboten, da sie sich als Kommunikationsverdichterin und Netzwerkerin für digitale Ideen und Akteur*innen der Musikpädagogik versteht. Im „Digi-Camp“, das sie am 19.11.2020 in Heek veranstaltet, widmet sie sich daher mit einem stärker praxisorientierten Ansatz dem Thema Musik im Zeitalter digitaler Dinge. Im Zentrum des Camps steht das Kennenlernen und interaktive Ausprobieren neuer Möglichkeiten, wie Musik in vermittlerisch-musikpädagogischen und künstlerischen Handlungsfeldern digital ein- und umgesetzt werden kann. Dabei wird eine Vielzahl von praktischen Möglichkeiten, Musik digital zu erstellen und zu erfahren sowie an verschiedene Zielgruppen zu vermitteln, präsentiert. Music-Apps, Mini-Synthesizer und digitale Klanginstallationen kommen dabei ebenso zum Einsatz wie die Präsentation von Best-Practice-Beispielen aus dem onlinebasierten Musikunterricht oder der künstlerisch-spielerische Umgang mit Programmiersprache. Als Referent*innen wirken unter anderem Prof. Rob Maas und Tobias Rotsch (beide Musikhochschule Münster) mit, die sich den Potenzialen – aber auch Problemen – des instrumentalen Musizierens mithilfe verschiedener Apps sowie der „Ableton Live“-Software widmen. Markus Brachtendorf (Köln) zeigt Möglichkeiten auf, wie man schnell und unkompliziert mit Schüler*innen effektvolle Musikvideos mit dem Smartphone drehen kann. Wie eine „House Party“ mit dem Loopsequenzer der App Garageband auf dem iPad entsteht, veranschaulicht Linda Lühn vom Bundesverband Musikunterricht NRW. Die Mitarbeiter*innen des Klanginstituts UG Köln nehmen sich gleich drei verschiedene Workshops vor: Der Frage „Wie wird aus Strom ein Ton?“ geht Roland M. Dill nach – anhand einfacher Elektronikprojekte wird vorgestellt und gemeinsam ausprobiert, wie ein spannender Einstieg in das digitale Musizieren geschaffen werden kann.

Mit der Software „Sonic Pi“, die Jana Maria Heinz präsentiert, soll der Computer zu einem Musikinstrument verwandelt werden, was einen neuen Blickwinkel auf Klänge und musikalische Strukturen eröffnet. Mithilfe des „Digitalen Ohrs“ möchte schließlich Yasin Yildirim das Phänomen Digitalität in Form akustischer Signale veranschaulichen, wofür ein eigens für den Workshop konstruierter Klangapparat interaktive Anwendung findet. In einem Vortrag, der thematisch in das Digi-Camp einführt, widmet sich Prof. Dr. Marc Godau von der Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam der Frage nach dem schwierigen Verhältnis der Musikpädagogik zur Digitalisierung aus Sicht der Forschung. Damit wird das Phänomen Digitalität in Anwendung auf die Disziplin Musikpädagogik auch theoretisch reflektiert. Am Abend des 18.11. besteht bereits die Gelegenheit zu einem lockeren thematischen Einstieg bei Abendbüfett und Fachaustausch mit sämtlichen Dozent*innen. Weiterführende Informationen und Anmeldemöglichkeit unter: www.lma-nrw.de

  

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