Musiktheater in enger Nachbarschaft

Das Projekt OPERA der HfM Saar bringt Studierende und Profis zusammen


(nmz) -
Was sich schon lange bewährt hat, hat nun einen Namen gefunden: OPERA heißt das Label, mit dem in Zukunft die Zusammenarbeit zwischen der Hochschule für Musik Saar und anderen Kooperationspartnern im Bereich Musiktheater bezeichnet wird.

Vorrangig ist es das Saarländische Staatstheater (SST), das schon seit vielen Jahren mit der HfM Saar bei der Umsetzung szenischer Produktionen kooperiert. Sei es bei der technischen Hilfestellung im Bau von Bühnenbildern, Kostümanfertigungen oder bei der Unterstützung im Bereich Dramaturgie: Das SST stellt für die OPERA-Produktionen sein ganzes Know-how zur Verfügung.

Mit der Neuberufung der HfM-Professoren Hans-Jörg Neuner und Frank Wörner hat diese Kooperation seit einiger Zeit eine neue Qualität erhalten. Nicht nur Korrepetitoren des Staatstheaters sind an der Hochschule tätig, dessen Dirigenten erarbeiten inzwischen mit den Instrumentalisten und Sängern komplette Produktionen. So im Jahr 2014 die „Dialogues des Carmélites“ von Francis Poulenc, danach Christoph Willibald Glucks „Iphigénie en Tauride“ und mit Beginn des Sommersemesters 2016 nun Leoš Janáceks „Das schlaue Füchslein“, das unter der Regie von Solvejg Bauer - als Regisseurin regelmäßig am SST engagiert - einen grandiosen Erfolg feierte. Nicht nur die „Saarbrücker Zeitung“ jubelte: „Großartig, was die Hochschule für Musik Saar in Zusammenarbeit mit dem Staatstheater auf die Beine gestellt hat. Bei der Inszenierung von Leoš Janáceks Opernparabel ‚Das schlaue Füchslein‘ wurden keine Mühen gescheut, um dem provokativen Sujet gerecht zu werden.“ Auch überregional fand das gewagte Konzept Beachtung: Der Konzertsaal der HfM Saar wandelte sich zum Bühnenhaus mit großen Aufbauten und aufwändiger Szenographie, was selbst das Interesse von Dramaturgen aus dem fernen Hamburg fand.

OPERA ist aber, wie schon erwähnt, ein Format, in das auch andere Kooperationspartner eingebunden werden können. Zielsetzung ist stets, spannendes und kreatives Musiktheater auf die Bühne zu bringen, bei dem die Studierenden im Mittelpunkt stehen. So werden an der HfM Saar auch Bachelor-Studierende frühzeitig in die Opernproduktionen eingebunden. Es hat sich gezeigt, dass die Studierenden in diesem professionellen Umfeld schnell über sich hinauswachsen und praktische Erfahrungen sammeln, die im Unterrichtsalltag kaum zu vermitteln sind. So standen zuletzt 24 Gesangsstudierende in zwei Besetzungen auf der Bühne - bei insgesamt knapp 40 Studierenden in diesem Fach eine beachtliche Zahl.
Das solistisch besetzte Kammerensemble stellte im „Schlauen Füchslein“ ähnlich hohe Anforderungen an die Instrumentalisten wie an die Sänger. Der junge Dirigent und Kapellmeister des Staatstheaters Stefan Neubert fand in der Kammerorchesterfassung von Jonathan Dove einen transparenten Klang, grundiert von einem sonoren Akkordeon-Sound.

Diese Arbeit macht sich sowohl für das SST als auch für die HfM Saar bezahlt: Schon lange nicht mehr haben so viele HfM-Studierende den Sprung ins professionelle Theater geschafft - sei es mit einem festen Engagement, sei es mit Stückverträgen oder einer Beschäftigung im Chor des Saarländischen Staatstheaters. Sowohl Generalintendantin Dagmar Schlingmann als auch HfM-Rektor Prof. Wolfgang Mayer waren in ihren Ansprachen nach der „Füchslein“-Premiere voll des Lobs für die Zusammenarbeit und setzten sich an höchster Stelle im saarländischen Kultusministerium für den weiteren Ausbau dieser Kooperationen ein.
Für die Studierenden, die den Sprung auf die Profi-Bühne geschafft haben, stehen nun die „Zauberflöte“ und „Rusalka“ auf dem Programm, wobei drei HfM-Studierende in solistischen Partien besetzt sind. Auch Georg Friedrich Haas’ Musiktheater „Bluthaus“ war in einigen Partien mit Studierenden der HfM Saar besetzt. Ein Vorteil, den Saarbrücken dabei bietet und der den Austausch sprichwörtlich naheliegend macht, ist der kurze Weg: Die beiden Saarbrücker Institutionen liegen in unmittelbarer Nachbarschaft.

Der Ausblick auf die nächsten Semester ist ebenfalls vielversprechend. Nach der Uraufführung von Stefan Litwins „Nacht mit Gästen“ zu Beginn des kommenden Wintersemesters (siehe nachstehender Artikel) steht im Sommersemester 2017 eine weitere große Produktion an. Im Rahmen des Jubiläumsjahres „500 Jahre Reformation“ wird die HfM Saar in der Saarländischen Johanniskirche in Kooperation mit der Evangelischen Kirchengemeinde St. Johann und dem Saarländischen Staatstheater eine Kirchenoper inszenieren.

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