Soundtracks 2018/07

Captains Courageous – The Franz Waxman Collection, Intrada


(nmz) -
Zu den Soundtrack-Highlights der Saison gehört diese 4-CD-Box mit bisher unveröffentlichten Original Soundtracks von Franz Waxman aus den 1930er- bis 60er-Jahren. Schon in den frühen 30ern hatte er für Friedrich Hollaender die Musik zu „Der blaue Engel“ orchestriert. Im Hollywood-Exil entwickelte er sich schnell zu einem der wichtigsten Komponisten des „Golden Age“.
Ein Artikel von Viktor Rotthaler

Nach seiner bahnbrechenden Musik für Universals „Bride of Frankenstein“ ist er bei M-G-M gelandet. Erstaunlich ist die Tonqualität der Highlights auf dieser CD mit M-G-M-Scores: „Captains Courageous“ oder „The Adventures of Huckleberry Finn“. Fast immer an seiner Seite ,der große Mann im Schatten: der Orchestrator Leonid Raab, der ihm bis zu der jüngsten Musik von 1961 treu war, „Kings of the Roaring 20s“. Als einer von Waxmans besten Scores gilt seine Musik für das Remake von „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ mit Spencer Tracy in der Doppelrolle.

Geschickt verwendet er hier eine britsche Music-Hall-Polka (für die Prostituierte Ivy, verkörpert von Ingrid Bergman) und einen Strauß-Walzer (für seine Verlobte Beatrix), um sie dann in die berühmte „Transformation“-Musik übergehen zu lassen, die leider auf Tonträger nicht überlebt hat, die es aber in zahlreichen Neueinspielungen gibt.

Das absolute Schmuckstück ist hier allerdings die Musik für „Huckleberry Finn“, pure Americana. Es beginnt mit einem Banjo-Intro und wir wissen, wir sind in Mark-Twain-Country gelandet, im „Grand Old South“. Weil der Film ein Starvehikel für Mickey Rooney war, verzichtete M–G–M auf Tom Sawyer und konzentrierte sich stattdessen auf Hucks Beziehung zu dem Sklaven Jim. So darf Waxman hier auch sehr geschickt mit Spiritualthemen arbeiten. Während Erich Wolfgang Korngold selbst bei Warner Brothers ein Wiener geblieben ist, ist Franz Waxman bei M-G-M zum mitteleuropäischen „Amerikaner“ geworden.

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