Vom großen Sterben hören

Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien


(nmz) -
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Mauthausen Komitees Österreich (MKÖ) hat das MUK.sinfonieorchester Joe Zawinuls „Mauthausen … vom großen Sterben hören“ — zum Gedenken an „60 Jahre KZ Mauthausen“ 1997/98 geschaffen — in einer neu ausgearbeiteten Orchesterfassung auf die Bühne gebracht. Joe Zawinul gilt als einer der erfolgreichsten Alumni der MUK, er wäre in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden.

Wenige Monate nach dem „Anschluss“ Österreichs an Hitlerdeutschland eröffnete die, durch die SS gegründete, Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH (DEST) das Lager im Mai 1938 als Steinbruch mit 30 Arbeitern. Die ersten Häftlinge trafen am 8. August 1938 in Mauthausen ein. Ungefähr 300 Häftlinge aus dem KZ Dachau wurden für den Lageraufbau nach Mauthausen überstellt und im berüchtigten Steinbruch zur Zwangsarbeit getrieben. Der Lagerkomplex Mauthausen war einer der größten Lagerkomplexe im gesamten nationalsozialistischen System der Vernichtung.

Zum 60. Jahrestag vergab das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) an einen der bedeutendsten Alumni der heutigen MUK, den Jazz-Pianisten, Komponisten und Bandleader Joe Zawinul, einen Kompositionsauftrag: Sein Werk „Mauthausen … vom großen Sterben hören“, in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Burgschauspieler Frank Hoffmann entstanden, wurde am 8. August 1998 beim Gedenkkonzert an die Opfer der NS-Herrschaft in Mauthausen erstmals aufgeführt.

Dieses von fast 10.000 Menschen besuchte Konzert war die erste Veranstaltung des neugegründeten Mauthausen Komitees, der Nachfolgeorganisation der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen.

Uraufführung der Orchesterfassung

Zawinuls Wunsch war es, das Werk lebendig zu halten. Eine Aufführung sollte auch ohne seine Mitwirkung möglich sein und so wurde seine Idee, eine Fassung für Orchester und Chor auszuarbeiten, nach seinem Tod weiterverfolgt und nun anlässlich des 25-jährigen Bestehens des MKÖ uraufgeführt. Die jungen Musiker*innen – Instrumentalist*innen und Sänger*innen – der MUK haben unter der Leitung von Andreas Stoehr gemeinsam mit den Wiener Chormädchen und dem Schauspieler Ulrich Reinthaller als Erzähler diese bedrückende Collage im Wiener MuTh auf die Bühne gebracht.

„Wir bedanken uns bei unseren vielfältigen Förderern für die letzten 25 Jahre der Unterstützung und der Solidarität mit dem Mauthausen Komitee Österreich. Ganz besonderer Dank gebührt auch der MUK und den jungen Musiker*innen, die uns anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Mauthausen Komitees dieses wunderbare Konzert zum Geburtstag schenken. Wir fühlen uns verpflichtet, im Sinne des Vermächtnisses der Häftlinge unseren Kampf gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus und für ein ‚Niemals wieder‘ auch in den nächsten Jahren intensiv fortzusetzen“, so MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi.

Das MKÖ tritt als überparteilicher und überkonfessioneller Verein für die freie Demokratie und die Menschenrechte aller ein. Neben einem starken Engagement gegen Rechtsextremismus und Projekten für Jugendliche organisiert das MKÖ gemeinsam mit seinem Netzwerk mehr als 110 Gedenk- und Befreiungsfeiern jährlich in ganz Österreich, darunter: die Gedenk- und Befreiungsfeier in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen sowie das Fest der Freude am Wiener Heldenplatz.

90 Jahre Joe Zawinul

Josef „Joe“ Zawinul (1932–2007) war ein österreichischer Jazzmusiker von internationaler Bedeutung. Seine musikalische Ausbildung begann er als Zwölfjähriger am damaligen Wiener Konservatorium, der Vorgängerinstitution der heutigen MUK. Von Wien aus avancierte er zum einflussreichen und weltbekannten Jazz-Musiker. Zahlreiche seiner Kompositionen sind für „klassische“ Ensembles konzipiert und im Grenzbereich zwischen notierter und improvisierter Musik angesiedelt; so auch seine szenische Collage „Mauthausen …vom großen Sterben hören“. Über ein Jahr hinweg stöberte Zawinul in Archiven, las alles, was er zum Thema finden konnte, sammelte hunderte Soundfetzen und hörte originale Tondokumente. Schließlich fuhr er nach Mauthausen, um dort an einem kalten, verregneten Tag im Wiener Graben einen realen Eindruck zu bekommen. Er schuf ein monumentales Werk, das — wie er selbst sagt — „eine Sonderstellung in seinem gesamten künstlerischen Schaffen einnimmt“ und aufzeigen will, dass Demokratie und Freiheit keine Selbstverständlichkeiten sind.

Andreas Mailath-Pokorny, Rektor der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien: „Wir alle tragen Verantwortung für unser Miteinander. Wie wichtig der Dialog ist und wie sehr der gesellschaftliche Friede und das Gemeinwohl auch von jedem Einzelnen abhängen, wird uns immer wieder aufgezeigt. 2022 wäre Joe Zawinul, einer der bedeutendsten Alumni der MUK, 90 Jahre alt geworden. Dieses Konzert ist auch eine Hommage an ihn, den universellen Musiker und Künstler, der sich stets für Weltoffenheit, Toleranz und Humanität einsetzte.“

www.muk.ac.at

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