Naturbilder, Bagatellen

Kammermusik für Bläser von Schweitzer und Beethoven


(nmz) -
Benjamin Schweitzer: dull roots & spring rain für Flöte/Bassflöte (oder Klarinette), Oboe und Fagott – Ludwig van Beethoven: 15 Bagatellen für Bläserquintett gesetzt von Peter Stamm
Ein Artikel von Hagen Andert

Benjamin Schweitzer: dull roots & spring rain für Flöte/Bassflöte (oder Klarinette), Oboe und Fagott,
ED 20746 (2010), ISMN 979-0-001-17007-9

Schweitzers Klangbild der Natur zwischen dem endenden Winter und hoffnungstragenden Frühlingsbeginn begründet sich darin, dass die Bewegung seiner Meinung nach im Detail deutlich wird. Anatomisch fein trennt er große Bewegungen und Harmonien der Musik ab und entführt den Spieler in ein gleichsames, unaufgewühltes Werk feinster Nuancen. Hierzu verwendet er einen Hauptklang, den er mittels Achtel- und Vierteltontechnik in Multiphonie führt. Zwischen den beiden Sätzen dieses Stückes besteht ein Unterschied hinsichtlich des Klangcharakters. Während sich noch im ersten Satz das Bestreben erwartungsvoller Stimmung der brachen Vorfrühlingslandschaft auskristallisiert, erweitert sich der zweite sowohl durch Instrumenten- (Bassflöte beziehungsweise Klarinette in A) und Timbre-Wechsel, als auch Vokalisationen in Wärme und Sicherheit. Insgesamt ist das Werk weniger finger- als vielmehr blastechnisch anspruchsvoll und setzt gute Kenntnisse des Instrumentes und moderner Musik voraus. Die Erläuterungen der Sonderzeichen sind praktikabel und bringen die Grundgedanken des Komponisten gut näher. Zu bemängeln ist, dass die Klarinettenstimme nur für Böhm-, nicht aber für Deutsches System erfasst wurde.

Ludwig van Beethoven: 15 Bagatellen für Bläserquintett gesetzt von Peter Stamm,
EE 5341 (2008), ISMN 979-0-2211-2132-5

Ludwig van Beethovens Bagatellen (op. 33, 119, 126 und WoO 52 und 56)  veranlassten Peter Stamm zu einer einmaligen Setzung dieser ursprünglichen Klavierwerke für Bläserquintett. Die Stimmverteilung und Ausgewogenheit der Einzelstücke ist harmonisch und warm, so dass ein klassisches bis frühromantisches Bläserbouquet entstanden ist. Die Stückauswahl bietet ein Charakterspektrum, das sowohl Beethovens Virtuosität als auch seine Genialität in der Komposition deutlich macht. Wenngleich die chronologische Anordnung der Bagatellen für den Auftrittsgebrauch nicht zwingend nützlich ist, kann aufgrund der praktischen Übersichtlichkeit der Einzelstimmen eine beliebige Aufführungsreihenfolge gewählt werden. Geeignet sind diese 15 Bläserbagatellen insbesondere für fortgeschrittene Musikschüler, denen vor allem am gemeinsamen Musizieren liegt.

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