unüberhörbar 2017/07

Bach, Laks und Scharwenka


(nmz) -
Bach & Sons 2: Sebastian Knauer (Daniel Hope, Philipp Jundt), Zürcher Kammerorchester. Berlin Classics +++ Chamber Works by Szymon Laks (Aus der Reihe Music in Exile). ARC Ensemble. Chandos +++ Philipp Scharwenka: Werke für Violine und Klavier – Sonaten opp. 110 h-Moll & 114 e-Moll, Suite op. 99. Natalia Prishepenko, Violine; Oliver Triendl, Klavier. TYXart
Ein Artikel von Hanspeter Krellmann, Mátyás Kiss, Wolf Loeckle

Bach & Sons 2: Sebastian Knauer (Daniel Hope, Philipp Jundt), Zürcher Kammerorchester. Berlin Classics

Knauer setzt seine Hommage für die Bach-Familie – mit dem Thomaskantor und dessen Söhnen Carl Philipp Emanuel und Johann Christian – fort. Er bringt sich auf einem modernen Flügel (mit dem ihn so begleitungsperfekt wie eigenbestimmt sekundierenden Zürcher Kammerorchester) mit Klavierkonzerten der drei ein und imaginiert souverän Stilwechsel und Ausdrucksfortschritt von zwei Generationen dieser berühmtesten Komponistenfamilie aller Zeiten. Der Hörer wird eingebunden in ein Musizieren jenseits aller Wissenschaftstüftelei. Zum Glücksfall gerät, wie diese Wunderpersönlichkeiten der Musikgeschichte verstanden und weitergegeben werden, ohne ins Buchstabieren abzugleiten. Eine so geistvolle wie natürliche Werk-Durchdringung wird animierend vorgeführt von Sebastian Knauer und seinen Zürcher Freunden. [Hanspeter Krellmann]

Chamber Works by Szymon Laks (Aus der Reihe Music in Exile). ARC Ensemble. Chandos

Der Warschauer Szymon Laks, Jahrgang 1901, studierte in seiner Heimat – damals einer Unterabteilung des russischen Zarenreiches – und reiste dann weiter nach Wien und Paris, wo er sich rund um das Jahr 1925 niederließ. Das aus heutiger Sicht unvorstellbar facettenreiche Kulturleben dort inspirierte ihn dergestalt, dass er zu dem wurde, als der er in die Musikgeschichte eingegangen ist – von den Schrecklichkeiten der politischen Entwicklungen des zwanzigsten Jahrhunderts gepeinigt. Auschwitz-Birkenau sagt alles. All diese Grausamkeiten prägen seine Musik freilich nur marginal. Inhaftiert und dadurch verängstigt schrieb er dennoch eine Passacaglia, frei von Text. Wobei die Klarinette als der menschlichen Stimme überaus nahes Instrument den Gesang übernimmt. In all diesen Tiefen orientiert sich diese Aufnahme des ARC Ensemble. Kaufen. Ohren öffnen. [Wolf Loeckle]

Philipp Scharwenka: Werke für Violine und Klavier – Sonaten opp. 110 h-Moll & 114 e-Moll, Suite op. 99. Natalia Prishepenko, Violine; Oliver Triendl, Klavier. TYXart

Es muss beileibe nicht immer Brahms sein: Philipp Scharwenka, 1847 geboren und vor genau hundert Jahren verstorben, erweist sich auf dieser rundum gelungenen Platte als nicht bloß handwerklich untadeliger, sondern mit hinreißenden melodischen Einfällen nur so um sich werfender Schöpfer hochromantischer Kammermusik, der in den Duosonaten wohl sein Bestes gab. Aber es bedarf auch derart hingebungsvoll engagierter, dabei unerhört präzise agierender Interpreten wie Prishepenko und Triendl, damit noch die letzten Zweifel verfliegen, dass wir es hier mit lange verschütteten, jederzeit repertoirefähigen Meisterwerken zu tun haben. [Mátyás Kiss]

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