StiMMe – Die neue Zeitschrift des DVSM


(nmz) -
Seit seiner Gründung vor knapp 30 Jahren war es dem Dachverband der Studierenden der Musikwissenschaften schon immer das zentralste Anliegen, musikwissenschaftliche Forschung bereits zu einem Karrierezeitpunkt zu verwirklichen, in dem das sonst nur schwerlich möglich ist.
Ein Artikel von Jakob Uhlig

Ich selbst habe während meiner Studienzeit viele unheimlich inspirierende Momente nicht nur durch Diskussionen in Seminaren, sondern auch im Diskurs mit meinen Kommiliton*innen bekommen. Diese Lebhaftigkeit im Austausch ist etwas, was die Zeit des Studiums wie kaum etwas Anderes auszeichnet. Ideen von Studierenden finden in Hausarbeiten Platz, gerade die Masterarbeiten sind im musikwissenschaftlichen Bereich oft schon bedeutende Beiträge zum wissenschaftlichen Diskurs. Nur: All diese Ideen bleiben eben genau dort hängen. Sie sind Inspiration für einen kleinen Kreis und können unter Umständen sogar viele Steine in den Köpfen anderer Menschen ins Rollen bringen, aber wirklich über diese begrenzte Reichweite kommen sie eigentlich nie hinaus. Hierarchien sind in der akademischen Welt immer noch eine kaum zu überwindende Hürde, die für viele schlicht frustrierend ist.

Der DVSM hat dem mit verschiedenen Projekten entgegengewirkt. Ursprünglicher Sinn des Vereins war es, einmal im Jahr ein Nachwuchssymposium zu veranstalten, auf dem ausschließlich Studierende und Promovierende in einem geschützten Raum ihre Gedanken präsentieren dürfen. Seit einigen Jahren haben wir uns noch vielen weiteren Ideen geöffnet. Es gibt bei uns zum Beispiel selbstständig arbeitende Forschungsgruppen, die ganz autonom Veranstaltungen durchführen, Texte veröffentlichen und einfach gemeinsam Spaß an der Beschäftigung mit vielfältigen Themen haben. Mit der Bundesfachschaftstagung haben wir kürzlich einen Begegnungsort wieder ins Leben gerufen, durch den Studierende netzwerken und sich gemeinsamen Ideen widmen können. Und – dies ist aktuell mein persönliches großes Herzensprojekt des Vereins – wir haben vor einigen Monaten StiMMe gegründet.

StiMMe ist eine in der deutschsprachigen Musikwissenschaft bisher einzigartige Zeitschrift, in der Studierende bereits vom Bachelor an die Möglichkeit bekommen, eigenständig Aufsätze zu veröffentlichen. Uns ist wichtig dabei einerseits inklusiv zu sein und wirklich Studierende aller Studienstufen mit hinzuzunehmen, andererseits wollen wir für genau diese Zielgruppe aber auch exklusiv sein und die Plattform für diejenigen bieten, die sonst fast immer außen vor bleiben. Das Interesse an der Zeitschrift war von Anfang an groß. Mittlerweile bestreitet ein Team aus 16 freiwillig arbeitenden Studierenden das Projekt und setzt die Leitlinien für das, was später einmal die erste Ausgabe werden soll. Wir kommen aus allen Ecken von Deutschland und Österreich und treffen uns durch das Wunder des Internets mindestens alle zwei Wochen, um über Themen wie Design, Inhalte, Öffentlichkeitsarbeit und schlicht die organisatorischen Fallstricke einer solchen Arbeit zu sprechen.

Studentische Forschung sichtbar und relevant zu machen hört aber nicht damit auf, einfach nur eine Plattform für die Veröffentlichung von Texten zu werden. Publikationsmöglichkeiten wie der GRIN-Verlag, in dem einfach jeder seine Hausarbeit hochladen kann und dafür sogar einen schmalen Obolus bekommt, sorgen nämlich gerade nicht dafür, dass studentische Veröffentlichungen endlich ernst genommen werden. Im Gegenteil: Dadurch, dass dort einfach jeder seine Texte quasi ohne Qualitätsmaßstäbe hochladen kann, entsteht eine Flut an PDF-Dateien im Internet, durch die selbst die wirklich guten Texte in der Masse der Resterampe untergehen. StiMMe hat sich daher auch das Ziel gesetzt, nicht nur blind zu veröffentlichen, sondern einen Mechanismus der Qualitätsförderung zu integrieren. Hierzu gibt es – wie in den großen wissenschaftlichen Fachzeitschriften auch – ein Peer-Review-Verfahren, das nicht nur von Studierenden begleitet wird, sondern auch von renommierten Wissenschaftler*innen, die dabei helfen, noch mehr aus den geplanten Texten herauszukitzeln. Viele haben sich dazu bereiterklärt und das gibt mir Hoffnung, dass dieses Projekt auch zu einer abflachenden Hierarchisierung beitragen kann, die von beiden Seiten gewollt ist.

Veröffentlicht wird StiMMe in Zusammenarbeit mit Musiconn.publish, dem Publikationsservice des Fachinformationsdienstes Musikwissenschaft. Wir sind sehr glücklich über diese Kooperation, weil es uns das Gefühl gibt, dass dieses aus studentischen Kreisen gestartete Projekt tatsächlich eine Wertschätzung bekommt. Die angenommenen Aufsätze werden so schließlich als gemeinsames E-Paper veröffentlicht und bekommen sogar eine ISSN-Nummer, sodass sie zum Beispiel in Bibliothekskatalogen auftauchen und alle Forschenden damit weiterarbeiten können. Derartige Projekte hat es in anderen Fächern schon gegeben, umso wichtiger ist es für mich, dass die Musikwissenschaft damit nun auch nachzieht! Gerade in Zeiten, in denen die Zahlen der Studienanfänger*innen alles andere als rosig aussehen, ist es wichtig, denjenigen Gehör zu verschaffen, die noch immer richtig Lust auf das Fach haben!

Diese Leidenschaft für das musikwissenschaftliche Forschen spüre ich im Augenblick jedes Mal, wenn wir uns als Redaktion von StiMMe gemeinsam treffen. Es ist für mich immer diese Art von Projekten gewesen, die mich während meiner Studienzeit nach vorne getrieben hat. Und wenn es diesmal sogar etwas wird, was weit über die Blase unserer örtlichen Studierendenkneipe hinausgeht, dann ist es wirklich das Schönste, was ich mir vorstellen kann. Diesen Sommer rufen wir zum ersten Mal dazu auf, Texte bei uns einzureichen – und es ist wohl niemand aufgeregter als wir!

Jakob Uhlig – Vorsitzender des DVSM e. V. – Redaktionsleitung von StiMMe

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