Oper macht (Hoch)Schule

Zum 1. Baden-Württembergischen Opernschultreffen an der HMDK Stuttgart


(nmz) -
We proudly present: Fünf verschiedene aktuelle Produktionen von Claudio Monteverdi bis Philippe Boesmans, die belegen, dass alle fünf Musikhochschulen im Land (Freiburg, Karlsruhe, Mannheim, Trossingen und Stuttgart) auf hohem Niveau und mit großem Erfolg Opernsängerinnen und Opernsänger ausbilden und sich szenisch-musikalisch mit dieser jahrhunderte­alten Gattung beschäftigen, die immer wieder neu erfunden wurde und auch heute quicklebendig ihr Publikum bewegt, im besten Falle begeistert. Ein großer Bewunderer der Oper, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, hat zu unserer Freude die Schirmherrschaft über dieses erste ,Festival der jungen Oper‘ in Baden-Württemberg übernommen.
Ein Artikel von Angelo Raciti, Bernhard Epstein, Kornelia Repschläger, Regula Rapp

Die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart ist dankbar, dass private Förderer, wie die Péter Horváth-Stiftung, die Baden-Württemberg-Stiftung und die Gesellschaft der Freunde und Förderer der HMDK Stuttgart diesen ersten Operngipfel der Jungen finanziell ermöglichen. In der Hoffnung, dass zahlreichen Opernfreundinnen und -freunden die Beiträge rund um die Oper Interessantes bieten und viele dazu anregen, uns zu besuchen, sei der Theater- und Opernregisseur Werner Schroeter zitiert: „Man muss die Augen öffnen. Kunstwirklichkeit hat nur Sinn, wenn sie die Wahrhaftigkeit der Welt, in der wir uns bewegen, trifft.“ Wir hoffen auf viele treffende Momente!
Dr. Regula Rapp, Rektorin der HMDK Stuttgart

Zukunftslaboratorium Oper

Oper und Musiktheater entfalten weltweit eine ungebrochene Faszinationskraft – das Publikum strömt in die Theater mit großer Tradition vom Teatro alla Scala, der Metropolitan Opera New York, dem St. Petersburger Mariinsky bis zur Wiener Staatsoper, und Stararchitekten wie Zaha Hadid, MAD Architects oder Snøhetta entwerfen atemberaubende neue Bauten für Guangzhou, Harbin, Kopenhagen oder Oslo.
Die Geschichte der Oper umfasst mittlerweile 400 Jahre und beweist die ständige Erneuerungskraft der Gattung, wie ihre Fähigkeit eine glanzvolle Oberfläche vitaler Sinnlichkeit mit dem Vorstoß in die Tiefenschichten menschlicher Sehnsüchte und Abgründe zu verbinden. Die Oper war immer getrieben vom Impuls, die Ausdruckskraft der Sprache restlos auszuschöpfen. Gerade durch die Verbindung mit der Kraft der Musik entstand eine Wirkung, die sprachliche Grenzen zu überschreiten vermochte und den globalen Siegeszug der Oper ermöglichte.

Das aufregende Panorama, das die Geschichte der Oper bietet, ist allerdings nur noch in den Repertoire- und Ensembletheatern Mitteleuropas anschaulich erlebbar. Nur hier verstehen die Verantwortlichen für diese einzigartige Theater- und Kulturlandschaft Spielplanung sowohl als Bildungsauftrag für eine breite Öffentlichkeit und als kritische Reflexion auf die Entwicklung der Gattung selbst und ihr aktuelles gesellschaftliches Umfeld.

An diesem Anspruch messen sich auch die Abteilungen für Gesang und Musiktheater, die eine neue Generation junger Sänger*innen für den internationalen Opernbetrieb hervorbringen. Natürlich müssen die Absolvent*innen her­vorragend singen, wenn sie sich auf dem Markt behaupten wollen. Doch die Individualität, die eine*n junge*n Künstler*in unverwechselbar macht, und der Nährboden für eine nachhaltige und kontinuierliche Karriere entstehen erst in der eigenständigen Auseinandersetzung mit den Werken in ihrer Komplexität und der Kunstform in ihren verschiedensten Spielarten.
Wie fruchtbar und aufregend diese Prozesse künstlerischer Entwicklung sind, ist in Baden-Württemberg in großer Dichte zu erleben. Fünf Musikhochschulen, jede mit ihrer eigenen Abteilung für Musiktheater, haben das Land für angehende Opernsänger*innen aus der ganzen Welt zu einem der begehrtesten und renommiertesten Ausbildungsstandorte gemacht. Das Opernschultreffen versteht sich nicht als Wettbewerb, sondern als eine Plattform zum Austausch zwischen den teilnehmenden Hochschulen, um den hohen Standard der künstlerischen Ausbildung in Baden-Württemberg zu zeigen und als lebendiges Forum zur Bedeutung szenisch-musikalischen Schaffens.

Diese Anziehungskraft ist aktuell natürlich auch eine besondere Herausforderung – denn dadurch erleben sowohl die Opernhäuser wie die Hochschulen eine bislang nie gekannte Internationalisierung des künstlerischen Personals. Viele junge Sänger*innen kommen heute aus Ländern ohne eigene Operntradition und singen in Sprachen und musikalischen Idiomen, die ihnen zunächst fremd sind. Den professionellen Anspruch, der schon an den Hochschulen im Hinblick auf die Arbeit im Repertoirebetrieb gestellt wird, erleben die Studierenden oftmals genauso stark als Kulturschock, wie das neue Lebensumfeld insgesamt.

Doch wer dieser doppelten Herausforderung gewachsen ist, gewinnt sowohl die Freiheit und Ausdrucksintensität auf der Bühne wie die Eigenverantwortlichkeit und den Respekt gegenüber den Kolleg*innen und der Kunstform, die eine ernsthafte künstlerische Arbeit erst ermöglichen. Und wie Doris Soffel im Interview betont, ist gerade die Tatsache, dass Menschen aus verschiedensten Kulturen im Kraftfeld einer Opernproduktion aufeinander treffen und etwas ganz Neues schaffen, ein Potential, das jede Aufführung besonders spannend und die Oper als Ganzes nicht nur zukunftsfähig, sondern zukunftsweisend macht.

Baden-Württemberg leistet sich mit seinen sieben Opernhäusern und fünf Musikhochschulen also keinen entbehrlichen oder unwirtschaftlichen Luxus. Vielmehr wird die Vitalität, Vielschichtigkeit und die Kraft der Oper hier konzentriert greifbar. Deswegen ist die Landeshauptstadt auch der ideale Ort für das Opernschultreffen mit dem Fokus auf die Ausbildung einer neuen internationalen Sänger*innen-Generation für das Repertoire­theater – als wegweisendes Diskussionsforum und Zukunftslaboratorium für die weitere Entwicklung des Musiktheaters.
Prof. Kornelia Repschläger, Prof. Bernhard Epstein, Angelo Raciti

Vorstellungsübersicht:
So, 16.06., 17 Uhr, Wilhelma Theater
Hans Werner Henze: Elegie für junge Liebende
Musikalische Leitung: Bernhard Epstein
Regie: Kornelia Repschläger
Bühne: Alexandre Corazzola
Kostüme: Ralf Christmann
Choreografie: Nico Mascia
Orchester: Studierende der Staatlichen Hoch-
schule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart

Di, 18.06., 19 Uhr, Wilhelma Theater
„Schau mich an!“
Musiktheater. Uraufführung.
Eine Kooperation des Theater Freiburg, der Akademie für Darstellende Kunst BW mit der Hochschule für Musik Freiburg
Musikalische Leitung: Brice Pauset
Inszenierung: Johann Diel
Orchester: Studierende der Hochschule für Musik Freiburg

Do, 20.06., 19 Uhr, Wilhelma Theater
Philippe Boesmans: Reigen
Musikalische Leitung: Cosima Osthoff
Inszenierung: Andreas Baesler
Sinfonieorchester der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim
Fr, 21.06., 18 Uhr, Haus der Geschichte
Wind und Hunger
Szenische Aktion mit Werken von Gerhard Stäbler
Studio für Stimmkunst und Neues Musiktheater & Studio Neue Musik
Dramaturgie und Szene: Prof. Angelika Luz
Performance von und mit Studierenden des
LABORs Aufführungspraxis Neue Musik der
HMDK Stuttgart
Leitung: Christof M Löser

Sa, 22.06., 19 Uhr, Wilhelma Theater
Benjamin Britten: The Turn of the Screw
Libretto von Myfanwy Piper nach einer Novelle von Henry James
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Inszenierung: Andrea Raabe
Orchester der Hochschule für Musik Karlsruhe
Ermöglicht durch die Riemschneider Stiftung

So, 23.06., 19 Uhr, Wilhelma Theater
In stile rappresentativo – Ein Monteverdi-Pasticcio
Musikalische Leitung: Marieke Spaans,
Jan Van Elsacker
Inszenierung: Bernd Niedecken
Instrumental- und Vokalensemble: Studierende der Musikhochschule Trossingen

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