Soundtrack 2020/02

Hanns Eisler: Nuit et brouillard, Capriccio


(nmz) -
Endlich wurde die Filmmusik zu einem der wichtigsten Filme über den Holocaust neu eingespielt: Hanns Eislers Score zu Alain Resnais’ „Nuit et brouillard“ („Nacht und Nebel“) – für die zweite Ausgabe einer Reihe von Eisler-Soundtracks. Benannt hat Capriccio diesen zweiten Teil: „Funeral Pieces/Nuit et broulliard“ (sic).
Ein Artikel von Viktor Rotthaler

Ja, so steht es unkorrekt auf dem Titel. Was bei einer so bedeutenden Einspielung wirklich sehr irritiert. Vermutlich fast jeder, der in den 70er-Jahren die Schule besucht hat, dürfte diesen halbstündigen Film (der jetzt auch auf DVD vorliegt) im Rahmen des Unterrichts gesehen haben. Und vermutlich so zum ersten Mal mit Eisler-Musik in Berührung gekommen sein, die dem Film „unterlegt“ ist, zusammen mit einem „poetischen“ Kommentar von Jean Cayrol, den für die deutsche Fassung Paul Celan „nachgedichtet“ hat.

Manchen wird die Stimme von Curt Glass, der in der deutschen Fassung Michel Bouquet ersetzte, nie mehr aus dem Ohr gehen. „Nacht und Nebel“ war 1955 der wichtigste Film zum Thema, bis 1985 Claude Lanzmanns epochaler Film über die „Shoah“ erschien. „Nie wieder!“ hieß das Nachkriegsmotto. In diesem filmischen Essay über Auschwitz, der bewusst zwischen Schwarz-weiß und Farbe changiert, klingt die „Brüchigkeit“ dieses Mottos bereits in der Musik an, die für diese CD von der Kammersymphonie Berlin unter der Leitung von Jürgen Bruns einge­spielt wurde.

Hanns Eisler versuchte mit dieser kammermusikalischen Faktur den Opfern ein Stück ihrer Würde zurückzugeben. Und suchte damit nach einer „gültigen“ Form des musikalischen Gedenkens, prismatisch und multiperspektivisch. Gekoppelt hat man dieses Meisterwerk der Filmmusikgeschichte mit der „Leipziger Sinfonie“ und „Trauerstücken aus Filmpartituren“. Ein unverzichtbares Stück deutsch-französischer Filmmusikgeschichte.

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