Selbstbestimmt, selbstverwaltet

„Musikfabrik“ in Benrath


(nmz) -
Ein Artikel von Georg Beck

Das in der Orangerie von Schloß Benrath im Düsseldorfer Süden ansässige, im Landeshaushalt fest etatisierte und von der Stadt Düsseldorf unterstützte Ensemble für zeitgenössische Musik hat sich eine neue Struktur gegeben. Der alte Vereinsvorstand ist zurückgetreten. Der bisherige künstlerische Leiter Johannes Kalitzke hat sein Amt bereits Ende 1996 niedergelegt. In einer kühnen Wendung haben die 18 Mitglieder des Ensembles ihren vormaligen Angestelltenstatus beim Trägerverein „Landesensemble NRW e.V.“ abgestreift. Künftig werden alle programmatischen, strukturellen und organisatorischen Entscheidungen vom Ensemble selber getroffen. Ein Gremium, das den Ensembleversammlungen beratend zuarbeitet, besteht aus dem Perkussionisten Thomas Oesterdiekhoff, dem Pianisten Ulrich Löffler und dem Cellisten Gregory Johns. Neue Geschäftsführerin ist Mona Fossen. Die Neuerung darf als eine Schärfung des Ensemblegedankens verstanden werden. Gegen die Vorstellung einer hierarchischen Orchesterstruktur, in der die einen die Programme machen und die anderen dieselben ausführen, wurde die Idee des verantwortlichen Interpreten geltend gemacht. Künftig soll es keine großdimensionierten Werkinterpretationen im Stil von Stockhausens „Michaels Reise“ mehr geben. Vielmehr werden kammermusikalische Programme bevorzugt. Eine diesbezügliche Schlüsselerfahrung nichtdirigierter und zugleich funktionierender Interpretationsarbeit war für das Ensemble Harrison Birtwistles „Ritual Fragment“. Auch das geplante Cage-Projekt soll sich szenischer oder halbszenischer Formen bedienen. Dieses Vorhaben sowie die im Brecht-Jahr 1998 zu realisierenden Kompositionsaufträge sind Schwerpunkte der künftigen Ensemblearbeit.

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