Musik kennt keine Grenzen – oder etwa doch?

Fachtagung des Deutschen Musikrates: „Musikland Deutschland – Wie viel kulturellen Dialog wollen wir?“


(nmz) -

Die Diskussionen zum Themenkreis kultureller Identitäten und dem damit verbundenen Verhältnis zu den Mitbürgerinnen und Mitbürgern nichtdeutscher Herkunft lassen Zweifel an obiger Aussage aufkommen. Das Reizwort der Parallelgesellschaften hat Ängste aufgedeckt und geschürt, die zu oft den Blick auf Ursache und Wirkung verstellen. Die Faktenlage – auch im Hinblick auf die zwingende Notwendigkeit einer qualifizierten Zuwanderung – ist hinreichend beschrieben. Die Frage, welche Chancen sich aus diesem Reichtum kultureller Vielfalt ergeben, bleibt hingegen bisher weitgehend unbeantwortet – für unser Kulturleben und damit auch für den Standort Deutschland.

Ein Artikel von Christian Höppner

Der Deutsche Musikrat möchte mit seiner Fachtagung „Musikland Deutschland – Wie viel kulturellen Dialog wollen wir?“ dieser Frage mit Handlungsempfehlungen an Politik und Multiplikatoren nachgehen. Zentrales Anliegen ist es, Bewusstsein für die Zusammenhänge dieser komplexen Themenbereiche und die Bedeutung für die Zukunft unserer Gesellschaft in einem stärkeren Maße, als das bisher sichtbar ist, zu wecken.

Wer bin ich? – Wer sind wir? – Und wie leben wir zusammen? - sind im Zeichen weltweiter Migrationsbewegungen und der Auswirkungen der Globalisierung Fragen, die sich in vielen Ländern stellen. Typisch deutsch ist allerdings die Art, wie wir dieses schwelende Thema seit Jahrzehnten verdrängen beziehungsweise in Wellen verengt (Stichwort: Leitkultur) diskutieren.

Die kulturellen Identitäten und der interkulturelle Dialog stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang, denn Dialog ist keine Einbahnstraße. Diese Zweibahnstraße fordert aber in der kulturellen Bildung beziehungsweise musikalischen Frühförderung ein ganz anderes Bewusstsein für den Wert der Kreativität. Tatsache ist aber, dass – bedingt durch die Kürzungsmaßnahmen der letzten Jahre – die kulturellen Entwicklungspotentiale der Jugend mehr und mehr brachliegen. Nur wenn es gelingt, die verantwortungslose Vernachlässigung in der Kreativitätsförderung von Kindern und Jugendlichen durch die Verbesserung der Rahmenbedingungen zu beseitigen, gibt es eine Chance für einen wirklichen Dialog. Denn: Wer das Eigene nicht kennt, kann das Andere nicht erkennen, geschweige denn schätzen lernen.

Bildung und Kultur sind der Grundstein für das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen. Unsere Gesellschaft wird die Offenheit und Neugierde gegenüber allem Neuen nur dann gewinnen können, wenn dieses Training einer immer wieder neuen Sicht gegenüber Bekanntem und Unbekanntem im Kindesalter erfahren werden kann.
So steht die Frage, welchen Wert unsere Gesellschaft einem lebendigen Kulturleben – und damit auch der kulturellen Bildung – beimisst, in einem unmittelbaren Zusammenhang mit den Themenkomplexen „Kulturelle Identität und interkultureller Dialog“.

Das Erfahrungspotential der Mitgliedsverbände des Deutschen Musikrates, die in vielfältiger Weise mit interkulturellen Themen befasst sind, wird in diese Fachtagung ebenso einfließen wie die Anregungen anderer gesellschaftspolitischer Gruppen. Dabei werden gelungene Praxisbeispiele als Anregung ebenso im Mittelpunkt stehen wie Problemstellungen.

Der Deutsche Musikrat sieht sich in der Verantwortung einen Beitrag zu diesem zentralen Thema gesellschaftspolitischer Entwicklung zu leisten und damit auch Brücken zu schlagen, wo Gräben sichtbar sind.

So ist die Fachtagung, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und unterstützt von der Dresdner Bank, der Werkstatt der Kulturen Berlin, dem Hotel Adlon Berlin, WDR3, Radio Multikulti und der nmz, ein Impuls für die Fortsetzung einer breit angelegten Debatte und die Weiterentwicklung von Lösungsansätzen.

Veranstaltungshinweis

Fachtagung Musikland Deutschland
Wie viel kulturellen Dialog wollen wir?

Migration und Integration sind vielerorts zum Spannungsfeld zwischen Deutschen und ihren ausländischen Mitbürgern geworden. Das Problem der kulturellen Abschottung ist dabei zu einem gewichtigen Faktor in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion avanciert und stellt eine große Herausforderung dar. Doch welchen Beitrag kann die Musik leisten, um den interkulturellen Dialog zu fördern? Kann sie Brücken schlagen im Zusammenleben mit den deutschen Nachbarn? In der Tagung werden diese Fragen nicht nur diskutiert, sondern auch gelungene Modelle aus der Praxis vorgestellt und Handlungsempfehlungen an die Politik verabschiedet werden.

4. bis 5. November 2005
Berlin, Pariser Platz
Dresdner Bank und Hotel Adlon

Weitere Informationen: info@conbrio.de
Ansprechpartnerin: Barbara Haack,
Tel. 0941-945 93-12 oder 0941-799 59 86

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