Nähe und Ferne

Regionalgesellschaften der GNM, Teil 5: Frankfurt


(nmz) -
Das hätte keiner der sieben Gründungsmitglieder erwartet: dass der gerade ins Leben gerufene Verein ebenso rasch wie beständig zu einem anerkannten Akteur im Kulturleben der Rhein-Main-Region werden sollte. Die Gründung der Frankfurter Gesellschaft für Neue Musik (fgnm) im September 2003 erfolgte zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Bereits ab April 2004 bereicherte die fgnm Stadt und Region mit einer neuen musikalischen Anlaufstelle: frequenzen hieß die Konzertreihe, die im „raum für kultur“ der damaligen Dresdner Bank stattfand. Einmal pro Monat – insgesamt 51 Mal – wurde hier Musik vor allem von Komponisten und Musikern aus der Region präsentiert.
Ein Artikel von Michael Rebhahn

Einen Schwerpunkt des Programms bildeten Portraitkonzerte: So wurde die Arbeit von Komponisten wie Claus Kühnl, Gerhard Müller-Hornbach, Christian Ridil, Rolf Riehm, Volker Staub, Ernstalbrecht Stiebler oder Hans Zender vorgestellt. Daneben setzen die frequenzen einen Schwerpunkt auf die Einladung von in Frankfurt und Umgebung ansässigen Ensembles für Neue Musik – im weitesten Sinne: Neben „klassischen“ Instrumentalisten standen in diesem Rahmen auch Improvisationsmusiker auf der Bühne, wurden Experimente mit elektronischen Medien oder Video unternommen oder literarische Elemente integriert.

Ab Februar 2008 wurden die frequenzen um ein komplementäres Diskursformat erweitert: Vier Mal fanden in der Hochschule für Musik die resonanzen statt: „Experimentelle Musik und (Klang)kunst im interdisziplinären Dialog“ lautete der Untertitel der Gesprächsreihe. Diese Verbindung von Konzert und Diskurs legte den Grundstein für die nächste Veranstaltungsreihe der fgnm: Unter dem Titel MIND THE GAP! wechselten von Februar bis Dezember 2009 im Kulturzentrum Haus am Dom im Monatsrhythmus Konzerte mit Podiumsdiskussionen, in denen die vorgestellten musikalischen Entwürfe ästhetisch reflektiert wurden.

Ab Oktober 2010 hieß es dann ZWEI: Im Haus am Dom startete eine zehnteilige Konzertreihe, die unterschiedlichsten dualen Konstellationen nachspürte. Die Zweierbildungen waren sowohl akustisch wie visuell, bezogen sich auf die jeweilige Besetzung, die gespielten Komponisten, oder verwiesen auf immanent musikalischen Strukturen. So umfasste die Reihe unter anderem den Duoabend ZWEI.INSTRUMENTE, bei dem die scheinbar ungleichen Instrumente Blockflöte und Trompete in einen Dialog traten; das Konzert ZWEI.SOLI kombinierte Improvisationen des Klarinettisten Theo Nabicht mit elektronischen Kompositionen von Jan Jacob Hoffmann; der Abend ZWEI.AUS.EINS wiederum erkundete Permutationen des gleichen musikalischen Ausgangsmaterials.

Von Januar bis Dezember 2012 sowie von September 2013 bis April 2014 war die fgnm dann einmal monatlich im spanischen Kulturinstitut Instituto Cervantes zu Gast. Fernbeziehung hieß die Konzertreihe, die an der Situation Frankfurts als globaler Knotenpunkt ansetzte. In vielfältig besetzten Konzerten wurde dieser Aspekt aus verschiedenen Perspektiven betrachtet: Die Internationalität der Beiträge und ihre Verknüpfungen zur Region waren dabei ebenso ein Thema wie die Arbeitsbeziehungen zwischen den Protagonisten des jeweiligen Abends. Zudem reflektierte die Reihe die musikalischen Konnotationen der Begriffe Nähe und Ferne, Vertrautheit und Fremdheit vor dem Hintergrund einer weltweiten medialen Vernetzung.

Nach über zehn Jahren der kontinuierlichen Präsenz im Frankfurter Kulturleben, befindet sich die fgnm gegenwärtig in einer „Ruhepause“. Natürlich nur vorübergehend: Die Konzeption einer neuen Konzertreihe läuft bereits auf Hochtouren.