Nachhaltigkeit und künstlerische Exzellenz

Trossinger Studenten erspielen sich wertvolle Instrumente


(nmz) -
Historische Instrumente verschwinden häufig als Wertanlage in Tresoren. Die Deutsche Stiftung Musikleben vergibt sie dagegen in die Hände junger Spitzenmusiker, damit sie ihre wahren Werte offenbaren können – so auch 49 klangvolle Geigen, Bratschen und Violoncelli beim diesjährigen 24. Wettbewerb des Deutschen Musikinstrumentenfonds.

Zu den Preisträgern zählen auch zwei talentierte Bachelor-Studenten der Musikhochschule Trossingen aus der Klasse von Prof. Francis Gouton: Marcel Johannes Kits nahm zum ersten Mal am Wettbewerb teil. „An den Wettbewerb hatte ich eigentlich keine Erwartungen“, gibt der aus Estland stammende Cellist Marcel Johannes Kits, der im vergangenen Jahr mit dem begehrten Preis der Freunde und Förderer der Hochschule ausgezeichnet worden war, freimütig zu. „Ich habe einfach probiert, mein Bestes zu geben.“ Und erspielte sich tatsächlich auf Anhieb nicht nur die höchste Bewertung der Jury im Fach Violoncello unter den Neubewerbern, sondern auch ein Meistercello von Francesco Ruggeri, gebaut 1674 in Cremona. „Als ich dann endlich am Tag nach dem Vorspiel wieder vor der Jury um Prof. Igor Ozim stand,“ fährt der erst 20-jährige Cellist fort „haben sie mir gesagt: ‚Heute ist Weihnachten – Sie bekommen ein Ruggieri‘. Für mich war es immer ein Traum, ein solches Instrument spielen zu dürfen, und ich konnte mir nie vorstellen, dass ich tatsächlich jemals ein so gutes Cello bekommen würde!“

Seinen Vorjahreserfolg konnte hingegen der in Filderstadt geborene Cellist Michael Schmitz bestätigen. Der 21-jährige Musiker, seit 2010 Stimmführer im Landesorchester Baden-Württemberg, studiert seit 2011 in der Jugendklasse und seit 2014 regulär in Trossingen und verlängerte sein Violoncello von Marinus Capicchioni, Rimini 1958, erfolgreich.

„In diesem Jahr haben wir uns besonders auf viele Neuentdeckungen gefreut. Wir konnten einigen noch sehr jungen aber bereits hervorragend entwickelten Begabungen eine Chance geben, am Wettbewerb teilzunehmen und waren alle überrascht von deren hohem Niveau“, resümiert Irene Schulte-Hillen, Präsidentin der Deutschen Stiftung Musikleben.

Marcel Johannes Kits, der bereits über eine reiche Erfahrungsschatz als Solist, vor allem mit Orchestern seiner Heimat, verfügt, weiß, wie es weiter gehen soll: „Mein Plan ist, dass ich so viel und so gut wie möglich übe und verschiedene Wettbewerbe absolviere“, erläutert er. „Außerdem werde ich mich natürlich schon für das Vorspiel im kommenden Jahr vorbereiten, um mit dem Instrument auch weiterspielen zu können. Dafür gebe ich mein Bestes und hoffe, dass ich das Cello bis zum Höchstalter von 30 Jahre genießen darf!“
Beim bis auf den letzten Platz gefüllten Preisträgerkonzert vor 250 geladenen Gästen, darunter Instrumententreugeber, Kooperationspartner und Konzertveranstalter sowie Freunde und Förderer der Stiftung, begeisterten die strahlenden Gewinner mit musikalischer Virtuosität. Das Konzert wurde mitgeschnitten und am 13. März 2016 als „Konzertdokument der Woche“ vom Deutschlandfunk ausgestrahlt.

Der Deutsche Musikinstrumentenfonds ist eine gemeinsame Initiative der Deutschen Stiftung Musikleben und der Bundesrepublik Deutschland. Der Fonds wurde 1993 zur Förderung hochbegabter Nachwuchsstreicher ins Leben gerufen. Der Anfangsbestand von 16 Instrumenten, vorrangig aus Bundesbesitz, ist mittlerweile zu einer Sammlung von über 190 wertvollen Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässen angewachsen, die zu mehr als der Hälfte aus Treugaben meist aus Familienbesitz besteht. Der Fonds umfasst sowohl historische Meisterstücke von Stradivari, Guarneri, Guadagnini oder Gagliano als auch moderne Instrumente europäischer Meisterwerkstätten, die als Auftragsarbeiten der Stiftung hergestellt wurden. Die Musiker erhalten die Instrumente leihweise zunächst für ein Jahr, bei besonderer Leistung für zwei Jahre. Sie können diesen Zeitraum aber mit weiteren erfolgreichen Vorspielen bis zum Erreichen des 30. Lebensjahrs verlängern oder sich ein noch hochwertigeres Instrument erspielen. Die Deutsche Stiftung Musikleben widmet sich seit 1962 der bundesweiten Förderung des musikalischen Spitzennachwuchses. Unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten betreut die Stiftung derzeit rund 300 Stipendiaten zwischen 12 und 30 Jahren individuell und langfristig in verschiedenen Programmen.

Das könnte Sie auch interessieren: