Umfrage der nmz zur Halbzeit der NNM-Projekte

Mainz


(nmz) -
Diese Antworten sind in Abstimmung mit Villa Musica formuliert; sie geben die Position unseres Hauses wieder.
Ein Artikel von Kajo Pieper

1.
Welche konkreten Auswirkungen hatte das Projekt auf das städtische Musikleben? - Frage muss für Rheinland-Pfalz ja lauten: "auf das Musikleben des Landes".

- Es ist unter den Musikinstitutionen in Rheinland-Pfalz ein neues Klima des Dialogs über die Neue Musik entstanden. Es kam zu Kooperationen, die auch über 2011 hinaus auf Nachhaltigkeit angelegt sind (Villa Musica und Herrenhaus Edenkoben, Villa Musica und Musikhochschule Mainz, Musikgymnasium Montabaur und AG Neue Musik Grünstadt).

2.
Das NNM wurde als Projekt der Vermittlung konzipiert:
Wurde das Ziel, ein breites Publikum mit qualitativ hochwertiger Gegenwartsmusik anzusprechen, erreicht? Verstehen die Bürger Ihrer Stadt die Sprache der neuen Musik besser als vorher?

- Da die Projekte in Rheinland-Pfalz über das ganze Bundesland verstreut sind, konnten sich "Lerneffekte" beim Publikum nicht so deutlich einstellen wie bei Projekten, die auf eine Stadt konzentriert sind. Dazu ist die Anzahl der Veranstaltungen pro Stadt zu gering (Neuwied, Mainz, Kaiserslautern, Grünstadt, Montabaur mit durchschnittlich 2 Veranstaltungen pro Jahr). Es sind aber ganz erstaunliche Begegnungen bestimmter Zielgruppen mit Neuer Musik zustande gekommen: Senioren (Freunde der Villa Musica), Schulklassen, ganze Jahrgangsstufen (Musikgymnasium Montabaur), ein traditionelles Kammermusikpublikum, Jugendliche. Die persönlichen Begegnungen mit den Komponistinnen und Komponisten und die klassischen Konzerteinführungen haben sich dabei als die wirkungsvollsten Formen der Vermittlung erwiesen.

3.
Inwieweit hat sich die Vernetzung innerstädtischer/regionaler Netzwerke verbessert?

- Rheinland-Pfalz war bis 2008 ein Land der Einzelakteure in der Neuen Musik, jetzt ist in diesem Bereich ein Land der vernetzten Aktionen, des runden Tischs, der gegenseitigen Unterstützung und Anregung.

4.
Werden die Projekte und Konzertreihen weitergehen, wenn die Mittel der Bundeskulturstiftung entfallen? Welche Folgen gibt es (Nachhaltigkeit)?

- Weiter gehen wird die Förderung junger Komponistinnen und Komponisten durch das Herrenhaus Edenkoben in Kooperation mit Villa Musica. Hier wurden die Mittel für Kompositionsaufträge schon bewilligt, die betreffenden Projekte sind in Planung. Weitere konkrete Beschlüsse zur Nachhaltigkeit wurden noch nicht gefasst.

5.
Eine kurze Halbzeitbilanz?
(z. B. Was war gut? Was ist verbesserungsbedürftig?)

Positiv: Tolle Projekte, beeindruckende Persönlichkeiten unter den Komponisten, Vielfalt der Ansätze, die Virtuosität der Interpreten, die große Anschaulichkeit der Musik.

Negativ: Der Publikumszuspruch war immer dann schwach, wenn ausschließlich Neue Musik auf dem Programm stand. Wenn Brücken vom Zeitgenössischen zur Romantik oder zum Barock gebaut werden, ist der Zuspruch viel größer. Das Interesse der Presse war eher sporadisch, mit bedingt durch den kammermusikalischen Schwerpunkt des Projekts.


Diese Antworten sind in Abstimmung mit Villa Musica formuliert; sie geben die Position unseres Hauses wieder.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Kajo Pieper
Referatsleiter Theater-Orchester-Musikpflege
MINISTERIUM FÜR BILDUNG,
WISSENSCHAFT, JUGEND UND KULTUR

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