Update für die Lehramtsstudiengänge?

Das Haus 2.5 – ein Industriebau mit Charme


(nmz) -
Am 20. März 2014 konnte die Hochschule für Musik Dresden mit Vertretern von Ministerien, Stadt und DREWAG die neuen Räume im Haus 2.5 feierlich eröffnen. Als Teil des Kraftwerks Mitte direkt auf der gegenüberliegenden Seite des Wettiner Platzes gelegen, soll das Gebäude die Raumkapazität des Hauptgebäudes Wettiner Platz 13 erweitern.
Ein Artikel von Peter vom Stein

Diese Erweiterung wurde notwendig, um die stark gestiegenen Aufnahmezahlen im Bereich der Lehramtsstudiengänge zu kompensieren. Lag die Zahl bis 2011 bei etwa zehn Studierenden pro Jahr, sollen nach der zum 2. Juli 2012 mit den Ministerien vereinbarten Sonderzielvereinbarung jedes Jahr insgesamt 54 Studierende in den Lehramtsstudiengängen aufgenommen werden. Diese werden in Staatsexamensstudiengänge für die Schulformen Grund- und Mittelschule oder Gymnasium oder im Doppelfach Musik, das weiterhin als Bachelor- und Masterprogramm angeboten wird, immatrikuliert. Wie bei einer derart großen Erhöhung der Zielzahlen zu erwarten war, konnte in den letzten beiden Jahrgängen nicht exakt die vorgegebene Quote für die unterschiedlichen Schulformen erreicht werden – insgesamt wurden die geforderten Zahlen aber sogar leicht übertroffen.

Nach Abschluss des Innenausbaus, der den Charme des alten Industriebaus überzeugend erhalten konnte, stehen jetzt insgesamt 19 Räume mit einer Nutzfläche von etwa 1.200 qm zur Verfügung. Dazu zählen Bandprobenräume, Übe- und Unterrichtsräume, ein Großraumbüro sowie Seminar- und Dozentenräume. Die Nutzfläche ist auf vier Stockwerke verteilt, die über das Treppenhaus oder einen neu eingebauten Aufzug erreicht werden können. Sanitäre Anlagen sind auf jeder Etage verfügbar. Obwohl die neu angemieteten Räume explizit für den gestiegenen Bedarf in den Lehramtsstudiengängen gedacht sind, wurden bei der Konzeption des Innenausbaus und der Ausstattung auch die Bedürfnisse der anderen Studienrichtungen beachtet. Es ist ein grundsätzliches und gewichtiges Prinzip der Hochschule, nicht einzelne Studienrichtungen zu isolieren und auszulagern, sondern – soweit das möglich erscheint – die unterschiedlichen Studiengänge auf einem Campus zusammen zu entwickeln. Übe- und Unterrichtsräume werden ohnehin von Studierenden verschiedenster Studienrichtungen genutzt, die räumliche Nähe fördert und vereinfacht aber auch die Zusammenarbeit auf Dozentenebene. Mit dem Bezug des Gebäudes 2.5 ist also nicht ein neues „Institut für das Lehramt Musik“ entstanden, sondern eine Erweiterung der Hochschule, in der die vorhandenen Gegebenheiten optimal für die Bedürfnisse der gesamten Hochschule genutzt werden sollen. Hierzu gehört auch eine ordentliche Ausstattung, die durch Investitionsmittel seitens des Freistaates Sachsen ermöglicht wurde. Für Unterrichts- und Überäume konnten elf Flügel und sechs Klaviere erworben werden, die Theorieräume sind zusätzlich mit einem Smartboard ausgestattet. Die Bandräume im Keller erhielten die übliche Backline, also Gesangsanlagen, Drumsets und Verstärker. In den zwei kleinen Bandräumen stehen keine Klaviere, sondern hochwertige Keyboards, die weniger Platz benötigen und ein im Vergleich erweitertes Soundspektrum bieten.

Neu im Angebot sind zwei Räume für studentisches Arbeiten, die in dieser Form im Hauptgebäude so nicht existieren: ein Keyboardkabinett im Erdgeschoss und acht Computerarbeitsplätze im ersten Stock. Das Keyboardkabinett enthält – auf besonderen Wunsch der Studierenden – vier E-Pianos, die weniger zum Üben gedacht sind, als vielmehr zum Kontrollieren von Tonsätzen und Arrangements. Die Keyboards sind mit Kopfhörern ausgestattet und können so von vier Studierenden gleichzeitig genutzt werden.

Die Computerarbeitsplätze bestehen aus vier PCs und vier Macs – alle mit entsprechend hochwertiger Musiksoftware bestückt (Finale, Sibelius, Cubase und Logic). Studierende können hier MIDI-Arrangements herstellen, Aufnahmen nachbearbeiten oder komplexe Notationen erstellen. Diese Arbeitsplätze schließen eine Lücke im Angebot der Hochschule, da diese Arbeiten in vielen Studienrichtungen mittlerweile zum Standard gehören, nicht alle Studierenden aber über die finanziellen Möglichkeiten verfügen, sich die immer noch recht teure Hard- und Software zuzulegen. Eine weitere Besonderheit ist der Seminarraum, der mit seiner maisonetteartigen Architektur das Arbeiten auf zwei Ebenen ermöglicht. Dies eröffnet besonders bei Kleingruppenarbeit interessante Arbeits- und Organisationsformen.

Das Haus 2.5 ist unter den gegebenen Umständen eine sehr willkommene und dringend benötigte Ergänzung des Hauptgebäudes, angemietet sind die Räume für die kommenden fünf Jahre. In der Zwischenzeit wird die Suche nach einem endgültigen Standort weitergehen. Das war allerdings kein Hinderungsgrund, nach der ersten Eröffnungsfeier im April des Jahres eine weitere abzuhalten: Am 12. Oktober 2014 wurde mit der Premiere der Kammeroper „Die Flut“ von Boris Blacher aus dem Jahr 1946 das neue Studienjahr im neuen Gebäude feierlich eröffnet. Das Stück, dessen szenische Uraufführung im Jahr 1947 passender Weise in Dresden stattfand, wurde im Wesentlichen von Lehramtsstudierenden gestaltet. Darüber hinaus gab es dabei eine Zusammenarbeit über die Stu-diengangsgrenzen hinweg: Das Bühnenbild wurde von einer Studierenden der Hochschule für Bildende Künste Dresden verantwortet, die szenische und musikalische Inszenierung betreuten Dozenten verschiedener Studienrichtungen. Musiziert haben neben Lehramtsstudenten auch Studierende aus dem Bereich Instrumental- und Gesangspädagogik. Diese Aufführung war ein idealtypisches Beispiel für die inhaltliche und strukturelle Vernetzung innerhalb des Hauses, auch in den neuen Räumen des Gebäudes 2.5.

Prof. Peter vom Stein, Lehramt Musik

Haus 2.5 im Bau. Foto: Ronny Zeidler

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