Neuausrichtung musikalischer Ausbildung

Wie die Digitalisierung in künstlerisch-pädagogischer Lehre Einzug halten kann


(nmz) -
März 2025. Die Violinen-Studentin Zeynep X. steht im Digital Concert Lab – einem gut ausgestatteten Multimediaraum - der Dresdner Musikhochschule und gleichzeitig in einem antiken griechischen Amphitheater. Komponist:innen und Programmierer:innen haben speziell für sie mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz, die auf traditionelle Musik aus der Osttürkei sowie auf zeitgenössische Musik Westeuropas trainiert wurde, Stücke komponiert. Während Zeynep in Dresden ihre Saiten streicht, spielen die Musiker:innen eines türkischen Orchesters in einem ebenso multimedial ausgestatteten Raum in Instanbul. Mit Hilfe von Virtual-Reality-Brillen kann das Publikum live in der digitalen Rekonstruktion des Amphitheaters Platz nehmen und das Konzert als digitales, audiovisuelles Kunstwerk erleben.

Noch gibt es dieses Digital Concert Lab nicht und auch das internationale Projekt ist noch Zukunftsmusik. Aber nicht mehr lange - an der Dresdner Hochschule für Musik wird daran gearbeitet, Visionen von virtueller Musik und Musikvermittlung Wirklichkeit werden zu lassen. Das Projekt „Musikalische Lehre Digital“ wird von Stefan Prins, Professor für Komposition und Leiter des Hybrid Music Labs geleitet und für den Projektzeitraum von August 2021 bis August 2024 von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert.

„An der HfM Dresden wollen wir alle unsere Studierenden, egal ob klassischer Sänger oder Instrumentalistin im Jazz/Rock/Pop, Komponist:innen, Musiktheoretiker:innen oder Musiklehrer:innen dazu befähigen, an der digitalen musikalischen Zukunft nicht nur teilzunehmen, sondern sie auch aktiv zu gestalten“, so Stefan Prins. Ziel sei es, die digitalen Kompetenzen der Studierenden deutlich zu erweitern und ihnen wichtige Werkzeuge für die Navigation im künstlerischen Umfeld und im modernen Musikmarkt an die Hand zu geben.

Dafür soll ab dem Studienjahr 2022 ein fachbereichsübergreifendes Modul „Musik und Digitalisierung“, bestehend aus einer Reihe von obligatorischen Seminaren für Bachelor- und Masterstudierende aller Fachrichtungen, entworfen und schrittweise implementiert werden. Wie dieses Modul genau ausgestaltet wird, entwickelt und konzipiert das vierköpfige Team bestehend aus Stefan Prins, Christoph Mann, Rama Gottfried und Artemi Gioti im ersten Projektjahr. Am Ende des Moduls werden die Studierenden ein digitales Projekt umsetzen, das vom Videotutorial bis hin zum virtuellen Konzert oder zur interaktiven Licht- und Tanzperformance alles sein kann. Die Plattformen für diese außergewöhnlichen Formate können vielfältig sein. Mit den Projektmitteln werden das Digital Concert Lab und ein Webportal eingerichtet.

„Durch das technische Equipment, das wir hier bereitstellen, werden die Studierenden künstlerisch besonders herausgefordert und ihnen werden Möglichkeiten geboten, die weit über eine reale Bühne hinausgehen“, so Prins. Mit speziellen Videokameras für Virtual reality, Videoproduktionscomputern, speziellen Softwarelizenzen für zum Beispiel Video-, 3D- und Audiobearbeitung sowie einem Greenscreen können sich die Musik- und Pädagogikstudierenden künstlerisch austoben und selbst hybride und interaktive Präsentationsformate entwickeln. Prins ist selbst als zeitgenössischer Komponist und Performer unterwegs. Seine Musik ist maßgeblich von aktuellen Technologien und interdisziplinären Ansätzen geprägt. „Ich finde die musikalische Ausbildung im 21. Jahrhundert verlangt im Angesicht der digitalen Transformation der Gesellschaft und des Musikmarktes eine inhaltliche Neuausrichtung. Diese werden wir in den nächsten drei Jahren mit Unterstützung von erfahrenen Partnerinstituten und Experten im Bereich Digitalisierung angehen“, so Prins.

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