Spitzenförderung im ländlichen Raum

25. Vergabe des Bruno-Frey-Musikpreises an der Landesmusikakademie Ochsenhausen


(nmz) -
Am 8. April 1994 wurde zum ersten Mal der Bruno-Frey-Musikpreis der Landesmusikakademie Ochsenhausen im Rahmen eines Festkonzertes verliehen. Nachdem anfänglich die Preisverleihungen nicht regelmäßig stattfanden, wurde ab dem Jahr 2002 ein jährlicher Modus eingeführt, so dass mit der Verleihung am 8. November 2020 um 17 Uhr der Preis zum 25. Mal vergeben wird.
Ein Artikel von K.K. Weigele

Bereits mit dem ersten Preisträger im Jahr 1994, dem Landesjugend­orchester Baden-Württemberg, wurde der Fokus auf die musikalische Begabtenförderung gelegt. Der damalige Stiftungsvorstandsvorsitzende, Prof. Dr. Hans-Bruno Ernst, bezeichnete diesen Preis als „einzigartiges Geschenk für die Musikerziehung und die Musizierenden“.

Schon damals war die Preissumme mit zirka 15.000 Euro hoch. Heute zählt der Preis mit 38.000 Euro zu den höchstdotierten Musikpreisen in Baden-Württemberg. Damit wurde der Landesakademie ein Förderinstrument an die Hand gegeben, mit welchem in den letzten 25 Jahren eine beachtliche Anzahl an hervorragenden Musikerinnen und Musikern unterstützt und mit einer Ausschüttung von über 660.000 Euro Preisgeldern ihre internationalen Musikkarrieren gefördert wurden. So gewann der Pianist Antonii Baryshevskyi, der 2010 den Bruno-Frey-Musikpreis erhielt, im Jahr 2014 den ersten Preis des 14. Internationalen Arthur Rubinstein-Wettbewerbs in Israel. Der Geiger Linus Roth, 2003 ausgezeichnet, erhielt gleich zwei ECHO KLASSIK. Andere Preisträger gewannen den Internationalen ARD-Wettbewerb, so der Schlagzeuger Johannes Fischer im Jahr 2007 oder das Klavierduo Alina und Nikolay Shalamov im Jahr 2015. Weitere Preisträger haben bei internationalen Wettbewerben 1. Preise gewonnen, so der Hornist Christoph Eß im Jahr 2007 beim Internationalen Musikwettbewerb Prager Frühling, das Klavierduo Yamamoto im Rahmen des 12. Morai Danov Pianokompetition im Jahr 2013, der Trompeter Simon Höfele beim Deutschen Musikwettbewerb 2016, das Klavierduo ShinPark beim 20. Internationalen Schubert-Wettbewerb 2017 oder die Geigerin Lara Boschkor beim TONALi Musikwettbewerb 2017.

Eine Vielzahl an ehemaligen Preisträgerinnen und Preisträgern sind heute Professoren an den Hochschulen in Deutschland, so die Geigerin Tanja Becker-Bender, die 1995 ausgezeichnet wurde. „Für die Förderung meiner musikalischen Ausbildung, gerade kurz vor dem Beginn meines Studiums in London“, so Tanja Becker-Bender, „war mir die finanzielle Unterstützung des Bruno-Frey-Preises eine besondere Hilfe“. Weitere Beispiele sind der bereits erwähnte Geiger Linus Roth und der Schlagzeuger Johannes Fischer, die Pianistin Gesa Lücker und die Geigerin Maria Elisabeth Lott.

Ein weiterer Schwerpunkt der Preisvergabe ist die Förderung musikalischer Spitzenbegabungen aus der Raumschaft zwischen Donau und Bodensee. Dies war dem Stifter Bruno Frey, der in Biberach gewohnt und als erfolgreicher Unternehmer ein großes Vermögen in die Stiftung eingebracht hat, besonders wichtig. Umso erfreulicher ist es, dass die 2015 ausgezeichnete Schlagzeugerin Vanessa Porter im Februar diesen Jahres als Echo-Rising-Star für die Saison 2020/21 ausgewählt wurde. Ebenso hat der aus Biberach stammende Saxophonist Christian Segmehl (Preisträger 2004) im Jahr 2010 einen ECHO KLASSIK erhalten und der 2013 ausgezeichnete Ulmer Spatzenchor den Deutschen Chorwettbewerb 2018 gewonnen.

Die jährliche Preisverleihung gehört zu den künstlerischen und gesellschaftlichen Höhepunkten in der Region zwischen Bodensee und Donau. Die Landesakademie profitiert in hohem Maße von dieser Situation, da sie durch die Preisverleihung immer wieder internationale Künstlerinnen und Künstler nach Ochsenhausen einladen kann, was eine Vielzahl an Musik- und Kunst­interessierte aus dem ganzen Land Baden-Württemberg in die Landesakademie führt.

In den letzten Jahren bestand das Bestreben des Vorstands der Stiftung darin, die Wirkung des Bruno-Frey-Musikpreises auszubauen. Dabei wurde Wert darauf gelegt, neben einer sorgfältigen Auswahl hervorragender Preisträgerinnen und Preisträger auch zusätzlich musikpädagogische Projekte mit Sonderpreisen zu versehen, um damit die Stiftungsarbeit auf eine weitere Säule zu stellen. Dieses Bestreben führte dazu, dass in den letzten Jahren immer wieder besondere musikpädagogische Projekte mit einem Förderpreis versehen wurden, darunter Schulen mit einem spezifischen musikpädagogischen Konzept, besondere Förderprogramme im Rahmen der Orchesterarbeit, Chorschulungsprojekte sowie musikpädagogische Arbeit in Kindertagesstätten.

Mit diesem Konzept soll es gelingen, Spitzenförderung und Breitenarbeit in einen Dialog zu führen, von dem beide Bereiche profitieren und neue Impulse für die Akademiearbeit ausgehen.

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